Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 39 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. tigung zu erl i,i^cn, müssen wir durch die Zahl prädominieren. Die „grosse Arbeit", von der die Offiziösen so viel sprechen, ohne etwas damit zu sagen, muss also beim Volke und im Volke beginnen. Das Volk soll und wird sich selbst befreien, aber lullen wir es durc h Ammenmärchen und -Phrasen nicht ein. sondern zeigen wir ihm den Weg - - zum Ziel. Der Zionismus gelangt jetzt erst an die Schw elle seiner Verwirklichung. Seine historische Aufgabe beginnt und damit wächst die grosse Verantwortung seiner Kührer. Jetzt gilt es: alles zu gewinnen oder alles zu verlieren. Der politische Zionismus hat erst jetzt die Gelegenheit zu zeigen, dass er politisch ist, dass sich seine Agitation nicht bloss auf Geldsammlungen und Pflanzungen beschränkt, sondern dass er als unbediengte Voraussetzungen für die Verwirklichung seiner letzten Ziele die politische Reife der jüdischen Bevölkerung zu fördern und die öffentliche Meinung der Türkei zu gewinnen versteht. Dann wird der Ausruf, mit dem wir am nahen Versöhnungstage unsere Gebete abschlies-en : „Nächstes Jahr in Jerusalem" — für den grösslen Teil unseres Volkes mehr sein, als ein blosses Lispeln der Krömmler oder ein gedankenloses Murmeln der Kastenden, bevor sie nach Hause stürmen. Dr. S. R, Landau. ®ic %*rlit\w $otabdn4|<Mif eretiz. Ein Blick hinter die Kulissen. (Von besonderer Seite.) B crli n, den 25. September. Die nunmehr geschlossene, unter .Ausschluss der Oeffentlichkeit abgehaltene Konferenz jüdischer Nntabeln hat mit einem entschiedenen Fiasko für die Unternehmer der Konferenz geendet. Das Ziel, das der Konferenz gesteckt wurde, nämlich die Gründung einer allgemeinen jüdischen Kolonisation s g e s e 11 s c h a f t, ist nicht erreicht worden. Es wurde wohl eine Resolution angenommen, in welcher ein ..Zusammenschluss aller grossen jüdischen Organisationen" als ,.dringend geboten" anerkant wird, allein die dreitägige Beratung ist schliesslich in die Einsetzung reines Komitees ausgelaufen, was nichts anderes bedeutet, als ein Grab, in welches eine an sich nicht schlechte Idee, sagen wir mit Rücksicht auf die ..Notabein" nach einem Leichenbegängnis erster Klasse, zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Warum ist nun dieser Zusammenschluss trotz der unleugbaren Tatsache, dass die Erkenntnis der Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses in allen Schichten des Judentums lebt, in dieser Konferenz der Notabein nicht gelungen? Bei der Beantwortung dieser Krage muss zwischen dem von den Einberufern angegebenen Zweck der Konferenz und ihrem wahren, oder wenigstens von einem grossen Teile der in Betracht kommenden Kreise als wahr angesehenen Zwecke unterschieden werden. Die ursprüngliche Idee des Einberufers Dr. Nossig war, die dem Zionismus fernstehenden jüdischen Kreise für eine Palästina-Kolonisation zu gewinnen. Zu diesem Zwecke sollten in den verschiedene,! europäischen Zentren jüdische Kolonisationsvereine gegründet werden, die sich nach dem Plane Lssischkins zu einem Verbände der Kolonisatk)ns\ ereine zus tmmenschliessen sollten. Dieses Projekt gelang nur zu sohr geringem Teile, indem es nur i.i Wien möglich war, die Gründung eines jüdischen Kolonisationsvereines nach Xossig'schem Rezept durchzusetzen, und auch dieser Verein nur noch am Papier existiert. Demzufolge war auch der Plan eines Verbandes der jüdischen Kolonisnt:onsvereine undurchführbar geworden. Last um dieselbe Zeit, als \ossigs Plan ursprünglich entstanden war, tauchte im ,,American, lewish ("omitee" die übrigens schon früher von B eiisha angeregte Idee einer jüdischen Weltorganisation so eine Ari jüdischen Wcltp irlamentes, auf. Der Grundgedanke dieser Idee hat in allen massgebenden jüdischen Kreiden Sympathien ge - fundea und man trat in die- Diskussion der Krage ein. Diese Sympathien glaubte nun Dr. .Voss ig für sein ursprüngliche- Projekt l'ruktifizieren zu können. So entstand die Einladung zu der am 29. März 1.!. stattgehabten (leheim Versammlung in Berlin. Da änderte sich ini --inein Maie die Stimmung. Die politische Stellung Dr. NOssigs hat bei den nichtzionistischen Organisationen augenscheinlich Misstrauen erweckt. Sowohl das ..American Jewish Gomitee" als auch die ..Ica". die Londoner „Anglo-Jewish-Association" 11 d die ,,Allianzen" hatten dieEmppfindurg, dass ihre Kapitalien auf diesem Lmwege zionistischen Zwecken dienstbar gemacht werden sollen und haben sich gegen eine permanente Organisation ausgesproche 1. Die ,,Ito", die im Principe für eine permanente ' >rgranisation ist, aber bei ihren Operationen gleicht'dls an die Mittel der genannten reichen < >rga;,isationen denken muss, beschickte wohl die Xossigschc Konferenz, aber nur zu dem Zwecke, um eine Bindung der vorhandenen jüdischen Konds für zionistische Zwecke zu verhindern. So blieben denn noch die ,,Bnai Brith". der Hilfsverein der deutschen luden" und mehrere Kaha! - Vertreter aus Gaii.nen. Aber auch mit diesen hätte sich etwas machen lassen, wenn es sich nicht wieder einmal gezeigt hätte, was für schlechte Taktiker die Zionisten sind. Anstatt diese nichtzionistischen Notabein unter sich beraten zu lassen, oder die Konferenz wenigstens nicht mit prononzierten zionistischen ,,Küh - rern" zu überfluten, Hessen sie den ganzen galizisch-zionistis< hen Generalstab aufmarschieren und da auch die niehtzionis'ischen Konferenzteilnehmer zumeist aus ( Österreich gekommen waren, so entstand gleich zu Beginn der Beratungen eine Atmosphäre, in weicher ein gedeihliches, auf gegenseitiges Vertrauen gegründetes Zusammenarbeiten von vornherein ausgeschlossen war. Auf der einen Seite die Abgeordneten Stand, M a h 1 e r und Anhang, auf der anderen Seite Kahalpräsident Dr. Schaff und seine Gesinnungsgenossen. Der ganze Groll, der auf heimatlichem Boden entstanden und gezüchtet wurde, ist hier am Konferenztische wieder wach geworden. Man erinnerte sich jener vom verstorbenen Dr. Byk einberufenen Notabeln-Versammlung in Lemberg, man hörte noch das Klirren der zertrümmerten Fensterscheiben, den Lärm tier das Versammlungslokal stürmenden; Masse.