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Neue Nationalzeitung · 1908-09-25 · Heft 38 (25.9.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Sie kommen an den hohen Festtagen in die Synagogen, erscheinen bei der Thora und schnödem" .. .: eine Lappalie im Verhältnis zu ihrem Millionen-Vermögen. Christliche Männer wie Professor H y r 11 und der Assekuranz-Vertreter von Si eberer haben von ihren ersparten Groschen monumentale W aisen - häuser in Mödling und Innsbruck erbaut; die jüdischen Millionäre lassen sich von ihrer. Lakaien dafür feiern dass sie mit ihren Kindern :»m Joni Kippur in die Synagoge gehen. . . . Es ist eine merkwürdige Lrsche:nung, wie die Juden, das Volk der Individualität und des Trotzes, servil gew orden sind. In das Schicksal der jüdischen Waisen von Hobrek müssen daher die grossen jüdischen Organisationen des Auslandes eingreifen: die ,,Ica'\ die Pariser ,,Alliance" und der Berliner ,,Hilfsverein". Ihnen allen ist der Zweck gemein, die Juden des Ostens politisch zu befreien und wirtschaftlich zu heben. Sie haben daher die Pflicht, angesichts der Indolenz und Apathie der jüdischen Gemeinden in Oesterreich, angesichts der kindi-clu n Lnbcholfenheit des „Gcmeindcbundcs", dem auffallenden c h i- 1 n 1 h äschern ein Ende zu machen. Ob in Persien u;d in Ma:okko jüdische Kinder geraubt und auf den Sklave.imarkt getrieben oder in Gali/ien im W ege eines Vertrages mit dem Landesausschusse in die christliche Waisenanstalt überführt werden, das Resultat ist dasselbe: die Kinder werden dein Judentum entrissen. Da ist es Pflicht der grossen Organisationen zu helfen. Was können die armen Kinder dafür, dass in Oesterreich so schändliche Verhältnisse herrschen! . . . . Die Hilfe, die wir nun für die jüdischen Kinder erwarten, muss in der Form einer Förderung des jüdischen Waisenvereines in Chrzanow ge - schehen. Die Persönlichkeiten der Präsidentin, Frau Rosalie Brauner, und der aufopferungsvollen Damen, die im Ausschusse sitzen, ihre Erfolge, dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen bereits 16 Waisen aus Kreuzer-Sammlungen und kleinen Subventionen erhalten, bilden eine sichere Gewähr, dass die neue Aktion bereits ein festes Fundament vorfindet. Mit einem kleinen Kapital, zu dem ein schlichter Jude aus Berlin durch eine iooo Kronen-Spende den Grundstein gelegt hat, könnte ein bescheidenes Haus erbaut werden; durch Jahres-Subventionen der Organisationen und Mitgliedsbeiträge der Gemeinden könnten dem Vereine die notwendigen Mittel zur Krfüllung seiner Aufgaben beschafft werden, l'nd der Landes-Ausschuss wird sich herbeilassen m ü ssen, auch einer jüdischen Waisenanstalt die monatliche Alimentation zu bezahlen. Nun ist es Sache des Waisen-Vereines selbst, in die Oeffentlichkeit zu treten, und nicht zu bitten, sondern im Namen der armen Kinder zu fordern. Denn jetzt wird niemand zur Ausrede greifen dürfen, dass man nichts wisse. Diese Kinder, mögen sie auch Findelkinder sein, gehören zu uns; sie sind u n s e r Fleisch und Blut. Mit Recht sagte auch der Xieliner Rabbi zu seinen Anhängern in Chrzanow: ..Selbst am Versöhnungs'age dürft Ihr fahren, um Fucre jungen Brüder und Schwestern aus jener Anstalt zu retten." Dr. S. R. Landau. Prof. Dr. MAX GRÜNFELD: Geschichte der Duden in de? fü*l<ei.*) In der berühmten Geschlechtstafel im I. Buche Mosis, Kap. X, gleichsam der Ahnengalerie der Menschheit, über die so viel und vielerlei geschrieben wurde, lesen wir in den Versen 2 und 3: „Die Söhne J e p h e t s sind : Corner, Magog, Modai, Jauan, Tuba], Meschcch und Tiras. Die Söhne Gomers: Aschkenas, Riphat und Togarmah." Toga rmah, aber ist, n irh Pen Gorion, der Ahne der Türken. Danach wären die Türken den Japhetiien zuzuzählen und mit den Griechen, Medern, Deutschen verwandt, als > indogermanischer Abstammung; eine .Anschauung, welche wissenschaftlich ganz unhaltbar ist, gerade so wie die Einteilung des ganzen Menschengeschlechtes in Semiten, Chamiten und Japhetiten. Wenn nun der Verfasser des vorliegenden, ausgezeichneten Werkes, das im klassischen Hebräisch geschriebe n ist, es als „D i b r e Jeme Jisroel b'Togarmah" bezeichnet, so folgt er damit einer alten Ceberliefei ung, ohne sicherlich davon überzeugt zu sein, dass Togarmah und Türkei identisch seien. Darauf kommt es gewiss auch nicht an, wenn wir dieses Buch beurteilen, das eine eingehende Geschichte der Tuden im türkischen oder besser osrnanischen Reiche darstellt, und von dem der erste Teil vorliegt, enthaltend: Die Zeit, da sich Flüchtlinge aus aller Herren Lander in der Türkei niedergelassen, unter denen uns besonders die aus Spanien Geflüchteten interessieren. Sagen wir es gleich: wir haben es in diesem, mit seltener Gründlichkeit gearbeiteten Werke, nicht allein mit einer trockenen Aufzählung von weltgeschichtlichen Tatsachen zu tun, sondern auch mit einem Stücke Kulturgeschichte, einer wahrhaft wohltätigen Ergänzung dessen, was man gewöhnlich als Geschichte bezeichnet. Wir lernen die umfassende Tätigkeit der Juden auf den verschiedenartigsten Gebieten kennen, besonders auf dem Gebiete ihrer weitschichtigen Literatur und ihre eigenartigen Riten. Nicht am wenigsten hervorragend ist dieses Werk aber auch als Namenkunde (Onomatologie), denn in nicht weniger als 11 Namensverzeichnissen („Zijunim") lernen wir romanische, ungarische, deutsche, französische, italische Juden, solche aus der Moldau, Walachei, 'den Slavenländern, Navara und der Provence, den arabischen Provinzen, Spanien und Portugal kennen, ein höchst merkwürdiges Gemisch, eine ungemein interessante Vereinigung in jenen Ländern Asiens, Europas und Afrikas, die sich den osrnanischen Türken seit den Tagen Osmans und seines Sohnes Urchan unterw arfen. R o s a 11 e s, dessen Namen selbst katatonischen Ursprunges ist1), zeigt uns in seinem gelehrten Werke, welch ein Stück Kultur die Juden und insbesondere die spanischen (die Sephardim) nach der Türkei gebracht haben und so hat er Kulturgeschichte im besten Sinne des Wortes geschrieben. *) Geschichte der Juden in der Türkei vom Jahre 1S< 0 —1"20, nach gedruckten und handschriftlichen Quellen von Salomon A. Rosanes, nebst einem Verzeichnisse der hebräischen Bücher, welche bis 1520 in der Türkei gedruckt wurden von Rabb. Dr. N. Porges mit Ergänzungen von Dr. A. Marx und vom Verfasser. Husiatyn 1907. (In Kommission bei L. Schwager & D. Frankel, Husiatyn.) — (Hebräisch.) ») a. a. O. S. 216.

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