Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S8. Seite 9. nannte und dafür zu einer Geldstrafe von 80 K verurteilt wurde. Liest man diese Beschimpfungen, so denkt man sich sofort, dass sie von irgend einem Antise m i t e n und Anwärter auf ein christlich-soziales Amt ausgegangen sind. Allein weit gefehlt. Dieser ,8 i t z 111 a n n ist Alter Herr der zionistischen „Kadimah", er ist Mitglied des zionistischen Distrikts-Komitees, er ist schliesslich Beamter der jüdischen Arbeitsvermittlung! . . . Und dennoch findet er es für angemessen, anderen Juden ihre Abstammung zum Vorwurf zu machen , . . Wie ist das zu erklären? Was haben wir erst von Assimilanten zu erwarten! . . . Ein polnischer Jude. * i Rathen ischer Boykott. Geehrte Redaktion! Wenn wir die Kampf-Parolen und Methoden der gegenwärtig in den nationalen Kampf verwinkelten Polen und Kuthenen im faktischen Lichte betrachten, so nehmen wir nach einem kurzen Bli. ke wahr, dass der ganze Kampf, der sich augenscheinlich nur um nationale und sprachliche Konzessionen abspielt, in Wirklichkeit auf einen geistigen und physischen Vernichtungskrieg der jüdischen Bevölkerung ausgeht. So wurde hier am 6. d. M. auf einem rutheni sehen Meeting, auf dem Abg. Dr. Alex. Kolessa über seine parlamentarische Tätigkeit Bericht erstattete, von einem ruthenischen Medizinhörer ein wahrer wirtschaftlicher Boykott gegen die Juden gepredigt. Dieser sagte u. a.: ,,Kauft nicht bei den Juden, denn diese sind eure ärgsten Feinde! Gründet cu<h selbst verschiedene Kramladen und Handlungen, damit ihr euch euren ganzen Bedarf selbst liefern könnet. Nicht cinzelweise, wie dies bis nun geschehen, sondern im Vereine und genossenschaftlichen Stile; denn anders werdet ihr gegen die jüdische Konkurrenz nicht Stand halten können." Wenn man mm in Betracht zieht, dass ein ruthenischer Medizinhörer sieh den frechen Mut nimmt, einen Moment, in dem einige tausend Bauern unter freiem Himmel versammelt sind und da auch einige hundert Juden anwesend sind, die durch einen besond r. n Redner dem Abg. Dr. Kolessa sowie; dem ganzen l Lithenib' Iuti Klub für die moralische Unterstützung, die er dem Judenklub angedeihen lässt, die linnigste Dankbarkeit aussprechen, zu einer fürchterlichen Verhetzungsrede und Boykottaufforderung gegen die arme 'jüdische Bevölkerung zu missbvauchen und damit die Ruthenenpolitik als eine antisemitische ä la Lueger und Konsorten zu stigmatisieren, ohne sogar von dem Vorsitzenden, einem ruthenischen Dekan, gerügt zu weiden, so kann man daraus mit Gewissheit folgern, dass es keineswegs aus eigener Initiative erfolgte. \Vvr TOvisseu divU^r ^uf v\uscve,t Rvvt seu\, d.\ss vms wwUx unversehens der auch nur schwache Boden unter den Füssen entzogen werde. Mikulince. Markus Blatt sen. flGDEföCSPONOeNZCN ©«stemich*ön£afn. Eine Schwurgerichts-VerbandJnng. Wien. TJeher die Ehrenbeleidigungs-Klage unseres Herausgebers, Dr. S. R. Landau, gegen die partei-zionistische jüdische Zeitung", resp. deren verantwortlichen Redakteur, Alexander Geller, wurde vom hiesigen Landesgericht die Haupt Verhandlung auf den .12. Okrober L J. anberaumt. Hie Verhandlung wird vor dem Schwur g e richte in der ausserordentlichen Session stattfinden. Wir werden über die Verhandlung ausführlich berichten. Der Empfang des Präsidenten Wolffsohn. Wien, den 20. September. (Orig.-KonO Samstag, den 19. d. M. abends fand im Hotel Zentral der Empfang des in Wien weilenden Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees, David Wolf f s o h n, statt. Die Einladungen lauteten für die Gesinnungsgenossen und ihre Damen", Herr Wolff söhn war in Begleitung des Professors Dr. Leon Kellner aus Gzernowitz erschienen. Auf eine kurze Begrüssung des Distriktsobmannes .Markus und eine längere Rede des Dr. Margulies hielt Herr Wo! ff söhn so eine Art Situationsbericht, aus welchem hervorging, dass das Aktionskomitee von den Vorgängen in der Türkei eine günstige Wendung des Zionismus erwartet. Auf die Bemerkung des Vorredners, dass die Wiener Zioni-ien sich besonders freuen, den Präsidenten des Aktionskomitees gerade jetzt in Wien zu begrüssen, wo sie die Vorbereitungen zum Kampfe gegen den Knltusvorstand treffen, gemahnte Herr; W o 1 f f so h n zum Frieden, da der Zionismus durch solche Kämpfe und besonders durch die etwas laute Art des Kampfes niemals die Anhänger gewinnen könnte, deren er bedürfe. War schon der ganze Empfang, der dem Herrn Präsidenten in Wien zuteil ward, ein recht kühler, so hat diese Wendling in der Rede Wolffsohns, durch welche die jugendlichen Herren von Wien gewissermassen zur < h-d.iung gerufen wurden, eine Unruhe in der Versammlung hervorgerufen, die der Vorbote des bald darauf losbrechenden Skandals geworden. Herr Böhm ergriff das Wort und seine Rede klang wie eine Zurechtweisung des II errn, Präsidenten, „dessen Opportunismus von den hiesigen Zionisten nicht geteilt werde". Sie wollen den Kampf haben und werden sich von niemandem beirren lassen. Das verstünden sie besser. Die Studentenschaft, das Gros der Versammlung, applaudierte dem kampfeslustigen Herrn Böhm. Professor Kellner als Verteidiger des Taussig. Dann ergriff Professor Kellner das Wort, um mit einem, einer besseren Sache würdigen Eifer für den Frieden und den in der Versammlung angegriffenen - Ritter von Taussig, den Geldlieferanten der russischen Pogrom-Regierung, den Ritter des Stanislausordens, eine Lanze zu brechen. Herr Professor Kellner meinte nämlich, dass dem Kitter von Taussig von Seiten der Zionisten bitteres l'nrecht geschehen sei, er, dessen Söhne am Jom- Kippur in den Tempel gellen, sei ein ,„besserer Jude", .,als mancher hier im Saale". Hiermit war der Höhepunkt des ,. Empfangs'4- Skandales erreich'. Herr Wolff söhn musste es sich noch gefallen lassen, dass dann Herr Dr. Weisen grün gegen ihn ..inneren Führer Dr. Scha- 1 i t" ausspielte: er verspürte keine Lust mehr, in seinem Schlussworte die interne Wiener Wäsche weiter zu berühren. Er hat sich dieses liebliche ,,Wiener Souvenir" vorläufig in die Tasche gesteckt und hat auch einen Vorgeschmack verspürt, welch' nette Gesellschaft in seiner hiesigen Parteigruppe beisam - men ist. Herrn Professor Ke Huer aber, den Verteidiger und Leibknappen Taussigs, wird man sich merken. Wenn der Zionismus nichts anderes sein soll, als eine neue StufenVitcr für grosskapitalistische Lakaien, dann war er übe "flüssig. Jüdische Soldaten. Wien. Das kaiserl. und königl. Reichskriegsministerium hat unserem Mitarbeiter, Herrn Schriftsteller Moritz Frühling, nachstehenden Erlass übermittelt: „Behufs weiterer Bearbeitung Ihres im k. u k. Kriegsarchiv bereits begonnenen Werkes „S a m m-