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Neue Nationalzeitung · 1908-09-04 · Heft 35 (4.9.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3o. Kenner der deutschen Literatur mehr Kenntnis der jüdisch-deutschen, als der finnischen Sprache voraussetzen zu dürfen glaubte. Gleichwohl aber habe man zunächst Herrn lirandes ''nansch angesprochen und erst, als er nicht versta.id, habe der Sprecher sich des Jüdisch-deutschen als des zur Verständigung geeignetsten Idioms bedient. Ein Gesuch IVieyer Amsche! Rothschilds. Der Stammvater der fcotnschikls, hin unter dem 2. April 1805 das nachstehende, den .Wandel der Zeiten widerspiegelnde Gesuch an den Kurfürsten von liesseil gerichtet: „durchlauchtigster Kurfürst Gnädigster Kurfürst und Herr! tiw. Kurfürstliche durchlauclu haben aliergnädigst geruht, mir gegen Erlegung von. 100 Thlr. cue Befreiung vom Xaclngelde und gegen Bezahlung von 400 Tlur. die Aufnahme eines meiner Söhne ouer micii selbst in den bcliutz zu bewilligen. Ich soll nun erklären, auf wohin der schutzbriei aus gefertigt werden soll, dickes setzt mich in grosse Verlegenheit da* Mein Sohn, welchen ich den Schutz zugedacht haben, sich mit einem von meine Sonne, welcher längst in London wohnhalt ist, 111 Kompanie mit demselben in London geschaffen zu machen willens ist. Ich bin daher entscniossen tur nnen den Schutz zu nehmen, wenn mir aliergnädigst verstaltet wird, mir so Viel datür jährlich zu erlegen, als andern auswärts wohnenden Juden, welche nier den Schutz unterhalten, bezahlen, ich hoffe u.ni.vo eher eine gnädige Erhörung dieser unterthanigste Bitte, da ich hier nur geschaffte mache, welche ich hauptsächlich von einem auswärtigen Orte eben b > gut machen kann, da ich nun schon aber 40 Jahre aen Charakter als Hof Factor gehabt Ew. Kurlürsilichc Durchlaucht Schon in meine Jugend deren Huldreiche Gnade mir angedeihen gelasst, so hoffe auch jetzt) gnädigste Bewilligung ich 'verharre in tiefsier Respekt Ew. Kurfürstliche Durchlaucht Meinen gnädigsten Kurfürst und Herren untertänigster Knecht Aleyer Amschel Rothschild.'* Also, der Vater der Rothschilds, die in den Reichsfreiherrnstand erhoben wurden, muss demütig wegen des Schutzprivilegs (die Juden waren 1. J. 1805 überall in Deutschland nur geduldet, mussten bis 1803 den „Leibzoll" bezahlen und erhielten erst in der Zeit 1808—1813 das Bürgerrecht) den Kurfürsten anflehen, als dessen „Hoffactor" er gegen Erlegung von 100 Talern „vum Nachtgeld befreit" wurde! Die Juden in der Schweiz. Das statistische ßureau des eidg. Departements des Innern veröffentlicht in ausführlicher wissenschaftlicher Behandlung" sämtliche' Ergebnisse der letzten Volkszählung. l"ns interessiert vor allem die. Angabe über Zahl und Bewegung der jüdischen Bevölkerung, die w ir nach den offiziellen Angaben reproduzieren: Im Jahre 1850 gab es in der Schweiz 3145 Juden, diese Zahl vermehrte sich 1800 auf 4216, 1870 auf 6996, 18S0 aut 737.1, 1890 auf 8009, I'/k> auf 12.264 und. dürfte bei der nächsten Zählung auch wieder bedeutend zunehmen. Im Vergleiche zu der übrigen Einwohnerschaft ist, in Prozenten angegeben, das Verhältnis der Juden, und Christen vom Jahre 1850 und 1900 so geworden, dass 1830 von tausend Einwohnern zwei Juden waren und 1900 deren v i e r. Vom Jahre lHSÜ bis zum fahre 1900 haben die Juden in der Schweiz um 4195 zugenommen. Ihre numerische Stärke ist fast in allen Kantonen gestiegen. Von den Kantonen mit gegenteiliger Erscheinung fällt besonders der Aargau auf, wo zwei eigene jüdische Burgergemeinden Neu- Lengnau und Neu-Endingcn) bestehen. Im Bezirke Z u r z a c h, zu welchem diese jüdischen Bürgerkorporationen gehören, betrug die Zahl der Juden im Jahre 1850 noch 1515: im Jahre 1900 bloss noch 589. Dieser Rückgang ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass, nachdem die ihrer freien Niederlassung in den übrigen Teilen des Kantons Aargau entgegenstehenden, Schranken im Jahre 1S62/63 und in den" übrigen Kantonen der Schwei/, im Jahre (800 gelallen waren, die jüdischen Einwohner \on. Ober-Endingen und Lengnau sich städtischen Ortschaften -. Baden, Zürich, Basel) zuwandten. 9259 Juden befanden sich am 1. Dezember 1900 111 den 19 grösseren Städten, also genau drei Viertel der Gesamtzahl. Der ausserordentliche Zuwachs während der jüngsten Zählperiode dürfte zu einem beträchtlichen 'Teil mit der Erequenz der schweizerischen L'niv ersitäten durch Russen im Zusammenhang stehen. Von den in der Schweiz wohnenden 12.2^4 jüdischen Seelen sind 497- Schweizerbürger und 7292 Ausländer bei der Volkszählung im Jahre 1900 gewesen. In der Stadt Zürich wohnten damals 1006 Schweizerbürger und 18O7 Ausländer, unter den Juden waren als.» viel mehr Ausländer als Einheimische, und zwar kommen auf 1000 Einwohner, die. Schweizerbürger waren, nur drei jüdische Bürger und auf 1000 f remdi ausländische Juden. Es wohn ten jüdische Seelen im Jahre 1900 t um Kanton Bern 4,0 Inländer und 1073 Ausländer „ „ Luzern lld „ „ 147 „ „ „ Baseistactt 8ä9 „ „ 10d8 „ „ „ St. ballen k82 „ „ U74 „ „ Aarsau 7ö4 „ „ 2dt> „ „ „ Thu.gau 18 „ „ 96 „ Waaut 31o „ „703 „ „ „ Neuenbürg 4ib „ „ i>72 „ n » (ienf „ „ 850 „ Keine jüdische Be\ölk ■; ung gibt es in Ob- und Nidwaiden und Innerrhoilen. Der .im meisten von Juden bewohnte Kanton ist der Kant «n Zün> Ii. der geringst bevölkerte jst der Kanton L'n, wo ein Jude ,d> Auslander verzeichnet ist. In einer Rubrik ..Das gegenseitige Konfessionsverhältnis der Ehegatten'" wird sodann statistisch nachgewiesen, dass unter lou Juden 32 verheirat-i waieii, ungefähr das gleiche Verhältnis wie bei den Protestanten gegen 30 l>ei den Katholiken. Die Eh 11 unter den Angehörigen der gleichen Konfession bilden ziemlieh die Regel. Ii.ich giot es auch bei den Juden einige Ausnahmen: Es waren in 1^14 Ehen Mann und I'rau israelitisch; 11148 Ehen der .Mann israelitisch, die Frau protestantisch und in 31 Ehen d •:' Mann israelitisch und die J-'rau katholisch. Auf je 100 Ehepaare k mimen bei den Juden in der Schweiz drei ■" e I! 1 i s c h l e E h e 11. JNüTIZEN. Ausserordentliche StaatsJotterie. Im Auftrage des Kaiseis veranstaltet die k. k. Louogctäiisdirektion eine ausserordentliche JuDiläunislottene, deren Reinertrag lur Wohltätigkeits- /.v.eeke der k. k. Landwehr und Gendarmerie bestimmt ist. Die Ziehung ist!ur den 22. <Huooer d. J# anoeraumt. Em diesem eOeiiso patriotischen ais wohltätigen l nternehmen eine möglichst leuhaite I eiinahme zu siu.crn, wurde der Spielplan dieser ausser exl. ntlieiieii Staatslotierie ganz b e s o n d e r s günstig gestahet, indem 17.984 Gewinnt .• in barem Gelde im Gesamtbeträge von 5i3.7'>o Klonen mit einem Haupttreffer von 200000 Kronen ausgesetzt wurden. Ein Los kostet wie bisher 4 Kronen. Es stein zu hoffen, tlass die Juoiläumslotterie im Sinne der so edlen Intentionen d s Monarchen in allen Kreisen der Bevölkerung den lebhaftesten Anklang finden wird. * Frumkins Kalender aus Jerusalem für d.is Jahr 1908/9 ist bei Herrn M. \V e i s s m a n n, hebr. Schiiftsteller in Wien, Ii.. Kieme Schiügasse 17, erhältlich. mit Rücksicht auf den aktuellen Stoff kann die Ver, öffentlithung der Fortsetzung der Rede Israel Zangwllls nnd dar „Golas-Visionen" von fflorris Rosenfeld erst in der nächsten Nummer erfolgen. In den nächsten Nummer veröffentlichen wir einen Artikel: Die Massentaufen jüdischer Findelkinder in Chrzanöw bei Krakau.

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