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Neue Nationalzeitung · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ffr. 46. Nach der Okkupation absolvierte er die Kriegsschule mit sehr gutem Erfolge, avancierte 1892 aussertourlich zum Major, 1895 zum Oberstleutnant, 1898 zum Oberst und wurde noch in demselben Jahre zum Kommandanten des Infanterie-Regimentos Nr. 26 ernannt. Nach vierjähriger ausgezeichneter Kommandoführung wurde er 1902 Offizier des Franz Josef- Ordens und avancierte im Jahre 1904 zum Generalmajor und Kommandanten der Infanteriebrigade Nr. 53. Nach vollendeter vierzigjähriger Dienstzeit trat er im Jahre 1906 unter Verleihung des Ausdruckes der allerhöchsten Zufriedenheit in den Ruhestand. FML. Ritter v. Schweitzer besitzt eine Reihe von hohen fremdländischen Dekorationen; er ist in Budapest ansässig. Ein Opfer der Justiz. Der hochbetagte Nuchem Stern, der nach vielen Schwurgerichts-Prozessen rechtskräftig zu vier Jahren Kerker verurteilt wurde, ist itt der Lemberger Strafanstalt gestorben. Noch auf dem Totenbette hatte er seine Unschuld beteuert. Wenn der Arme wirklich unsc huldig wäre! Judenexzesse in Lissabon. Bei dem Begräbnis des reichen jüdischen Kaufmannes Saul C a g y verübte der Pöbel grosse Exzesse und griff den Leichenzug mit Steinen und Stöcken an. Die Leidtragenden setzten sich zur Wehr. In dem entstandenen Handgemenge fiel der Sarg zur Erde. Als durch das Erscheinen der ."Munizipalgarde die Exzedenten die Flucht ergriffen, waren mehr als 20 Juden verwundet. Neun wurden in das Spital .gebracht. Ein Rabbiner-Seminar in Warschau. Vor einem Jahre starb in Warschau Frau Rachel Hufnagel, die der jüdischen Gemeinde 100.000 Rubel mit der Verfügung vermachte, dass ständig zehn fähige junge Leute, die sich dem Rabbinerberufe widmen wollen, in einem Seminar herangebildet werden sollen. Mehr als zehn Hörer dürfen nicht unterstützt werden. Der Kursus ist auf fünf Jahre berechnet, und wenn die zehn Hörer das Rabbinerdiploim erlangt, können wieder andere zehn aufgenommen werden. Laut Verfügung der Stifterin sind fünf anerkannte jüdische Gelehrte zu wählen, welche abwechselnd einen Tag in der Woche die Vorlesungen zu halten und die Aufsicht über die Hörer zu üben haben. Von den Zinsen des Kapitals — ungefähr 6000 Rubel jährlich - sollen die Hörer und die Lehrer eine Zulage von je 24 Rubel pro Monat erhalten, während der Rest zur Deckung der übrigen Auslagen, wie Schullokal, Heizung, Diener usw. verwendet werden soll. Die Anstalt wurde bereits eröffne!. Professor Max Liebermann hat jüngst im Judenviertel von Amsterdam bei den Studien für ein neues Gemälde Unannehmlichkeiten zu bestehen gehabt. Verschiedene Bewohner desselben waren entrüstet, weil sie ihre Gesichtszüge auf einer im Fenster stehenden Skizze abgebildet sahen. Nach der Darstellung des „Nieuws van den Dag" hatte der gegen Liebermann in Szene gesetzte Sturm den Grund, dass der Künstler einige Personen dafür bezahlt hatte, dass sie ihm auf der Strasse Modell standen, und als nun auch andere ihr Bildnis auf dem Gemälde sahen, glaubten sie, ebenfalls Anspruch auf eine Belohnung zu haben und drangen, als diese nicht erfolgte, in das Zimmer Liebermanns, um ihr vermeintliches Recht geltend zu machen. Ein Leid wurde dem Künstler nicht zugefügt, aber die Polizei hatte zu arbeiten, um die gegen ihn andringende Scliar zu vertreiben. Moses Montefiores Schofar. Hermann Sandel, Kantor in Ramsgate (Stammsitz von Montefitore) erzählt in einem englischen Blatte die folgende hübsche Geschichte. Das Schofar, das ich in Ramsgate während der letzten 32 Jahre gebrauchte, erhielt ich vom verstorbenen Moses Montefiore. Er hatte es aus Jerusalem mitgebracht. Als er es mir übergab, meinte er mit seinem gutmütigen Lächeln: „Es hat wohl bei allen bisherigen Versuchen versagt, vielleicht sind Sie glücklicher." Das war nicht sehr aufmunternd. Als ich es versuchte, brachte ich wohl einen Laut aus ihm heraus, es kostete jedoch grosse Anstrengungen, die vorgeschriebenen „Kaulaus" zu produzieren. Mit Hilfe eines Augenglases und eines Spiegels untersuchte ich die Innen höhlung und entdeckte daselbst eine braune Staubschichte. Nach Entfernung derselben waren die Schofartöne tadellos rein und leicht ausführbar, und das Gesicht des seligen $ir Moses strahlte vor Vergnügen, so oft er die Töne seines Jerusalemer Schiofars" in der Synagoge hörte. In der letzten Zeit seines Lebens, als es ihm physisch unmöglich geworden, dem Gottesdienste in der Synagoge beizuwohnen, da' wurde mir die Ehre zuteil, am Rosch-Haschonoh und am Ausgange des Jom-Kippur in seinem Krankenzimmer „seinen Jerusalemer Schofar" ertönen zu lassen. Ich erinnere mich nioch eines Freitag Abends, als ihm während des Nachtmahles ein Paket überreicht wurde. Es kam aus Hamburg. Seinem religiösen Sinne entsprechend, wollte er das Paket vor Sabbatausgang nicht öffnen. Am Sonntag wurde das Paket geöffnet. Es enthielt drei neue Schofroth. Als ich eines für mich auswählen wollte, sagte Sir Montefiore: „Nein, lassen Sie das! Während der ganzen Zeit haben Sie den Schofar aus Jerusalem geblasen, ich will auch weiterhin keinen anderen hören." Und dabei blieb es. Der antisemitische Agitator und getaufte Jude Josef Schäfer stand vor einigen Tagen vor dem Schwurgerichte Czernowitz unter der Anklage der Amts -Veruntreuung und Verleumdung. Die Anklageschrift beschuldigt Josef Schäfer, in der Zeit vom Anfang Juli 1907 bis Ende Mai 1908 zu Czernowitz ihm vermöge seines öffentlichen Amtes von 96 Personen anvertraute Geldbeträge von zusammen mehr als 3000 K, weiters im Jahre 1907 zu Czernowitz die ihm vom katholischen Männervereine „Freundschaft" anvertrauten Beträge von zusammen 171 K vorenthalten und sich angeeignet und schliesslich in den Monaten Juni und Juli 1908 den Richard S k 1 i b a vor dem Untersuchungsrichter des Landesgerichtes für Strafsachen in Czernowitz, somit bei der Obrigkeit wegen des angedichteten Verbrechens der Veruntreuung angegeben zu haben. Hiedurch habe Schäfer die Verbrechen der Amtsveruntreuung, Veruntreuung und Verleümdüng begangen. Nach durchgeführter Verhandlung wurde Schäfer — freigesprochen. J$Fi«fl<asf«n d«F Redaktion. Neugieriger. Am Jom-Kippur hat Baron Albert Rothschild 6000 K und Theodor v. Taussig 3200 K gespendet. Letzterer ist jedoch, wahrscheinlich um Herrn Professor Kellner (Lügen zu strafen, ohne seinen 'Söhne in die Synagoge gekommen. — Auf mehrere Anfragen. Das Komitee ist in Vorbereitung, Sie werden davon schon 'hören. — Dr. A. Wenden Sie sich an die Hofbibljothek. Dort dürfte der Jahrgang zu finden sein. — Buczac*! Die Erklärung erscheint in einer der nächsten Nummern.

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