Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 39 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Stit« 7. gebildeter Geschäftsmann, von dessen Biedersinn in der Versammlung allgemein gesprochen wurde. In der Versammlung selbst herrschte gehobene Stimmung, ja eine gewisse Begeisterung für die jüdische Sache war bei Jung und Alt wahrzunehmen Ich selbst zog mich zurück in eine Nische, damit man mich nicht sieht. Denn in Essegg ist es bei den Juden zum geflügelten Worte geworden, „Vor Nachum Hamaschgiachs Feder muss man si< h in acht nehmen." Ob mit Recht oder Unrecht, das werden künftige Generationen zu beurteilen haben. Um ein Wort über die jüdische Presse sprechen zu können, werde ich gezwungen sein, noch eine kleine Reise zu unternehmen. Keineswegs jedoch bereue ich es, in Essegg gewesen zu sein und unsere Essegger Stammesbrüder kennen gelernt zu haben. Es sei nur zum Schlüsse noch bemerkt, dass in früheren Zeiten die Taufen in der slavonischen Hauptstadt eine bedenkliche Mühe erreicht haben. Seit der jüdisch nationalen Bewegung jedoch haben sich auch in dieser Beziehung die Dinge zum Besseren gewendet. ftORRgSPONDCNZCN Qestweich-^figarn. Oeffentliche Vorstandssitznngr. Wien. Dienstag den 6. Okiober 1908, 6 Uhr abends, findet eine öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes statt. Tages-Ordnung: 1.) Präsidialbericht. Wahlaiigelegenheiten und mehrere andere Angelegenheiten, welche Gegenstand öffentlicher Besprechung waren. 2.) Verlassenschaft Seidel. Massentaufen jüdischer Findelkinder. Lemberg, den 28. September. (Orig.-Korr.) Die Artikel Ihres Blattes über die Masseutaufen in Bobrek haben in ^alizien das grösste Aufsehen erregt. Jedermann fragt sich, ob es denn wirklich möglich sei, dass derartige Zustände geduldet werden, ohne dass die Kultusgemeinden eingreifen. Leider küm mern sich die Gemeinden mehr um Politik, als um das Judentum. Die Kultuspräsidenten in Lemberg, Krakau und anderen grösseren Städten sind politische Streber, die der Gunst ihres Bezirkshauptmannes nachlaufen und gar kein Rückgrat besitzen. Die Sanierung der Verhältnisse und insbesondere das Los d^r jüdischen Kinder von Bobrek muss daher der Privat-Initiative überlassen werden. Eine Spende infolge Ihrer Artikel ist bereits zu verzeichnen: Kaiserlicher Rat Isak Holz er in Rzeszow hat 500 K für die Errichtung einer Waisen- Anstalt zur Verfügung gestellt. Wir erwarten die Einleitung einer grösseren Aktion und insbesondere die Erlassung eines Aufrufes, der gewiss einen grossen Erfolg haben wird. Nicht viel besser als die Kultus Präsidenten sind unsere sechs „israelitischen" Landtags-Abgeordneten. Der Landtag hat seine Session und die Herren hätten die b> ste Gelegenheit, den Landes-Ausschuss wegen Bobrek zu interpellieren. Trotzdem tun sie es nicht. Was liegt ihnen an den Massentaufen? Da gibt es keinen Unterschied zwischen den „Demokraten" Löwenstein aus Lemberg und dem „unabhängigen Juden" Landau aus Krakau, wiewohl sie beide nur jüdischen Wählern ihre Mandate zu verdanken haben und obwohl sie selbst von Rabbinern abstammen. Sie machen lieber im demokratischen Klub „crosse Politik". Nun gut! Möge die jüdische Bevölkerung, mögen unsere Ortodoxen und unsere Rabbiner endlich sehen, wohin sie kommen, wenn sie politischen Strebern zu Mandaten verhelfen. E)eutsch?$ Reich. Der Streit um die Falaiohas« Berlin, Ende September. (Orig-Korr.) Der von Ihrem Blatte in der Nr. 36 veröffentlichte Bericht des Prof. Nah o um über die Falaschas, worin dem Dr. Faitlowitsch Unrichtigkeiten nachgewiesen werden, erfährt von den Freunden de3 letzteren eine Korrektur. Dieselben nehmen für die Angaben Faitlowitsch's die grössere Glaubwürdigkeit in Anspruch. Die Zahl der abessynischen Juden sei auch von andern als grösser angegeben, die Lage der Falaschas würde übereinstimmend als eine missliche gezeichnet, namentlich was ihre Bedrängung durch Missionäre anbetrifft. Nahoum wäre nur 8 Monate unterwegs gewesen, Faitlowitsch aber 16 Monate allein in Abessynien selbst. Im Interesse der von Faitlowitsch propagierten Sache der Falaschas wird auch ein von 44 hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten aller Länder gefertigter Aufruf mit der Bitte um Spenden erlassen. Eine Aktion des Hilfsvereines. Berlin. Der Hilfsverein der deutschen Juden, versendet nachstehenden Bericht: „Am 21. September 1 J. fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäfts - führenden Ausschusses des Hilfsvereines der deutschen Juden statt. Es wurde u. a. über das Projekt beraten, einen Zusammenschluss der grossen jüdischen Vereinigungen für bestimmte Fälle zu organisieren. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der bereits anlässlich der ersten Kischinewer Pogrome eine solche Gesamtorganisalion in Vorschlag ge - bracht hatte, und der nach den Pogromen im Jahre 1905 die Anregung?ai dem Zusammenwirken der grossen Organisationen gegeben Jiatte, wodurch alsdann auch eine schnelle und rationelle Hilfeleistung ermöglicht wurde hat seine volle Sympathie für die Idee ausgesprochen, in geeigneten Fällen das Hilfswerk durch Kooperation der berufenen jüdischen Vereinigungen zu zentralisieren und er hat sich prinzipiell bereit erklärt, einer praktischen, zweckentsprechenden Gesamtorganisation beizu - treten. Wie diese Gesamtorganisation herzustellen und wer ihr angehören soll, darüber werden weitere Verhandlungen geführt werden, vor allem auch in Rücksicht auf die Bestrebungen des Komitees, das unter Vorsitz des Herrn Justizrat Horwitz, Berlin, dem gleichen Ziel zustrebt. Es wurde alsdann in der Sitzung eine Reihe von Bewilligungen vorgenommen, u. a. für Erziehungsanstalten und Schulen im Orient und für Institute in Deutschland, die sich im Dienste des Hilfswerks für die osteuropäischen, vor allem der russischen Juden betätigen. Für den israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg, der die osteuropäischen Durchwanderer beherbergt und der ein neues Heim für sein ebenso notwendiges, wie segensreiches Werk errichten muss, wurde eine Beisteuer gewährt. Auch der Hilfsverein für kranke russische Israeliten an