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Neue Nationalzeitung · 1908-09-11 · Heft 36 (11.9.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. von wütenden Zionisten gemacht wurden, diesen grossen Plan für die Rettung der Juden durch Entstellung zu schädigen und zu hindern. Die Wahrheit über Galveston. Wenn Sie die volle Wahrheit über die (Iaheston-Bewegung wissen wollen, so lesen Sie darüber nicht die jüdischen, sondern die amerikanischen Blätter. So enthält z. I>. ein in Chicago und New-York erscheinendes Blatt ,,Wohlfahrtsanstalten und Gemeinden" in der Nummer vom 13. Juni einen Artikel über „Die Galveston-ICinwanderungsbew cgung" von einem Christen, namens H. J. Haskeil, Dieser Artikel gibt genaue statistische Daten über die Resultate unserer Arbeit in einer einzigen, Stadt, Kansas-City, und besonders bemerkenswert an diesen statistischen Daten ist, dass sie gerade die Monate finanzieller Depression betreffen, während welcher die Erwerbsverhältnisse schwierig waren. „Selten" heisst es. ..sind mehr als ein halbes Dutzend Männer gleichzeitig arbeitslos gewesen." Ich lasse hier einige Auszüge aus dieser Arbeit folgen: „Da ist z. 1>. lT. B., Seifensieder, der am i_ Juli 1907 hier ankam. Er arbeitet in einem Packhaus für 9 Dollar wöchentlich. Seit seiner Ankunft hat er 175 Dollar erspart und seine Familie aus Russland nachkommen lassen. N. P,. ein Schneitier, der 10 Dollar pro Woche verdient, hat too Dollar erspart und hofft, bald seine Familie aus Russland kommen lassen zu können. J. Z . ein Arbeiter in einem Schiffstaumagaziti, der wöchentlich 9 Dollar verdient, hat mehr als Joo Dollar nach Russland geschickt. (Ich freue mich, dass es dem Manne, der dieselben Initialen wie ich hat, so gut geht.) M. G , der am ö. August ankam und als Tür- und Fenstermacher 10.50 Dollar pro Woche \er dient, hat um seine älteste Tochter na<"h Kussland geschickt. M. B., ein Eisenarbeiter, ersparte mit 12 Dollar pro Woche 110 Dollar und übernahm jetzt eine kleine I arm. AYie Sie sehen, ist aus dem Eisenarbeiter schon ein Ackerbauer geworden. Habe ich Ihnen nicht gesagt, dass die russischen Juden hungrig nach Erde sind?) „So geht es die ganze Liste fort," sagt tlas amerikanische- Blatt, mit nur 2 entmutigenden Ausnahmen - einem Mann, der an einem Diebstahl beteiligt war und die Stadt vcrliess, und einem anderen, der als unwünschenswertes Gemeindeinitglied und unzuverlässiger Arbeiter bezeichnet wird. Aber 14 der Fanwanderer, die zum grössten Teil für niedere Föhne arbeiten, haben seit ihrer Ankunft in Kansas-City 1205 Dollar erspart. Dei Artikel schliesst mit einer Anekdote, welche ich Ihnen mitteilen will. „Ein Kappenniacher. der in Rußland nur einige Dollars pro Monat verdiente, wenn er Arbeit bekommen konnte, begann in Kansas-City mit 10 Dollar pro Woche \ind wurde bald auf 12 Dollar gesteigert. (Dies dünkte ihm Reichtum und er lebte mit der Freude eines Millionärs, bis er eine Entdeckung machte. F'.r wandte sich in einer Ein« anderungsangelegenheit an den < »beraulseher. „Was gibt es?" fragte ihn der Oberaufseher, „kommen Sie nicht gut vorwärts?" „Ja," lautete die Antwort, ..nur habe ich erfahren, dass Cohen, der kein besserer Kappenniacher ist als ich, iS Dollar bekommt. Wann werde ich 18 Dollar pro Woche erhalten?" Solange unsere Auswanderer keine ernsteren Gründe haben, sich zu beklagen, als solche, können wir mit unserem Erfolg wohl zufrieden sein. Regulierungsproblem der Gesamtauswanderung. Nachdem die „ho" das Regulierungsdepartemcnt tür Auswanderungen gegründet hat, hat sich überall ein fieberhaftes Bestreben nach Regulierung der Fanwanderungen geltend gemacht, fede erfolgreiche Idee findet Nachahmung und sogar Zionistenführer haben es nicht verschmäht, sich an der Gründung von Auswanderungsregulierungsgcsellschaften zu beteiligen, und zwar um die Auswanderer nach jenen Gegenden zu dirigieren, obwohl die Zionisten behaupten, dass die Kolonisation der Juden daselbst antinational und verwerflich sei. Unglücklicherweise vergessen alle diese wohlmeinenden Nachahmer auf die grosse und traurige Tatsache, die ich schon hervorgehoben habe, dass gegenwärtig kein Land existiert, wohin man eine Auswanderung dirigieren kann. Amerika, Kanada, Argentinien. Australien sind heute in Wahrheit der grossen Masse von Auswanderern unzugänglich. Immigranten ziehen zwar noch immer nach diesen Ländern, aber auf ihre eigene Gefahr. Sie können die \rerantwortung auf keine Gesellschaft wälzen. Aber selbst wenn alle diese Gegenden der Einwanderung günstig wären und sich eine Gesellschaft fände, die willens wäre, die unberechenbaren Kosten und Gefahren der Förderung der Aus Wanderung nach denselben auf sich zu nehmen, so wäre das keine Regelung, sondern eine Unterstützung der Auswanderung. F2s hiesse einfach den Leuten beistehen, dorthin zu ziehen, wohin sie schon ohne Beistand ziehen. Es sei ferne von mir, sowohl Itoisten als Zionisten von einem Versuch abzuhalten, tlie Leiden der armen Auswanderer sowohl am Ausgangspunkt als auf der Reise und an ihrem Bestimmungsort zu mildem; tatsächlich ist unsere russische Föderation bestrebt, Ordnung und System in das gegenwärtige Chaos zu bringen und für die jüdische Auswanderung dasselbe zu tun. was die Heilsarmee für die Christen tut. und ich beabsichtige, mich im kommenden Herbst selbst nach Amerika zu begeben, um mich über die Möglichkeiten einer systemisierten Arbeit an Ort und Stelle zu informieren. Eine allgemeine Regelung von Auswanderungen ist in Wahrheit ein Widerspruch der Ideen. Regelung umfasst eine politische Idee und den Begriff der Leitung. Die Galveston-Idee ist eine wahrhaft regulative Idee. Die politische Seite der Galveston Idee. Sie stützt sicli auf die Tatsache, dass schon beinahe 2 Millionen Juden nach den Vereinigten Staaten ausgewandert und daher fähig sind, den Neuankommenden bei der Niederlassung behilflich zu sein, während diese durch ihre jMilitischen Rechte tlie Stellung der bereits ansässig gewordenen verstärken; der einzige Nachteil dieser providentiellen Lage besteht in der Armut und Ueberfüllung der östlichen Städte, infolge welcher einem zu starken Zufluss von Juden Fanhalt getan werden könnte. Die Befürchtung, dass die östlichen Häfen den jüdischen Emigranten ganz \ erschlossen werden könnten, veranlasst uns zu der Ansicht, dass Galveston und der Westen sich für die Fanwanderung besser eignen als New-Vork und der Osten, sowohl ini Interesse des Volkes selbst, als der Kosten. Die Tatsache, dass selbst während der schlimmsten Zeit, die Amerika seit \ i. len Jahren gekannt, so wenige unserer Auswanderer arbeitslos waren, beweist die Richtigkeit der ,,Ito"- Ansicht. Es bedeutet nichts, dass vorderhand nur ein kleiner Feil der Auswanderer den Weg nach Galveston nimmt - ein nach Galveston dirigierter Jude ist für die jüdische Zukunft von grösserem Wert als hundert nach New-York oder Montreal geleitete. Jeder einzelne dieser Juden wird zu einem Attraktionszentruni für andere fuden und ich bin überzeugt, dass jeder ,,Ito"-Aiiswändert r, dem es in Westamerika gut geht, ebens 1 bereit sein wird, jenen, die ihm nachfolgen, zu helfen, als er bereit war, die Hilfe derer anzunehmen, tlie ihm vorangegangen waren. Darum werden wir nicht mehr als 20—30.000 Auswanderern fortzuhelfen brauchen. Die Emigration nach Kanada, Argentinien und Australien. Eau ahnlicher Plan wie unserer, aber auf Kanada an gewendet, wurde von Herin d'Avigdor Goldsmid in Vorschlag gebracht, weither hervorhebt, dass von den 45.000 gegenwärtig in K a n a d a befindlichen Juden 25.000 oder mehr als die Hälfte in der kleinen Stadt Montreal zusammengepfercht sind. Unglücklicherweise ist die Regelung der Auswanderung eine tatsächliche Arbeit, die sich nicht durch Reden, gute Wünsche oder selbst Arbeit in den Auszugsländern, abtun lässt; sie verlangt in den Einwanderungsgebieten Empfangskomitees von tüchtigen, aufopfernden, über grosse Mittel verfügende fuden. Die Schwierigkeit in Kanada besteht darin, dass es dort sehr wenige Juden gibt, welche fähig wären, den Ankommenden die ersten Wege zu ebnen, während die der „Ito" angehörenden Juden in Amerika imstande sind, den Einwanderern in Galveston die Wege zu ebnen. FLs gibt auch keine Hafen im Süden, au welchen man landen könnte, ohne Montreal zu passieren. Wenn man die Auswanderer nicht durch New-York ziehen lässt. so geschieht es, um zu vermeiden, tlass sie sich dort niederlassen und eine Ueberfüllung hervorrufen, aber jene Auswanderer, welche nach Kanada ziehen, sind gezwungen, Montreal zu passieren, und sind sie einmal in Montreal, so bleiben sie auch meistens dort, Kanada eignet sich daher nicht besonders für die Regelung der Auswanderung. Noch grösser sind die Schwierigkeiten in Argentinien. Unser unermüdlicher Ehrensekretär, Herr Clement J. Salonion. hat Nachforschungen darüber angestellt, inwieweit es möglich wäre den ICinwanderem in Argentinien beizustehen und sie über das Land zu verteilen, und gefunden, dass in Buenos-Ayres nicht genug wohlhabende, ehrliche und iahige Juden sind, um die Ankommenden in Emiifang zu nehmen. Glauben Sie nicht, dass wir die Juden von Buenos-Ayres verleumden; sie selbst bestätigen die obige Aussage. Und das sind die guten Juden von Buenos-Ayres'. die schlechten aber sind über alle Beschreibung erniedrigt. Eine bessere Klasse von Juden lebt in Australien! und wir haben uns mit einigen von ihnen in Verbindung gesetzt, aber gefunden, dass sie höchstens wenige Ackerbauer zu unterstützen und zu fördern geneigt wären, da die Arbeitspartei so stark ist in Australien, dass die Einwanderung grosserer Massen jüdischer Handwerker in australische Städte auf lebhaften Widerstand stossen würde. Sie sehen daraus, dass nur Amerika sich für eine geregelte Einwanderung eignet und nur die Vereinigten Staaten alle erforderlichen Vorbedingungen aufweisen.

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