Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z .Neue N at ion a 1 - Z eh u n g' gcl'u adcn. \V;is lut's. v tun seine Muse ..jiddisch" singt? In alle Kuluirsprachen der Welt wurden seine Gedichte übersetzt: in zierlichen Bälden schmücken sie die feinsten Salontischchen. Der Jiddisch-Dichter von Yonkers hat sich in der Weltliteratur ei.ien IM-.it/. erobert, als Sänger des jüdischen J'roiei.tri-its und als Schöpfer der Ghetto-Lieder. Sei uns gegrüsst, Morris Rosenfeld, auf dein Wie;er Hoden! Möge uns Dein Genius den Frieden bringen, nach dem wir uns sehnen., und die Eintracht. rlere 1 wir bedürfen. Die Mitteilungen der Gesellschaft über de i V o r t r a g s - A b e n d lauten: Zufolge der besonderen Güte unseres verehrten Vi/.e -Präsidenten, des Herrn k. u. k. Hofschauspielers Adolf Kitter von Sonnenthal und einer freundlichen Zusage des Schriftstellers Herrn Heinrich Glücks mann erfährt das Programm des am Mittwoch, 2i. () k t o b <. r 1908, im kleinen Musikvereinssaalc stattfindenden M o r r i s R o s e n f e 1 d- Abendes eine wertvolle Bereicherung durch die Wiedergabe RosenfeJd'scher Dichtungen in hochdeutscher Sprache, vorgetragen von Herrn Adolf von S o n n e n t h a 1, und durch biographische Daten, mitgeteilt \ 0.1 Herrn Heinrich G 1 ü c k s m a n n. x Die P. T. Mitglieder der Gesellschaft wollen das Vorkaufsrecht auf Karten zu diesem Vortrage bis längstens Mittwoch, den 14. Oktober 1908 ausüben. Die Kartenausgabe erfolgt im jüdischen Museum. II., Praterstrasse 28, 1. Stock, in der Zeit von 1 1 bis 1 \ br mittags. Von D o nnerst a g, den 15. d. M. angefangen werden Karten auch an N ichtmitglieder im Zentralkartenbuerau C arl Kehlen dorfer, I., Krugerstrasse 3, ausgegeben. Sämtliche Karten sind zu nachfolgenden Preisen erhältlich : Cercle . » 1 K 10 —, Genie . . t K 6.- Parquct 1 K b—i Parterre . vi K s4—. Galerie j Reihe . \ a K 3-'? Galerie 2. 11. 3. Reihe 1 K 2___ Entree . . . t K 1 — Freunde und Gesinnungsgenossen! Verlanget in euren Gast- und Katfeehäusern die „NEUE NATIONAL-ZEITUNG". ZZ TENKREMO: dii*af J$eo Tolstoi und der» ^ntissniitisnius.*) Als im Jahre 1889 in den ungesunden Schichten des Volkes dLgiftige Blume des Antisemitismus erblühte und neue Bedrückungen einem ganzen Volke drohten da wurden innerhalb der Gesellschaft Stimmen laut, und unter den besten Leuten erstand der Gedanke eines öffentlichen Protestes. Dillon schickte damals Tolstoi zur Unterschrift den Text eines flammenden Protestes ein, der in der russischen und ausländischen Presse veröffentlicht werden sollte. Glühend vor Erregung und Empörung gegen die Verfolger unterschrieb Tolstoi den Protest und sprach lange und temperamentvoll über den Wahnsinn und Schrecken des Antisemitismus. ,,Ich kann mir nur sehr schwer," - sagte er — ,.den Seelenzustand von Menschen vorstellen, die von einem derartigen Wahnsinn befallen sind. Nie in meinem Leben spürte ich derartige Empfindungen in mir und beobachtete sie auch niemals unter dem Volke. Aber je mehr ich über diese Sache nachdenke, desto deutlicher und deutlicher sehe ich, dass der Antisemitismus weder eine Gesinnung, nxh politische Ueberzeugung, noch wieder ein Parteistandpunkt ist . . . sondern vielmehr ein krankhafter Zustand, eine wilde Leidenschaft, und zwar eine Leidenschaft, die sich dem Gebiete der niedrigsten Geschlechtsinstinkte nähert, Instinkten mit besonderer perverser Schattierung. E,s gibt Menschen . . . und besonders überrascht dies bei den dem Trünke verfallenen und jeden Schamgefühls blossen S t ras send imen, die unaufhaltsam mit schlechten Schimpfworten herumwerfen und in steigender Selbstvergessenheit schliesslich ihre Schani entblössen und diese, gleichsam als Gipfel des gröbsten, den Menschen ins Gesicht schleudern; und tatsächlich kann man sich schwer etwas niedrigeres denken. Eime derartig ekelhafte Scham entblössen auch die vom Antisemitismus Befallenen. Unaufhaltsam, bis zur völligein Erschöpfung werfen auch sie Unflat auf die Juden .... Und hat ihre Wut den Höhepunkt erreich/t, so lassen sie nicht ab . . . Zischend entringen sich zischende Laute ihrem geifernden Münde, find sie spritzen mit diesem Zischen, das, von Hass und Wut erfüllt ist, wie Nattern auf ihre Neben menschen und man sieht es, wie dieses Zischen ein besonderes Gefühl der schamlosen Befriedigung und Wollust bei ihnen wachruft .... 'Und ob sie nun schreiben oder reden: ihr Schimpfen bleibt dasselbe. Nehmen Sic nur einen der talentiertesten antisemitischen Schriftsteller, der *) Aus der soeben erschienenen Broschüre „G r a f Leo Tolstoi über die luden." 'Mit einem Vorwort vom Reichsduma-Abgeordneten O. Pergament. Von T e n e r e m o. Deutsch von S. Brauner. Russischer Vorlag E. Murawkin. Berlin 1908. Obiger Aufsatz Tenetv-mos. des bekannten Tolstoischen Hausfreundes, bezieht sich auf jene Zeit, als der Korrespondent der ..Daily News", Dillon, in Verbindung mit den liberalen russischen Kreisen jn allen hervorragenden Pressorganen der Welt einen Protest gegen die russischen Judenverfolgungen veröffentlichen wollte. Dillon schickte 'den Protest auch an Tolstoi zur Unterschrift, welcher bei der l'nterfertigung die obigen "Worte aussprach. «Anm. d. Red.)