Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 39 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NEUE teiONAL-ZEiOJNG JÜDiSCfiPOUCiSCRg WOCRSNSCRRIFC REKRUSGgBB«: DrS.R.LftNDflU:: X. JAHRGANG. WiEN, 2. OKTOBER 1908. Nt». 39. JJui* Revision des politischen Zionismus. (Sehlnss.) In dem Augenblicke, da dasiottomanischc Reich eine konstitutionelle Form annimmt, zeigt sich, wie wenigbisher der politische Zionismus geleistet hat. Denn es muss jetzt, um ein Wort Hegels zu ge - brauchen, mit dem Anfange angefangen werden. Soldschreiber, die sich heute an den Zionismus klammem, während sie ihn noch vorgestern in die Waden gebissen haben, meinen, dass die bisherige Diplomatie nur ein taktisches Mittel war, welches gegenwärtig angesichts der geänderten Sachlage einer anderen „Methode" reichen müsse. Allein dieses taktische Mittel war von allem Anfange schlecht. Es beruhte auf der naiven Voraussetzung, dass man mit Hilfe einiger Grosskapitalisten oder bestochener Höflinge einen „Charter" kaufen und ein ganzes Volk befreien könne. Diese „Methode" war nie taktisch, denn sie sprach geradezu Hohn jedem Prinzip der historischen Entwicklung : sie war aber nicht bloss unhistorisch, sondern auch undemokratisch. Dieneue Ordnung der Dinge in der Türkei hat sie ad absurdum geführt: das müssen ihre Anhänger selbst zugeben. Die zionistische Bewegung muss nunmehr ihre Taktik vom Grunde aus ändern. Es muss endlich das leere Geschwätz der Parteiführer aufhören. Die mysteriösen Andeutungen, die grosse Pose und die Geheimnistuerei müssen verschwinden, denn es gibt gar nichts zu verheimlichen. Alles was geschehen soll, muss im vollen Lichte der Oeffentlichkeit unternommen werden. Dann kann es auch imposant, grosszügig sein, dann kann es als eine wirkliche Enunziation der grossen jüdischen Volksmassen gelten Vor aller Weh muss eine zionistische Deputation dem neuen Parlamente seine Aufwartung machen, um die Existenz des jüdischen Volkes zu manifestieren; in der Met ropole des ottomanischen Reiches muss der nächste zionistische Kongress abgehalten werden, um allen Machtfaktoren dieses Staates zu beweisen, dass die zionistische Bewegung eine friedliche Entwicklung des jüdischen Volkes auf seinem historischen Boden anstrebt. Es muss aber auch die Idee propagiert werden, dass die jüdische Bevölkerung selbst am meisten zur Realisierung des zionistischen Programms beitragen kann. Dadurch, dass die luden der Türkei das ottomanische Staatsbürger recht amehmen, sofern sie es noch nicht haben, dass sie für Einführung der allgemeinen Wehrpflicht eintreten, dass sie die türkische Staatssprache lernen, werden sie ihm Loyalität beweisen und ein erhöhtes Recht auf Achtung ihrer nationalen Rechte erwerben. Gleichzeitig muss eine wohlorganisierte Masseneinwanderung des jüdischen Proletariates nach Palästina einsetzen; durch Ankauf von Grund und Roden für die brach liegenden Millionen des Nationalfondes wird ihnen der l ebergang zur Landwirtschaft erleichtert. Denn es ist ja ein bekannter Erfahrungsgrundsatz, auf dem sich der Zionismus aufbaut, dass der Antisemitismus mit unserer numerischen Schwäche, mit unserer Minoritätsstellung zusammenhängt. Lm eine wirkliche Gleit hberech -