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Neue Nationalzeitung · 1908-09-11 · Heft 36 (11.9.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Seite 9i Die Konferenzmitgliedcr fanden sich aber ganz wohl in unserer Stadt. Das bunte Leben interessierte sie lebhaft, wie das Völkergemisch und dann, ihre Arbeit schritt, was ihnen das wichtigste war, rüstig vorwärts. Hochinteressant war die Arbeil, die sie leisteten. Selbstredend wurde auch viel Stroh gedroschen, aber auch viel Geist, ein starker Wille und viel ernste Arbeitskraft kamen zur Geltung. Km Vorsitzender von seltener Geistesgegenwart, überlegener Klugheit und mustergiltiger parlamcntarisener Schulung war Dr. Schitiow ski. i^s war wirklich eine: Kunst, die mitunter recht ungebärdigen russländischen Gäste in Schranken zu Halten und die reichen Ergebnisse zu ermöglichen. lJoch der ^turm der Debatte w ar nur ein Zeichen ehrlichen Eifers, der nicht criahmte und in gleichem Masse durch alle Tage der Konferenz anhielt, zum Schlüsse sich aber noch bis zu einer interessanten debattereichen 'lag- und .Nachtsitzung» steigerte, .nie Verhandlung wurde am Donnerstag früh um neun Uhr eröffnet und am Freitag morgen um dreiviertel sechs Lhr geschlossen. Das ist ein Opfermut und ein NVille, nicht allen verständlich. \\ er aber miterlebt hat, wie sich die Konferenz entwickelte und das Irische volle Leben dieser Sprache beobachten,, ihren Geist auf sich wirken lassen konnte, der musste erkennen, dass hier eine jugendliche Kultur hoffnungsvoll knospt. -m AWN UClH6iL6ti «< Zum hundertsten Sterbetag von Michael Sachs veröffentlicht Dr. S. 13 c ruf cid im „Berliner Börsen-Courier" eine ausführliche Würdigung dieses bedeutenden jüdischen Gelehrten und Kanzehedners. „In dem Kanzelredicr;->ucns vereinigten sich der dichter und der wissenschaftliche Forsclier, denn er war beides in hervorragender Weise. Am 3. September zu Grossglogati geboren, kam er nach Beendigung der Gynmasiaiv orDildung 1827 nach Berlin, w o er gleichzeitig ida^ tische Bhiiorogie. und semitische Sprachen studierte. Kr zeigte schon damals dichterische und literargeschichtliciie Neigungen, die ihn in den Kreis Varnhagen von Enses führten. 1 diesem hervorragenden Scnrn tsteller hat er spater sein grosses Buch „Die religiöse Poesie der Juden in Spanien" in „dankbarer Verehrung" gewidmet. Im Jahre 1830 kam Sachs nach Prag, das damals noch durchaus deutschen Charakter trug. Don erlangte er den Ruf eines glänzenden Kanzehedners, und gleichzeitig förderte er mit grossem Eleiss seine literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Als er im Sommer 1844 einem Kufe als Prediger der jüdischen Gemeinde nach Berlin folgte, brachte er das vollständige Manuskript des erw ähnten ii.erar historischen Buches nach der preussischen Hauptstadt mit. Es erschien auch bald darauf im Druck und erregte grosses Aufsehen. Mit diesem Buche führte Michael Sachs die gebildeten Deutschen m eine ihnen bis dahin verschlossen gewesene .Welt, er zeigte ihnen die herrlichsten poetischen Schöpfungen aus der spanisch-jüdischen Glanzepoche. .Was Pierder früher nur in schwachen Versuenen bieten konnte, das gab Michael Sachs, der auf diesem Gebiete ein umfangreiches Wissen besass, in grosser Fülle. Dabei kam ihm in erster Reihe seine dichterische Begabung zu stauen, die es ihm ermöglichu-, die inhaltrciche und formvollendete Poesie der Juden in Spanien glücklich nachzubilden; Ks ist eine den deutschen Literaturhistorikern unbekannt gebliebene Tatsache, dass Heine dieses Buch gekannt und zu seinen „Hebräischen Melodien" fleissig benutzt hat. Zu seinem Jehuda Halevi verherrlichendem Gedichte-- Heine nennt Jehuda irr tümlich Jehuda ben Halevi fügt er aus den Makamen des Alcharisi einen Lobhymnus auf elen grossen kastilianischen Dichterfürsten hinzu. Die Lebersetzung der alehansischen Keime ist wörtlich dem Buche Sachs entnommen. Die Ouclle hat Heine anzugeben unterlassen. Ausser diesem Buche hat Michael Sachs noch in acii „Stimmen vom Jordan und Euphrat" eine poetische Bearbeitung airjüdischer Sagen geliefert, an der sein Jugendfreund Moritz Veit teilgenommen hat. Dieses Buch hat ebenfalls eine freundliche Aufnahme gefunden und ist bereits in der dritten Auflage erschienen. Ein .Werk von grosser wissenschaftlicher Bedeutung sind unstreitig seine „Beiträge zur Sprach- und Altertumsforschung" (erster Teil Berlin 1852, zweiter Teil Berlin 1834;. Wie selten einer, beherrschte Sachs das Kulturleben der semitischen und der klassischen .Welt, und m diesen strengwissenschaftiiehen Forschungen stellt er sich die Aufgabe, die unzähligen Fäden /wischen diesen beiden verschiedenartigen .Welten, /wischen Ost und West, aufzuspüren und klarzulegen." Die furchtbare Feuersbrunst in Stambul, die am 23. August 1. J. gewütet und ein ganzes Viertel im Zentrum der Stadt in Asche gelegi hat, hat die zum grössten 'Peil m u s e 1 m a n i s c h e Bevölkerung aufs schwerste betroffen. In dankbarer Erinnerung an die tatkräftige Hilfe, die die türkischen Behörden den Juden bei der grossen BTandkatastroplK' in K >nstantmopel-Haskieu erwiesen, hat der Piiltsverein der deutschen Juden 2500 Frcs. für die Opfer des Brandunglücks in Stambul telegraphisch angewiesen. Warum ist Moses der grösste Mann? In einer amerikanischen Sabbat-Schule passierte jüngst folgende ergötzliche Geschichte. Die Lehrerin fragt die Kinder: „Wer war der grösste Mann?" „Moses", kam es im Chorus zur Antwort. „Warum denn Moses?" — fragt die Lehrerin weiter. Darauf gar keine Antwort. Nur einer der kleinsten erhebt bittend seine Hand. „Ich weiss es'", rief er aus. „Also warum?" „Weil er alle zehn Gebute auf einmal gebrochen hat", platzte der Kleine inumphierend heraus. ber Humorist Moritz Gutiiieo Saphir. Am 5. September sind 50 Jahre vergangen, seit Moritz Göttlieb Saphir, der zu seinen Lebzeiten in allen Kreisen gleich beliebte Humorist und Satiriker, dahingegangen ist, und unsere schnellebige Zeit weiss kaum noch etwas von ihm, der die Laohmuskeln seiner Zeitgenossen in dauernde Tätigkeit zu halten wusste. Saphir, der am 8. Februar 1795 zu Lovas-Bereny in Ungarn geboren wurde, studierte in Prag jüdische Theologie, wandte sich dann aber bald ganz literarischer Tätigkeit zu. In den Jabren 1822 bis 1829 war er als Herausgeber verschiedener Zeitungen in Wien, Berlin und München tätig, ging 1830 nach Paris und wirkte von 1832 bis 1834 als Hofintendanzrat in München. 1837 begann er mit der Herausgabe der Zeitschrift: „Der Humorist", die er bis zu seinem

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