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Neue Nationalzeitung · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit« 6. „Neue National Zeitung" Nr. 40. die Krakauer Zionistcn für diese Frage gar nicht interessiert haben, sondern es der „jüdischen sozialdemokratischen Partei" überlicssen, gegen diese unbegründete Mehrbelastung der jüdisch-proletarischen Kulturstätten einzuschreiten. Diese Partei wendete sich nämlichian die Angehörigem verschiedener Parteien im Krakauer Gemeinderat, sowie an Abgeordneten Daszynski um Intervention. Herr Daszynski versprach, das Begehren der jüdisch-sozialdemokratischen Partei zu unterstützen und gegen die exzeptionelle Besteuerimg der jüdischen Theater aufzutreten. Der Krakauer Gemeinderat sah nun das merkwürdige Schauspiel, dass weder der Präsident des Kanals, noch dessen Vorstandsmitglieder, welche dem Gemeinderat angehören, für die geistigen Rechte des jüdischen Proletariates eintraten, sondern dass diese Aufgabe einem christlichen Sozialistenführer überlassen wurde. Herr Daszynski sagte: ,,Ich finde diese hohe Belastung der jüdischen Vorstellungen hocht ungerecht. In diesem Gemeinderat gibt es keine Antisemiten, wir müssen daher die Steuer für alle gleich stellen. Wir dürfen eine fremde Sprache nicht erdrosseln, wie im Namen der „slavischen Solidarität" die polnische Sprache im Königreiche Polen unterdrückt wird. Ich beantrage daher die Abänderung des vorgeschlagenen Artikels durch Beseitigung des Wortes polnisch". Hier, im Gemeinderat herrscht Gleichberechtigung und ich verstehe daher nicht, warum sie in diesem Gesetze einen 5 prozentigen Antisemitismus haben wollen." Die Ausführungen des Herrn Daszynski wurden durch Dr. G ro s s unterstützt. Hierauf beschloss der Gemeinderat, die Vorlage an die Rechtssektion zu verweisen. Dieser Vorfall ist ein krasser Beweis, wie in einzelnen Städten Galiziens wegen der Schekel- und Nationalfonds - Sammlungen die Gegenwartsinteressen der jüdischen Bevölkerung von den Zionisten vernachlässigt werden. ©ie gulhis&ahlen in W'™. Oeffentliche Vorstandssitzung. Wien, den 6. Oktober. (Orig.-Korr.) Die heute stattgehabte öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes sollte dem Präsidenten, Herrn Dr. Stern. Gelegenheit geben, eine grosse Rede - ,.zum Fenster hinaus" zu halten. Die Rede dauerte ungefähr eineinhalb Stunden. Herr Dr. Stern hat sich mit den in den jüdischen Blättern wider ihn veröffentlichten Angriffen beschäftigt und dieselben zu widerlegen versucht. Insbesondere beschäftigte er sich mit den in einem Flugblatte als Wahlrechtsraub" enthaltenen Vorwürfen, als ob er absichtlich, um die Opposition mundtot zu machen, die Gemeinde-Mitglieder, die bis 24. September die Kultus-Steuer nicht bezahlt haben, streichen Hess, weiters mit der Minjanimf rage und schliesslich mit dem Artikel des ^Deutschen Volksblattes" wider das Friedhofsamt, welcher Artikel vom zionistischen Parteiblatt abgedruckt wurde. Natürlich hat Dr. Stern die Sache in allen Fällen mittelst seiner sophistischen Logik so dargestellt, dass er überall im Rechte sei. Eine Diskussion fand nicht statt; es sprachen lediglich die Herren K a u d e r s und M a r m o r e k einige Worte, indem ersterer von der Wahlrechts- Entziehung behauptete, dass sie ohne Wissen des Kultusvorstandes geschehen sei, hingegen letzterer die Anfrage richtete, ob nicht doch eine I4tägige weitere Reklamationsfrist noch möglich wäre. Dies wurde jedoch vom Vorsitzenden verneint. Die Sitzung wurde sohin nach einem kurzen Referate über .die Verlasscnschaft Seidel geschlossen, vom der berichtet wurde, dass sie einen grösseren Betrag für die Ausspeisung der mittellosen jüdischen Mittelschüler ergebe. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unerwähnt lassen, wie persönlich und r e k 1 a m c h a f t das ganze Gcbahrcn des Herrn Dr. Stern ist. Wiewohl über öffentliche Sitzungen an die jüdischen Blätter n i e Berichte ausgegeben wurden, hat man zur heutigen Sitzung einen Sekretariatsbeamten und iioch einen zweiten Ilctvn als Stenographen zugezogen. Diese beiden Herren sollten über Nacht die Rede des Herrn Dr. Stern übertragen, um dieselbe nicht etwa allen jüdischen Blättern, sondern ausschliesslich der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Verfügung zu stellen. Unserem Blatte wurde die gleichzeitige Zusendung einer Kopie verweigert. Und da wage noch jemand an der vornehmen und unparteiischen Gesinnung des Herrn Dr. S t c r n zu zweifeln! . . . . * Das „erschlichene" Kompromiss. Geehrter Herr Redakteur!*) In der letzten Nummer einer Wiener jüdischen Zeitung polemisiert ein Artikelschreiber, ohne direkt die Namen zu nennen, mit den Herren David Wolffsohn und Professor Dr, Kellner, die, wie auch in Ihrem (geschätzten Blatte beleuchtet wurde, sich an jenem merkwürdigen ,,Begrüssungsabend" in Wien gegen die Bekämpfung der offiziellen Krise der Wiener Kultusgemeinde ausgesprochen hatten. Es "wird da der Autorität des gegenwärtigen Präsidenten des Aktionskomitees das kultuspolitische Vermächtnis des verstorbenen zionistischen Führers entgegengesetzt und es soll nachgewiesen werden, dass Herzl stets für den Kampf gegen die damaligen Führer der Kultusgemeinde gewesen und dass er, wäre er heute noch am Leben, sicherlich auch den heftigsten Kampf gegen die Machthaber in der Seitcnstettengasse 'gutgeheissen hätte. Die Haltung der ,,Neuen 'Nationalzeitung" in der Frage •ler Kultusgemeinde ist viel zu klar und offenkundig, als dass u:h erst betonen müsste, 'dass die Hauptaufgabe einer nationalen Partei die Bekämpfung des gegenwärtigen Regimes in der Kultusgemeinde bilden müsse. l'eber 'die Notwendigkeit der Bekämpfung kann man also leicht einig werden, nicht nur mit den Zionisten, sondern auch mit der grossen Masse nichtnationaler Steuerzahler, die aus den verschiedenartigsten Gründen mit Herrn Dr. Stern unzufrieden sind. Das viel wichtigere „Wie?", die Art der Bekämpfung ist es, die schliesslich für die Erschliessung des einzelnen Wählers oder ganzer Wählergruppen, sich der Opposition anzuschliesscn, oder lieber vielleicht sich der Wahl zu enthalten, massgebend bleibt. Das Organ des Wiener zionistischen Distriktskomitees sagt nun, dass sie sich vor dem neuen ,,Feldzuge zur Eroberung des Kulmsvorstandes pflichtmässig befragen, wie Herzl sich an unserem Platze verhalten hätte . . ." Ist es nun wirklich ausgemacht, dass Herzl heute denjenigen Standpunkt eingenommen hätte, den der Artikelschreiber als zionistischer Kultuschef für den wirklichen Herzlichen Standpunkt ausgibt. Ich erinnere mich, dass einer der „Generale Herzls" — wie sie genannt werden —, nämlich Herr 'Baurat Marmorek, in *) Wenn wir auch nicht mit allen Ausführungen des geehrten Verfassers, der als Mitglied 'des Zentralkomitees im fahre 1904 alie Vorgänge innerhalb desselben kennt, einverstanden sind, so entspricht es dennoch dem Prinzipe unseres^ Blattes, die Stimmen aus allen Lagern objektiv zu registrieren. Die Redaktion.

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