Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NEUE NTCKNftL-ZEiDUNG R£Raüsg5Ber; ors.R.LiSNö^u:: x. jährorng. WlEfi, 16. OKTOBER 1908. Nf. 41. fäopvis Roscnfcld in \$ien! Auf seiner Reise durch Kuropa, nachdem er in allen grösseren Zentren der Judenschaft, in Prag, Lemberg', Krakau, Budapest usw. Beifall und Anerkennung' gefunden hat, trifft Morris Rosenfeld nächste Woche zu einem Vor -__ trage auch in Wien ein. Der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" sowie ihrem verdienten Präsideriten, flenn Baurat S t i a s s n y, gereicht es zum Verdienst und zur Ehre, die Veranstaltung dieses Vortrags-Abends übernommen zu haben. Kein Geringerer als der geniale Meister der Vortrags - kunst, Ober-Regisseur Adolf Ritter von Sonne nt h a 1, wird sich der Aufgabe unterziehen, die Gedichte Rosenfelds in deutscher Sprache vorzulesen und dem Verständnis jenes Publikums, welchem das Jiddisch fremd ist, näherzubringen. Der Abend, an dem Morris R o s e n f e 1 d in der Mitte der jüdischen Bevölkerung von Wien erscheinen wird, kann als ein wichtiges Ereignis nicht nur vom persönlichen. Standpunkte des Dichters, .sondern auch vom Gesichtspunkte der jüdischen Volkssache angesehen werden. Deehemalige New-Yorker Schneider, der Dichter morrit Kolenfeld. einer verspotteten Sprache und eines vci achteten Proletariats, jahrelang unbekannt und in den kümmerlichsten Verhältnissen lebend, erscheint er jetzt vor der geistigen Elite der österreichischen Judenschaft mit seinen Jiddisch-Gedichten, in denen die tiefsten seelischen Empfindungen und die schmerzvollsten Wehklagen der jüdischen Yolksmassen verkörpert erscheinen. I nd er erlebt die Genugtuung, dass der bedeutendste dramatische Künstler der kaiserlichen Hofbühne an seiner Seite als Dolmetsch seiner Gedanken auftritt. So musste sich endlich die dichterische Kraft, die. in den Werken Rosenfelds schlummerte, ihren Weg bahnen - zum Herzen aller Klassen des jüdischen Volkes. Es ist recht naiv und ein Zeichen kleinlichen Parteidünkels, wenn man Rosenfeld irgend einer Partei zuzählen und ihn in den Rahmen eines Programme* hineinpressen möchte. R >sente!d gehört dem ganzen jüdisc hen Volke. Er hat unser nationales Weh besungen („Chanuka-Lichtern'*), er hat für das Herzleid des proletarischen Vaters („Mein Jüngele") und für die nächtlich herumschleiehcndc Dirne (?,Wohin? — Zu a Mädele!") Worte von prometeischer Kraft