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Neue Nationalzeitung · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40. Seite 7. jener grossen Herzltrauerversammlung im Musikvereinssaale unter grossem Beifallc gleichfalls beteuerte, dass er in allen Lagen des jüdischpolitischen Lebens sich stets die Frage vorlegen wolle: „Was würde Herzl in solcher Lage tun?" Nun denn, der ,,General Herzls" kam bald darauf in die Lage, sich diese Krage vorzulegen und er entschied sich für — ein Kompromiss, das ihm den Sitz im Kultusvorstande sicherte. Und mm kommt ein Kadett Herzls und beteuert, dass Herzl sich heute für den heftigsten Kampf ausgesprochen hätte, um — Markus, Dr. Margulies etc. etc. in den Kultusvorstand hinein zubringen. Schade, schade, dass wir keinen zionistischen Spin tistenvercin in Wjen haben, der diesen Wiederstreit in einer einzigen Seance erledigen könnte! Der Artikelschreiber scheint selbst diesen Widerspruch gefühlt m haben und schreibt so nebenbei: ..Noch dröhnte uns das 'Poltern seines (Herzls) Sarges ins Ohr, als der Wiener K;i Ii;i 1 ein W ,i Ii 1 k o m p r o m i s s mit den Zionisten erschlich, ein Kompromiss. das uns bis zur Stunde wie ein N e s s u s h e m d den Leib v e r s c n g t." ' Mit Verlaub! Das stimmt nicht! Vielleicht die Geschichte mit dem Nessushemd. Die 'dürfte stimmen. Vielleicht auch, dass das Kompromiss ,,e r s c h 1 i c h e n" wurde. Aber — und da muss, trotz Tinscrer Gegnerschaft zum Kultusvorstande, der Wahrheit die Ehre gegeben werden -— der Kahal hat dieses Kompromiss nicht erschlichen. Schreiber dieser Zeilen war damals Mitglied des Wahlkomitees, das die Unterhandlungen mit den Zionisten, beziehungsweise mit ihrem legalen Vertreter, dem Obmanne des Distrikts- und Kultuskomitees, Herrn Max Mar k u s geführt hat. Was hinter den vier Wänden des Kongresshureaus in der Türkenstrasse sich damals zugetragen hat, auf welche Weise der damalige Kandidat Marmorek und der Obmann des zionistischen Wahlkomitees, Herr "Markus, die Zu Stimmung der Zionisten erreichten, blieb dem ,.Kahal" \inbekannt. Tatsache ist, dass das Kompromiss in aller Form im Namen des zionistischen Wahlkomitees abgeschlossen wurde. Für uns Wähler fragt es sich nun. ob wir an diesem einen ..Nessushemd" nicht genug haben und ob wir uns denn einen ganzen Wäscheschrank mit solchen 'Hemden, die den Leib versengen anschaffen sollen? Ich bin weit entfernt davon, mich für die Einstellung des Kampfes gegen das jetzt herrschende System in der Kultusgemeinde auszusprechen, aber wenn ich an die Wahl denke und mir die Namen 'der Kandidaten, die sowohl auf offizieller wie auf zionistischer Seite in Umlauf gebracht werden, ansehe, so tut mir die Wahl weh! Es ergeht mir wie Moses, der angesichts der zwei sich raufenden Parteien sich nach allen Seiten umsah und — ..fand, dass kein Mann da war! . . ." T~nd das ist das Retrübende! Ein Wähler. * Tarnopoler Scharfmacherei. Das zionistische Parteiorgan in Tarnopol gibt den Wiener Zionisten wegen ihres Verhaltens bei den Kultuswahlen eine schlechte Note. Nach der Tarnopoler Ansicht wäre diese Haltung sehr flau und würden „verschiedenen politischen Hermaphroditen" zu viele Konzessionen gemacht werden. In dem Blatte heisst es: ,,Das dortige (Wiener) Pistriktskbmitee hat sich organisiert und den Namen „Oppositionelles Komitee" angenommen. Es ist somit in denselben Fehler verfallen, den wir in Galizien, speziell in Tarnopol, so sehr büssen. Sic glauben nämlich, dass sie «durch ihre unbegründete Lovalität gegenüber verschiedenen politischen Hermaphroditen, die sich im Gegensatz zu den Zionisten „nationale Juden" nennen, durch Zurückstellung ihres „Ich" und auf Kosten ihrer Organisation sowie ihrer Würde etwas für ihre Sache erreichen werden. So entstand der Namcnswechsel, statt des zionistischen Kahnl-Program mes ein umfassbares „national-demokratisches" Programm und statt des Kampfes unter eigener Flagge und mit heimischem Schlagwort ein Kampf der „Opposition"." Was die in Tarnopol erst sagen werden, wenn sie diese „oppositionelle" Piste zu. Augen bekommen! * Die polizeiliche Sperrung eines Bethauses. Wir erhalten narhsi Elendes Schreiben: „Wien, den ."!. Oktober 1908 An die Redaktion dn „Neuen iNiational Zeitung" Wien. In Ihrem gesch. Berichte in der Nr, ^9 Ihres Plattes vom 2. Oktober 190S, betreffend die Sperrung des Bcthauscs ,,I in is-I lazedek" bitte ich, eine Richtigstellung dahin aufnehmen zu wollen, dass nicht ich es war, der bei licmi Porenz Müller intervenierte und dass ich auch eine solche Intervention nicht veranlasst habe. Mit bestem Danke und vorzüglicher Hochachtung Dr. C arl Pifczis." Anmerkung der Redaktion. Wie uns unser Bcrichterstatter mitteilt, bezog sich seine Darstellung auf einen Bruder des Dr. Pifczis. Der Irrtum wurde lediglich durch die Aehnlichkeit beider Herren hervorgerufen. * Wählerversammlung des Israel. Wählervereines. (XVI.-XVII. Bezirk.) Wien, den 4. Oktober. Anlässlich der bevorstehenden Kuhuswahlen beriet der Israel. Wählerverein für den XVI. und XVII. Bezirk Donnerstag, den 1. Oktober 1908, eine Wählerversammlung ein. Der Obmann Herr T r 11 k;i eröffnete die gut besuchte Versammlung. Dann ergriff Herr Goldblatt als Referent -das Wort, um die Misständc im heutigen Regime der Kultusgemeinde leingehend zu schildern. In der darauffolgenden Diskussion über die einzelnen Tunkte des Referates, wie: bezirksweise Wahl, Aenderung des unpraktischen Steuerstatutes, Dezentralisierung des Armenwesens etc. brachten die Herren Markus und Plaschkcs ihre Ansichten vor. Es sprach schliesslich der < lemeinde-Sekretär Dr. Adler, der den "Vorstand in Schutz nahm. JüpFeclisaal. Ein Bethaus-Obmann als klerikaler Geldgeber. Geehrter Herr Redakteur! Vor einiger Zeit habe ich mir erlaubt. Sie darauf aufmerksam zu machen, dass ein Jude, der bej einer jüdischen Anstalt einen Tosten hat. anlässlich eines Rencontres Schinvpfworte gebraucht hat. 'die direkt eine antisemitische Gesinnung verraten. Wenn ich nun neuerlich darangehe. Ihren Raum in Anspruch zu nehmen, so geschieht es, um einen Vorgang im Lager meiner engeren Landsleute festzunageln, über den ohneweiters hinwegzugehen ich als eine Gewissenlosigkeit ansehen würde. Tm Gerichtssaal des ,,Neuen "Wiener Tagblatt" konnten Sie vor einigen Tagen unter der Aufschrift ..Eine Ausstellung ist keine juristische Person" lesen, dass ein Eskompteur M a x R cTs e n f e 1 d den Verein zur Heranbildung katholischer Lehrer auf Rückzahlung von 5196 K klagte, di<?

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