Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 39 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue ttational-2eitung'* Seit« 3. Und da sollten sie zu einander Vertrauen haben? So entstand in ihrem Angesichte der ganz unverhältnismässig grossen Masse von Zionisten das Gefühl, dass sie herbeiberufen worden seien, zionistische Arbeit zu leisten, beziehungsweise mit ihrem Gelde die zionistischen Pläne zu fördern. Von da ab war ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet, den Zionisten „nicht auf den Leim zu gehen". Und sie fanden in den übrigen Nicht-Zionisten Bundesgenossen. Die von Dr. Nathan vorgeschlagene Resolution, die eigentlich nur einen frommen Wunsch ausspricht, wurde mit 2 Stimmen Majorität votiert. Als es aber dazu kam, diesen Wunsch zur Tat zu machen, das heisst die Organisation zu schaffen, da haben die Nicht-Zionisten schlauerweise die Geldfrage aufgeworfen. Und da es sich hierbei herausstellte, dass ja sie, die nichtzionistischen Notabein für das Ehrenamt der Geldbeschaffung ausersehen seien, Hessen sie schön danken und begruben das ganze Projekt mit 22 gegen 20 Stimmen in einem permanenten „Komitee", welches „alsdann erneut Bericht zu erstatten hat". Das ist das Facit der mit grossen Hoffnungen durch Monate in Szene gesetzten Notabeln-Konferenz. Wir haben ein jüdisches Komitee mehr, aber die Verwirklichung der Idee eines Zusammenschlusses aller jüdischen Organisationen ist vielleicht in weitere Ferne gerückt, als sie vor der Versammlung war. ©te ||cp|incp Konferenz. (Von unserem Korrespondenten.) Berlin, den 26. September Jetzt, wo die Beratungen der ,, Konferenz jüdischer Notabein" zu Ende sind, lässt sirii sagen, dass der in der -^r. 37 erschienene Vorben'cht in meritorischer Beziehung keiner Ergänzung bedarf. In eingeweihten Kreisen hat dieser Anikc! aueh bedingungslos*.« Zustimmung gefunden. Der gewissenhafte Berii hterstatter ist in wahrer Verlegenheit. Wie soll er ahnen, was zwischen einem Festessen und einem Ausfluge nach Potsdam Bedeutsames für die jüdische Volkssache geleistet wurde?! . . . Ms verlohnt sich auch nicht, müssige Kombinationen aufzustellen. Denn die Konferenz war ja — ^geheim". Das offizielle Kommunique will durch einen Wortschwall das Fehlen konkreter Ergebnisse verhüllen. Es erzählt, dass Dr. Nossig referierte. Man erfährt ferner, dass eine Resolution eingebracht wurde, und zwar von Dr. Paul N a t Ii a n und Dr. Martin P h i 1 i ]> p s o h n. Diese Resolution lautet: ,,Dic am 20. September .1908 in Berlin tagend;- Versammlung erklärt ihre l 'Übereinstimmung mit dem einmütigen Beschlüsse der Versammlung am 29. März d. J. und bezeichnet demgemäss den Zusannnenschluss der grossen jüdischen < >r ganisationen zu einer Gesamtorganisation mit einer ständig; n Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergebiet, als dringend geboten. Der Gesamtorganisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung die Organisationen in ihrer Vereinzelung nicht herbeiführen können, nach gemeinsamer Verständigung auf Grund einheitlicher Gesichtspunkte in Angriff zu nehmen. Die Versammlung erklärt es als Notwendigkeit, dass an dieser Gesamtorganisation alle grossen jüdischen Körperschaften mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen und es wird zugleich zu erstreben sein, dass alle Länder, in denen ein reges jüdisches Leben vorhanden, in dieser Gesamt-()rganisation vertreten sind. Schliesslich spricht die Versammlung die Hoffnung und den dringenden W7unsch aus, dass die noch abseits stehenden Organisationen sich möglichst bald anschliessen. Mit den Verhandlungen zu diesem Zwecke, insbesondere auch zur Herbeiführung eines Ausgleiches zwischen den heutigen Beschlüssen und den ein verwandtes Ziel verfolgenden Vorschlägen der ,;Ica". sowie mit den detaillierten vorbereitenden Festsetzungen über die Zusammensetzung und über den Arbeitsmodus der Gesamtorganisation wird ein permanentes Komitee mit dem Rechte der Kooptation eingesetzt, das alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. Das permanente Komitee ergänzt sich aus den Vertretern derjenigen grossen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee einzutreten." Dagegen wird in der Resolution eine bedeutsame Tatsache verschwiegen : dass nämlich der Beschluss gefasst wurde, an Lord / Rot lisch il d in London behufs lTebernahme des Protektorates heranzutreten. Ihr Korrespondent gibt nur der allgemeinen Stimmung Ausdruck, wenn er feststellt, dass diese Konferenz auch nicht die geringsten Erwartungen verbissener Skeptiker erfüllte. Gewiss, sie bot in maiuveni Sjine ein reizvolles BiJd, sie war eine Vereinigung der Vertreter von ganz entgegengesetzten Meinungen und l'eberzeugungen. Da sah man z. B. Baurat S t i a s s n y - Wien neben den drei Mitgliedern des .Jüdischen Klubs", und nicht weit davon Herrn Dr. Nathan Löwenste i 11. l'nd für dieses Konglomerat verschiedener Persönlichkeiten aus den verschiedensten Lagern erfand Dr. Nossig den stilvollen Titel: ..Konferenz jüdischer Xotabeln"..... Ks war danach! Von den angekündigten Teilnehmern fehlten gut zwei Drittel. Das offizielle Kommunique hilft sich darüber hinweg, indem e, bloss die Namen derer erwähnt, welche ihre Teilnahme zusagten. Die grossen indischen Organisationen, wie ...Mliance". ..L a" oder ..Anglo fewish Association-' v .ren überhaup! nicht vertreten. Also gerade jene Faktoren, ohne der (Ml Mitwirkung an ein Gelingen des Plaues nicht zu denken ist, die aber in prinzipieller Abgeneigtheit verharren. l'nd das Resultat "f Es wurde ein .permanentes Komitee eingesetzt. Das ist ja das Ende aller Konferenzlieder: ein Komitee. Mehr wurde nicht erzielt. Aber das Misslingcn dieser Aktion tangiert nicht die Nützlichkeit eines Zusammenschlusses der grossen Organisationen. Nur müsste die Idee von einer kompetenteren Seite ausgehen, von einer der in Frage kommenden Organisationen selbst. Komitees haben wir ja genug; es bedurfte wirklich keiner Vermehrung. Aber an einer einheitlich mi Organisation zur Abhilfe der momentanen Judennot fehlt es uns. und die kann nicht von einer Konferenz von Mannern geschaffen werden, die sich best beiden ..Notabein" nennen und damit die Mithilfe derer ablehnen, die bloss hilfsbereite luden sand, sich aber nicht als ,,Xotabeln*' fühlen . . . (jssischl<in £*geti das ^erhalten de* Kölner ^onfefenz. Das Lemberger T.igblatt" veröffentlicht ein Interview mit L* s s i s c h k i n über die gegenwärtige Lage des Zionismus. Is s i s c h k i n ist mit den Ergebnissen der letzten Kölner Jahreskonfercnz seh. -.nzufried e n. Seiner Meinung nach hat sie nie; v'.is beschlossen, was sie in diesem wichtigen Moment, in dem wir jetzt leben, hätte sagen und tun müssen und was man in einem solchen Moment von einer so autoritativen Versammlung mit Recht hätte erwarten können. Dieser Moment ist nämlich schon deshalb so wichtig, weil er einen epochalen Wc.depunkt in der ■ganzen zionistischen Politik in sich bürgt. Die neuen Verhältnisse in der Türkei eröffnen uns ein breites Feld für reale zionistische Arbeit — aber nicht jene kleinlichen Arbeiten, die heute den Namen „reale Arbeit" erhalten haben, sondern wirklich reale Arbeit, die auf die Erwerbung von kultur-ökjnomi-