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Neue Nationalzeitung · 1908-09-25 · Heft 38 (25.9.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. „Neue National-Zeitung" Die Gliederung des Stoffes ist eine vortreffliche. In fünf Abschnitten wird die Geschichte der Juden in der Türkei dargestellt. Der erste Abschnitt reicht von 1300--1451, d. i. vom Sultan Osman bis zum Tode Murads II. Wir lernen in diesem Abschnitte insbesondere das jüdische Leben in den Gemeinden Br ussa, Adriane pe], X i k u p o 1 i s und W i ddin kennen. In letztgenannter Gemeinde gründete in dieser Zeit R. Salom Aschkenasi aus Neustadt ein Beth - Hamidrasch und einer seiner grössten Schüler war Rabbi Dossa, »Sohn des R. Möschen, des Griechen oder Byzantiners. Im fahre 1430 verfasste dieser einen Kommentar zu Raschi. Wir begleiten nun die Osmanen auf ihrem weiteren Eroberungszuge. Im zweiten Abschnitte sehen wir die Juden unter der Herrschaft M o h a m e d s II. (von 1451—1481), des grossen Eroberers Konstantinopels. Hier fesselt die Geschichte des R. Mose Kapsali, der vom Sul'an eine Art Obcrhcniichkeit politischer Art über die türkischen Judengemeinden erhielt. Kapsali hatte sich zum Rabbi in Deutschland gebildet. Das Geschick dieses merkwürdigen Mannes gehört in der Tat zu dem anziehendsten Teile unseres Werkes. Ihm folgte in seiner Würde R. El iah Misrachi, von dem wir im dritten Abschnitte hören, der von 14S1 bis 1512 reicht und die Regierung Bajazetho II., des Frommen (Hachasid) umfasst, unter welchem Sultan der grosse „Gerusch Sepharad", das heisst die grosse Vertreibung der Juden aus Spanien und ihre Einwanderung in die Türkei stattfand, ein Kapitel voll grossartigem, heroischen Martyriums, das Rosa n e s meist nach den Worten des letzten grossen Staatsmannes und Gelehrten, den das Judentum Spaniens hervorge - bracht, nach den Worten Isaak Abrabanels, schildert2). Diesem dritten Abschnitte ist ein Verzeichnis jener hebräischen Bücher angefügt, welche in der Türkei bis zum Ende des Jahres 1520 gedruckt wurden. Man kann für die Anführung dieses Verzeichnisses, das von Dr. Porges in Leipzig mit grossem Fleisse ausgearbeitet wurde, sehr dankbar sein: ist es doch ein Beweis dafür, wie sehr die damals neue Buchdruckerkunst, besonders in der Türkei, von den Juden gepflegt wurde. Die meisten dieser Bücher wurden in Konstantinopel gedruckt. Es sind 49 Werke, welche hier angeführt werden, von 19 wird es mit Recht vermutet, 6 wurden in Salonichi gedruckt. Im vierten Abschnitte lernen wir die Geschichte der Juden unter dem Sultan S e 1 i m I. von 1512—1520 kennen, es ist die Zeit des Rabbi Joseph Karo, des Verfassers des „S c h u 1 c Ii a n A r 11 c h" und des R.David Messer L i o n. Auch Jakob ben C h a b i b, der berühmte Verfasser des ,,E n J a k o b , jener Sammlung von Midraschim, die Wünsche ins Deutsche übersetzte, w ird in diesem sehr reichen Abschnitte vorgeführt. Im fünften Abschnitte endlich werden wir mit der Geschichte der Juden in der Provinz Damaskus, im Erez Jisrael und Aegypten unter der Herrschaft S e 1 ims I. bekannt gemacht, denn in alle diese Länder, die uns aus der Bibei so wohl bekannt sind, wandte sich der Strom der Auswanderer der „Geruschim ünd Nedudim". Die Gemeinden von Damesek und Aram Zoba3), Jerusalem, Gozah, Hebron, Saida (Zidon), Zephath, Alexandria, dann Männer wie '-') Vorrede zu seinem Werbe „Maanje Hajeschujah". 3) Psalm 60, 2, II. Sam. 10, 6, 8 a. a. 0. ein Landstrich yrieus. S Obadjoh di Bertinoro, Rabbi Moses ben Alsehlakar, David ben Simra werden in diesem Teile geschildert; ebenso werden wir mit den Minhagim der Juden in Mizraim bekannt gemacht. Und jetzt folgt der nach unserer Anschauung interessanteste, der eigentlich kultur-historisch wichtigste Teil des Werkes. Die Zijuninr1) sind es aller jener Juden, die das türkische Reich bevölkerten. Heute, da für die Türkei eine neue Zeit angebrochen ist, zieht es uns besonders an, zu hören, wie in den genannte.) jähren die Juden diese Länder als die der Freiheit priesen und sich in ihnen, nach allen den Mühseligkeiten und Leiden, die sie in allen übrigen Ländern zu ertragen hatten, niederliessen, sich der freien Bewegung, die ihnen hier gegönnt war, erfreuend. Von besonderem Werte sind in diesen ,,Zijunim" die Namensverzeichnisse und die rituellen, sowie liturgischen Verschieden - heiten der aus den mannigfachsten Ländern nach der Türkei gekommenen Juden. Diese Kapitel sind auch von hoher sprachlicher Wichtigkeit, wenn man nämlich sieht, welche Wandlungen die fremden Namen im Hebräischen durchgemacht haben. Am bedeutendsten sind die Denkmäler, die sich die Sephardim gesetzt. Wir haben hier ein ganzes Namens- Glossar angefühl t. Auch seilen wir, wie sich die Juden Spaniens nach den Provinzen scheiden: es gibtkastilische, arragonesische, katatonische, andalusische Juden und solche aus Granada, verschieden in ihrer Sprache unrj ihren Bräuchen. Und von ihnen unterscheiden sich wieder die „Bene Portugal", ein Beweis, dass alle diese Juden an dem reichen Kulturleben der Länder und Provinzen, in denen sie gewohnt, sich beteiligten und seine reichen Keime aufgenommen hatten. Und wie die Juden Frankfurts ihr Purim Vinzr>) feierten, so hatten die Saragossas ihre Megillah und ihren Purim1'J. Die Rolle Saragossas" im Stile der „Megillath Esther" geschrieben, wenn auch nicht so lange wie diese, wird unter den Denkmälern der Juden Aragons, als sehr erwünschte Quelle für die Geschichte der Juden dieser Stadt, mitgeteilt. Sehr charakteristisch sind auch die Sprichwörter der sephardischen Juden. Leider fehlt es uns am Räume, einige dieser ,,Meschalim" hier anzuführen, Eines für viele: „Grano a grano, o hinche la gallina cl papo." Es will besagen: Wenn man auch nur Korn auf Korn legt, es fühlt sich doch der Schatz, wie sich die Henne sättigt, Korn auf Korn aufpickend. Noch macht uns der Verfasser mit den ersten Buchdruckereien in der Türkei bekannt und Doktor Marx aus New-York gibt Ergänzungen zu dem Verzeichnisse der ersten in der Türkei erschienenen Druckwerke. Damit nehmen wir Abschied von diesem überaus reichen Werke, wünschend, es möge dem Verfasser gegönnt sein, uns sehr bald mit dem zweiten Teile, reichend bis zum Jahre 1575 und dem dritten bis zum Jahre 1640, zu beschenken, denn sein Buch ist eine wirkliche, wissenschaftliche Bereicherung unserer Geschichtsliteratur. Auch die V Übersetzung in eine Weltsprache erwarten wir sehnlichst. *) Zijun, „Wegeraal, Denkmal" II. Kön. 20, 17. Jer. 31, 21. Ez. 39, 15. •) Zur Erinnerung an den „neuen Haman" von Frankfurt, (hingerichtet am 28. Februar lt>l6 auf dem Rossmarkte), am 20. Adar gefeiert. •) Gefeiert am 17. oder 18. 5chobat. Der „Haman" Saragossas führt den Namen Marcus. Ueber diese Quelle selbst siehe Rosanes, a. a. 0. S. 5209.

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