Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 37 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Seite 8. Nr. 3?. 3IORITZ FRÜHLING (Lemberg)-) ©er fleld \'on J$rcka. Erinnerungsblatt an den Sieg bei Br ka vom 17. September 1878. In der Nacht vom 16. zum 17. September 1878 ergoss sicli ein wolkenbruchartiger Regen, die-Felder um Xovn-dircka in gr<»^e Wasserlachen verwandelnd. Hier mussten die kaiserlichen Truppen, den l'nbildcn des (lew i'.tei s ausgesetzt, die ganze Xachi kampieren. Die Soldaten hüllten >ich in die Mäntel, und brüteten in Lockender fröstelnder Stellung" an Schlaf war nicht zu denken den kommenden Ereignissen entgegen. .Man hatte" das Gefühl, dass es morgens zu einem blutigen Zusammenstoss kommen werde. Das Gewitter legte sich nach und nach, und die aufgehende 1 Ierbslsoane brachte Leben in die erstarrten ( dieder der müden Truppen. Hoch oben in den Lüften -ogen schwar/gefiederte Segler krächzend ihre Kreise, als könnten sie kaum den .Augenblick erwarten, der ihnen neuen Menschenfrass bringen sollte. l'm 0 I hr morgens erfolgte der Angriff der Insurgenten, und sie kamen mit den auf Vorposten stehenden Abteilungen der österreichischen Truppen ins Gefecht. Kar.onen fuhren in rasendem Galopp vor, und richteten ihre feuerspeienden Schlünde gegen den Feind. Die Signalhörner erklangen von allen Seiten und der Allarm .vurde auf der ganzen Linie allgemein. Bis 3 ( hr nachmhlags wurde hin- und hergeplänkclt; das Gefecht war bisher nur ein hinhaltendes gewesen. birst um diesen Zeitpunkt einwickelte sich die Feuerlinie in breiter From, und wurde der Befehl zum energischen Vorgehen gegeben. Das Gefecht entwickelte sich nun und nahm an 11 eftigkeii immer mehr zu. Das dichte Gt.scrüpp des hohen Maises und der mannshohen lebenden 11 ecken erschwerte denAngriff unsererTruppen; der Gegner in gutsituierten Scliützengraben stellend, beschoss lebhaft die anrückenden Kolonnen. Die fünfte Kompagnie des 24. Infanterie-Regiments erlitt empfindliche Verluste, einzelne verw undete Sold nen zogen sich hinter die Gefechtslinie zurück, und die sechste Kompagnie wurde zum Vorrücken ins Feuer beordert. Beim Anblicke der verwundeten, teils laut jammernden, teils leise wimmernden Kameraden beginnen viele Reservisten zu weinen und Gebete zu verrichten. Die jüngeren Kameraden bewahren, die Gewehre krampfhaft umfassend, stoische Ruhe. Da tritt der Infanterist Leo Bartfeld vor die Front der Kompagnie, spricht den alteren Soldaten Min zu, erinnert sie daran, dass der Tod für Kaiser und Vaterland der schönste sei, und dass übrigens niemand ohne göttliche Bestimmung, sei es im Kriege oder Frieden, sterben könne. Seinen jüdischen (daubensge;;ossen zitiert er diesen Satz aus dem „ l nesanne Taukef". Barlfelds Trostesworte, sein besonders guter Humor und Mut verfehlen die Wirkung nicht; Jud und Christ fühlt sich in dieser ernsten Stunde seelisch gestärkt, und schweigend drücken die Kompagnie-Offiziere Bartfeld die Hand. *) Wie unse.en Lesern bereits bekannt, arbeitet der Verfasser an einer Geschichte der Heldentaten jüdischer Soldaten. Obige Darstellung ist den Ereignissen während des bosnischen Krieges entnommen. D.e Redaktion. „Mit Gott" geht es nun mit wahrer Todesverachtung \orwärts, Bartfekl voran. Bartfeld wird durch zwei Schusswunden am linken Oberarm verwundet; er entnimmt seinem Tornister die Leibbinde, verbindet sich selber den Arm und kämpft mit einem lächelnden ..macht nichts" weiter. Mehrere Stunden wogte der Kampf unentschieden; da auf einmal beginnt ein mörderisches Feuer feindli( herseits. „Nur mutig weiter, Kameraden" schreit Bartfeld, überspringt mit der Kompagnie einen hohen Zaun, eröffnet ein rasendes Schnellfeuer auf den Feind, einzelne Leute kommen ins Handgemenge, und nach hartnäckigem Kampfe wird der Feind geworfen. Bartfeld in der linken ßrustseite schwer verwundet, sinkt nieder und verliert das Bewusstsein. Fr hörte nuriiochdas Schmettern des Sieges-Signals, des Sieges, zu .dem er sehr viel beigetragen hatte. In den Armen des Generalmajor Budich, der um ihn bemüht war, schlug Bartfeld die Augen auf. Seine erste Frage: „Wir haben gesiegt?" konnte der General freudig bejahen. Auf Kosten des Erzherzog Rainer wurde Bartfeld nach seiner Rekonvaleszenz in Baden verpflegt. Hier zeichnete ihn auch Erzherzog Albrecht aus, indem er bemerkte, dass er -- Bartfeld — stolz sein könne, den Feldzug freiwillig mitgemacht zu haben. (Der Erzherzog entnahm dies der Kopftafel, auf der das Assentjahr 1878 »notiert war.) Am 1. Jänner 1879 erhielt Bartfeld, der einzige seines Regiments, unter grossen militärischen Ehren die g r o s s e s i 1 b e r n e T a p f e r k e i t s - M e da i 11 e (Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 24, Seite öe.9.1 * Soldatenlos! Die Verwundungen Bartfelds blieben nicht ohne Folgen, und er wurde als Invalide mit einer sehr geringen Pension entlassen. Es musste ihm später auch ein Bein amputiert werden, und unter den elendesten Verhältnissen fristete der Invalide anfangs sein Leben. Anlässüch einer Audienz beim damaligen Landespräsidenten der Bukowina, Baron Alesani, dem er ein Gesuch überreichte und sich auf seine Verdienste berief, erhielt er zur Antwort: ..Ich habe Sie nicht nach Bosnien geschickt." „Im Jahre 1886", erzählt Bartfeld in seiner sympathisch-schlichten Weise, „w urde ,ich mit Majestäts- Gesuch um Verleihung einer Tabak-Trafik bittlich. l'nscr gütige Monarch, keinen Nationalitätenunterschied kennend, hat mein Gesuch mit der grossen Signatur versehen. Aber die Trafik erhielt ich bis heute nicht, und finde den einzigen Grund darin, dass ich Jude bin." Bartfelds Verdienste in Oesterreich fanden jedoch gerechte Würdigung — in Rumänien. Auf sein, dem König Karl von Rumänien unterbreitetes Majesfäts-Gesuch erhielt er die Vertretung der königlich rumänischen Domänen und brachte es durch seinen Flciss und redliche Arbeit dahin, dass er heute ein schönes Haus in Czernowitz besitzt. In Oesterreich mit Todesverachtung gekämpft, und in Rumänien den Dank hiefür geerntet! Unsere P. T. Abonnenten werden um rechtzeitige Erneue rang Ihrer Vlerteljahres-Abennements ersacht. Die Administration.