Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 40 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425762--1055-2427385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i. ,Neüe National-Zeitutig* ffr. 40. tische Zionismus früheren Datums ist tot. Die Krlangung Palastinas ist nicht mehr von politischen Mitteln abhängig. Die Umwälzung in der Türkei hat unsere Frage zu einer wirtschaftlichen Frage gemacht, die man in folgende Formel fassen kann : „Man muss das notwendige Kapital finden, um Palästina vorzubereiten, eine grosse jüdische Einwanderung aufnehmen zu können." Wenn Ihr wollt. — so ist der Zionismus schon jetzt zu einem Territorialismus geworden, mit dem Vorbehalt, dass das Territorium nur Palästina sein kann. Zangwill kann uns gratulieren. Wir sind Territorialistcn geworden. Unser Territorium heisst: ,.Erez Israel." Wir stehen nun vor der Frage: Vielleicht müssen wir unser Verhältnis zu den anderen Koloni- .->ationsgesellschaften .anders gestalten, und vielleicht wird ps jetzt möglich sein, mit ihnen zusammen zu arbeiten? Es wird auch an der Zeit sein, zu erwägen, ob angesichts der türkischen Verfassung unsere zionistischen Institute noch jetzt einen englischen C harakter tragen und unter dem Schutze der englischen Regierung stehen können. Es wird uns nicht wundern, wenn irgend ein patriotischer Ottomane diese Institute als Anhaltspunkte für eine englische Interventionsmöglichkeit betrachten und darüber staunen wird, dass seine Bundesgenossen die Juden, diese Institute tolerieren und fördern. Der Ottomane wird vielleicht 'auch recht haben. Und nach all dem behauptet die offizielle ..Welt", man dürfe die Taktik unserer Arbeit nicht ändern! Die Einberufung eines Kongresses hingegen kommt 'diesen Herren so klein vor, dass sie über 'diese Angelegenheit kein Wort verlieren wollet. Oder vielleicht wollen diese Herren auf eigenes Risiko arbeiten? Nachdem man schon am.,.Goldenen Horn" angefangen hat, parlamentarisch und demokratisch zu arbeiten, wird man es vielleicht auch an den Ufern des Rheins erlernen, wie man arbeiten müsse. Falls wir nicht einen Kongress einberufen und wirklich Farbe bekennen würden, so ist es möglich, dass die Türkei an unserer Arbeit einen üblen Geruch spüren wird, den kein „Kölnisches Wasser" imstande sein wird, zu zerstreuen, Dr. I.. P. Pinku s, Mitglied des zionistischen Landeskomitees der Schweiz." 'Dagegen bemüht sich Herr Nahum Soko- ]ow, Chefredakteur der „Welt", General-Sekretär des zion. Aktions-Komitees, Generalstnbschef und Strategiker der ganzen Partei etc. et<\, mit einer pilpulistisch-bombastischen, nichtssagenden und doch umfangreichen Polemik anzukämpfen, nachdem er bereits in einer früheren Nummer (Nr. 35) unseren ersten zwei Artikeln „Zur Revision des politischen Zionismus" die Ehre einer „Vernichtung" zuteil werdein Hess. Das Facit aller Ausführungen des Herrn Nahum Sokolow gipfelt darin: 1. Das engere Aktionskomitee und sein Generalsekretär wissen alles, sehen alles und denken an alles. 2. Jedem anderen Mitgliede der Partei, mag es auch dem weiterein Aktionskomitee angehören, ist das selbständige Denken, Besserwissen, Kritisieren verboten. Die oben abgedruckte Kritik des Herrn Dr. Pinkus, Mitglied des zionistischen Landeskomitees der Schweiz, bezeichnet Herr Sokolow als „Wortheldentum", „höhnisch-läppische Anrempelung", „von Insinuationen strotzende Angriffe", „eingebildetes Kraftmeiertum" usw. Herr Sokolow scheint für jemanden unentbehrlich' zu sein, wenn er sich einen solchen Ton erlauben darf. j^pgerq JP. T. Abopneqten werden um baldige Bezahlung ihres Vierteljahres - Aben nemente ersacht. Die Administration. flus der „jiddischen" Die jiddische Sprachkonferenz'in Czernowitz ist zwar zu Ende, allein die Diskussion über die Frage, ob jiddisch oder hebräisch als nationale Sprache zu gelten hat, dauert noch immer fort und beschäftigt nicht nur die jiddischen Blätter Oesterreichs, sondern auch Amerikas. Morris Rosenfeld für das Jiddisch. Ein Lemberger Zionistenorgan veröffentlichte jüngst ein Interview mit Morris Rosenfeld über diesen Streit, welches ijedoch von einer gegnerischen Zeitung als der Wahrheit nicht entsprechend hingestellt wurde. Es ist nun sehr interessant, was Rosenfeld selbst darüber in seinem Blatte, dem New-Yorker ,,Vorwärts", vom 13. September 1908 sagt: „Was die Frage des Hebräischen und Jiddischen in Gali/icn betrifft, so bin ich in diese für mich bis jüngst unbekannte Frage hineingefallen, wie eine Fliege auf den Leim, und kann mich davon nicht losmachen, bis ich nicht Krakau verlassen werde. Zu allen meinen grossen Schmerzen und Leiden, trifft es sich, dass mich eines schönes Tages in dieser echt polnisch-jüdischen Stadt ein Studentchen als Vertreter eines unbedeutenden, stecknadelgrossen, politischen jüdischen Wochenblattes überfällt, um mich .zu interviewen. Seine erste Frage ging dahin, was ich vom Streit zwischen jiddisch und hebräisch denke. Darauf antwortete ich kurz, dass ich kein Philologe bin und mich daher Sprachenlehren wenig interessieren. Als Bürger Amerikas, wo jeder Mensch selbst mit der Zigeunersprache ein Stimmrecht besitzt, erklärte ich, dass cl-is Jiddisch eine Volkssprache ist, dass der sogenannte Jargon für mich vollständig genügt, dass er mir treu diene, dass er allen meinen Bedürfnissen entspreche, und dass ich sehr froh wäre, so viel Geld zu besitzen, wie ich in jiddischer Sprache zählen könnte. Doch würde ich nichts dagegen haben, das Geld auch auf hebräisch zu zählen. Zuerst, habe ich dem Studentchen erklärt, benötigen die Juden eine Heimat — eine Sprache fehlt Ihnen, Gott sei dank, nicht. Auf seine weitere Frage, was ich denn mit meinen Werken tun würde, wenn die Juden einmal in Palästina einen hebräischen Staat gründen würden, meinte ich, dass hoffentlich meine Werke die Juden daran nicht hindern werden, sich in Palästina anzusiedeln und dort meine Werke ins Hebräische zu übersetzen. Wenn es dem Propheten Jcsaias gepasst hat, hebräisch zu schreiben, so passt es mir auch, in dieser Sprache übersetzt zu werden. Ich fügte gleichzeitig hinzu, dass wenn ich auch keinem speziellen zionistischen Vereine angehöre, ich dennoch ein Zionist bin. Aber kein praktischer Zionist mit politischen Absichten, der sich nach einem „Charter" oder nach einem jüdischen Kaiser oder nach einer hebräischen Zeitung sehnt. Ich bin ein praktischer Zionist, der „den jüdischen Mai" zehn Jahre früher geschrieben hat, bevor noch Herzl zu träumen begonnen hat, dass er ein Jude ist. Das Studentchen ist nun weggeramnt, und hat seinem Blättchen einen Artikel zusammengeschmiert, dass ich einfach vor Sehnsucht nach der heiligen Sprache vergehe, dass ich speziell zu diesem Zwecke nach Krakau gekommen bin. Was ich in Galizien anstrebe, sei lediglich die Bekanntschaft der Zioni-