Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 40 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Srite 8. „Neue National-Zeitung' Nr. 40. Herr Rosenfeld zur Veranstaltung der Ausstellung „Das Kind" dem Direktor derselben als Darlehen gegeben hat. Dieser Max Rosenleid ist doch gewiss ein Jude, und da habe ich es sehr merkwürdig gefunden, dass ein jüdisch e r IC sko in pteur klerikalen Vereinen für klerikale X w ecke Gelder zur Verfügung stellt. Wie gross war aber mein Krstaimcn. als ich erfuhr, dass dieser .Max Rosenfeld Obmann unseres S y n a g o g e n - V e i'e i n e s „Bcth-Israel" ist! .... . Sollte man so was für möglich halten? Ich schäme mich. Herrn Rosenfeld gebührt die Sah ator-Medaille, aber nicht oin jiulisiht^ lChrenanit. Ein polnischer Jude. * „Ein zionistischer Antisemit.41 Von Herrn Dr. Alfred Lanzer erhalten wir nachstehende Zuschrift: An die verein-liehe. Redaktion der ...Neuen Xaiionalzcitung". 1 niii Bezugnahme auf dein Nr. 3<S Ihres Blattes unter der Aufschrift ..Kin zionistis» her Antisemit" enthaltene Notiz fordere ich als Anwalt des Herrn Leopold Sitzmann auf Grund des S "> I* ■ G. <!'«' Aufnahme nachstehender Beri< htigung in der nächsten Nummer Ihrer Wochenschrift. ICs ist unwahr, dass Herr Leopold Sitzinann den Gutsbesitzer Herrn IL Harber einen ..schäbigen (Klinischen Juden" nannt:- und dafür zu einer Geldstrafe von 8o K verurteilt wurde. Wahr ist, dass Herr Leopold Sitzinann den Genannten nicht mit den Worten „schäbiger polnischer Jud" beschimpfte, ihm vielmehr die Worte ,,getaufter |ud" zurief. ICbenso ist unwahr, dass Herr Leoi>okl Sitzmann wegen dieser Aeusserung zu einer (Geldstrafe von 8o K verurteilt wurde; wahr ist vielmehr, dass dessen Verurteilung wegen anderer angeblicher Beleidigungen erfolgte. Ich zeichne etc. Anm. d. Redaktion. Her \on uns veröffentlichte Brief deckte sich vollkommen mit den Gerichtssaal-Berichten der Tagesblätter, insbesondere des Wiener Extrablattes vom 20. v. M.. die n i c h t berichtigt wurden und inhaltlieh welcher Herr Leopold Sitzmann, B e a m t e r des j ü d i s c h e n A r b e i t s ■ N a c hweises, wegen der Aeusserung „schäbiger polnischer Jud" zu 8o K Geldstrafe verurteilt wurde. Herr Sitzmann, der typische Repräsentant des Wiener Radau-Zionismus, hat eben diesmal mit einem ICxzess kein Glück gehabt. f|PRR£SP0ND£NZ£N ©cs^prcich-Qn^apn. Eine Schwurgerichts-Verhandlung. Wien, den 6. Oktober. (Orig.-KorO Hie von uns angekündigte Schwurgeriohts-Yerhandlung über die Anklage unseres Herausgebers, Dr. S. K. Landau, wider den verantwortlichen Redakteur der „Jüdischen Zeitung", ^Alexander Geller, wird am 12. d.M. nicht stattfinden. Nachdem es dem Dr. Landau durch besondere Bemühungen gelungen ist, die Ausschreibiuig dieser Verhandlung für die ausserordentliche Schwurgerichts-Session des Monates Oktober durchzusetzen, sucht der Beschuldigte nunmehr die Austragung der Sache zu verschleppen. Herr Geller hat sich daher, wiewohl er bereits am 21. März 1908 einvernommen wurde, erst nach mehr als sechs Monaten, u. zw. am 1. Oktober 1908, daran erinnert, dass er dem Landesgerichte seine „Beweismittel" bekanntzugeben habe. Leider verbietet uns das Strafgesetz, im Stadium der Voruntersuchung, auf den Inhalt des famosen Elaborates des Herrn Doktor Isidor AI a r g u 1 i e s, für dessen Abfassung sechs Monate nötig waren, näher zu beschäftigen! Die Ueberreichung dieses Schriftstückes, sechs Monate nach der Einvernahme und einige Tage vor der Verhandlung, die gleichzeitige Bitte des Beschuldigten, wegen des umfangreichen Beweismaterials die Verhandlung zu vertagen, charakterisieren dieses Vorgehen zur Genüge. Dr. Landau hat sich gegen die Vertagung, als eine \ ersuchte Verschleppung, ausge- Sprüchen, doch wurde dieselbe von der Ratskammer unter Hinblick darauf bewilligt, dass der in Aussicht genommene c i n e Tag ka nn zur Durchführung der Verhandlung genügen würde. Der Termin der neuen Verhandlung ist derzeit noch unbestimmt. Massentaufen jüdischer Findelkinder. Chrzanow, ,<len 2. Oktober. ((hig.-Korr.) Es freut mich sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihre Bemühungen nicht erfolglos geblieben sind. Heute ereignete sich etwas, was besonders erfreulich und nur Ihrer Intervention zu verdanken ist. Im Auftrage der „Union" kam gestern ein Herr aus Krakau hieher und fuhr dann in Begleitung des hiesigen jüdischen Bürgermeisters nach Bobrek, wo sie sehr freundlich empfangen wurden; auch wurden ihnen gewünschte Erklärungen und sonstige Daten bereitwilligst erteilt. Es wurde den Herren nahegelegt, dass gegenwärtig einige d r e i s s i g jüdische Kinder in der Anstalt erzogen werden, und sei die Verwaltung bereit, diese ohne Schwierigkeiten auszufolgen. Der Krakauer Herr erzählte hier, dass Wien besonders „stürmt". Grosser Unglücksfall in einer Synagoge. Fünf Personen («tötet. Marmaros Sziget, den 6. Oktober. In der hiesigen orthodoxen Synagoge ereignete sich vorgestern, am Vorabend des Versöhnungsfestes, ein bedauerliches Unglück, das den Tod von fünf Personen zur Folge hatte. Der Vorfall ist umso bedauernswerter, als dessen Ursache ein Bubenstreich ist; eine bisher unbekannte 'Person schrie nämlich von der Strasse in den Tempel hinein, dass dieser brenne, worauf die Andächtigen in wilder Eile die Flucht ergriffen, was zur Folge hatte, dass viele Personen niedergetreten und fünf zu Tode gedrückt wurden. Die traurigen Details dieses Unglückes sind: Die hiesige orthodoxe Synagoge war anlässlich des Vorabends des Versöhnungsfestes dicht gefüllt. Der Kantor hatte gerade das „Kol Xidre" angestimmt, als plötzlich Jemand von der Strasse hereinrief: „Um Gotteswillcn, der Tempel brennt!" Die Wirkung dieses 'Ausrufes war eine fürchterliche; des Publikums bemächtigte sich eine unbeschreibliche Panik und unter schrecklichem Geschrei drängte sich Alles zu dem einzigen Ausgang des Tempels. Vergebens bot der im Tempel anwesende Rabbiner Leopold Teitelbaum Alles auf, um die Leute 'zu beruhigen. Aber Niemand hörte axrf ihn, und es hätte nicht viel gefehlt, dass auch er von der Menge fortgerissen worden wäre, Das Gedränge wurde dadurch noch grösser und gefährlicher, dass die auf der Strasse angesammelte Menschenmenge in das Gotteshaus eindringen wollte, um das dort anwesende Publikum zu beruhigen. Beinahe eine volle Stunde währte das fürchterliche Gedränge; als endlich das Publikum das Freie erreicht hatte, machte man die Entdeckung, welch schreckliche Folgen der Bubenstreich hatte. Der \Fussboden des Tempels war mit Verwundeten bedeckt. | Nach der bisherigen Untersuchung beträgt die Zahl der Verletzten 'vierzig, die ins Spital überführt wurden. i Auf dem Schauplatze der Jvatastrophe erschien alsbald eine polizeiliche Kommission, bestehend aus dem Stadthauptmann Szöllösy, dem Vizegespan Alexander Szabo, dem Oberphysikus Dr. Jakob Helelr 'und mehreren Aerzteti. Als die Aerzte die Rettungsaktion beginnen wollten, stellte sich heraus, dass vier Personen getötet worden waren. Diese sind: der Tischlergehilfe Desider Windner und ' die Kaufleute Moses Fischmann. Moriz Fischer und Desider Keiner. Tötlich ver-, letzt ist der Kaufmann Aron Katz, dem der Brustkorb voll-