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Neue Nationalzeitung · 1908-09-04 · Heft 35 (4.9.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 35. nicht gegen den Zionismus als solchen, sondern kenn zeichnet in seiner Kritik lediglich unliebsam." Erscheinungen und gewisse Persönlichkeiten innerhalb der Wiener Bewegung. Auf die unzähligen, unsachlichen, ungerechten und oft geradezu gehässigen Angriffe einzelner zionistischer Organe gegen die A. I. I\ und ihr Kulturwerk haben wir seither in „Ost und West" niemals reagiert. Wird einmal die Antwort unabweisbar werden, so werden wir sie mit offenem Visier geben und ohne Scheu und Furcht erklären, was wir zu bekunden haben. Das Präsidium der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der Alliance Israelitc Universelle L. M. Gold b c r g e r. Philipp Schi f f. Die Pässe nach Russland. Berlin. In den letzten Wochen gingen mehrfach Xotizcn durch die Presse, in denen von einer Aenderung des gegenwärtigen unwürdigen Zustandes die Rede war, der nicht-russische Juden zwingt, sich bei Reisen nach Russland allerlei Ausnahme- Bestimmungen zu unterwerfen, durch welche die russische Regierung sogar diejenigen Juden zu schikanieren sucht, die nicht ihrer weisen Obhut uni erstehen. Für einen Juden, der nicht Inhaber einer gerichtlich eingetragenen Firma oder Beauftragter einer solchen ist. gibt es überhaupt keine Möglichkeit, nach Russland zu reisen, da das russische Ministerium, an das die entspr.dienden Gesuche zu richten sind, deren Erledigung meist unglaublich lange verzögert — telegraphische Requisitionen bedeuten nur unnütze Geld\ersc/iwcrulung. Infolgedessen, und da auch die Kosten im anderen Falle sehr hoch sind, wird Russland fast nur van jüdischen Handlungsreisenden besucht, und mancher Jude, der es sich nie hätte träumen lassen, wird, wenn er nach Russland reisen muss, plötzlich über Xacht zum ..Ilandlungsreisenden". Denn die Erlangung der (Mitsprechenden Vollmacht einer deutsc hen Firma vollzieht sich erheblich einfacher, schneller und billiger als die einer Erlaubnis des russischen Ministeriums des Innern. Vielfach war es nun so dargestellt Warden, als wäre die neue Verfügung der bayerischen Regierung, künftig in den Pässen die Angabe der Religion wegzulassen, ein grosser Fortschritt für die Russlandreisenden. Das ist aber durchaus nicht der Fall, denn obwohl in Preusscn bereits seit mehr als zehn Jahren die Angabe der Religion in den Reisepässen unterbleibt, so sind die jüdischen Reisenden aus Preussen ebenso der rassischen Willkür unterworfen wie alle anderen. Die russischen Konsulate verlangen nämlich von jedem Reisenden, der das Visum für seinen Pass beansprucht, die V o r- 1 e g u n g des T aufs c h c i u e s. Wer einen solchen nicht vorlegen kann, wird als ..Jude X. Y." registriert und einsprechend behandelt. Ja, die preussische Polizei legt den für Reisen nach Russland verlangten Pässen sogar einen gedruckten Führer durch das Wirrsal der russischen Baubestimmungen bei, der nebeneinander die entspi eehenden Reglements ,.A. für Reisende christlicher R-aigion" und ,.B. für Reisende mosaischen Glaubens" enthält. Ob in dieser Beigabe ein Entgegenkommen, an das Publikum oder an die russischen Beiiöi den zu finden ist. soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls aber ist es für einen modernen Rechtsstaat schmachvoll, sich eine differenticllc Behandlung der eigenen gleichberechtigten Staatsbürger seitens einer fremden Macht gefallen zu lassen. Und wenn es sich um irgend einen anderen noch so minimalen Eingriff eines Staates fünfter oder sechster Ordnung in die Rechtsphäre Preusscns oder des Deutschen Reiches handelte, so würde man sicher nicht verabsäumen, recht hörbar mit dem Säbel zu rasseln. $US ftllSN *:.;:iil:S Die Austritte aus der Wiener Kultusgemeinde im laufenden Jahre haben ata. 1. September I. J. die Zahl von 400 bereits überschritten. Gegenüber dem gleichen Zeiträume des vorigen Jahres ist die Zahl der Austritte um zirka 25 gestiegen. Erleichterung im russischen Auswanderungsverkehr. Wie dem Deutschen Bureau der Alliance Israelitc Universelle in Berlin mitgeteilt wird, fand am 2.S. August im Minist e r i u m des I n n e r n eine Konferenz der beteiligten preussischen Behörden und Vertreter der deutschen Schiffahrtsgesellschäften statt, die sich mit der Abänderung der Bestimmungen für den Durchzug russischer Auswanderer dun h Deutschland beschäftigte. Es ist beschlossen worden, eine neue Betriebsordnung für die Aus wanderer-Ivontrollstationen längs der preussisch-russisehen Grenze zu erlassen, die wesentliche Erleichterungen für die .Auswanderer bringt. .Unter -anderem soll die zwangsweise Abschliessung der Auswanderer in den Kontrollstationen fortfallen. Damit werden Härten beseitigt, über die die russischem Auswanderer bisher geklagt haben. , Georg Brandes und die finnischen Juden. Mit Bezug auf den Artikel ,,Di" Juden in Finnland" von G. Brandes, den wir jüngst veröffentlichten, wird aus Petersburg geschrieben: Der bekannte dänische Literarhistoriker Georg Brandes liebt es nicht, wenn man ihn an sein Judentum erinnert. Das hat er kürzlich in komisch naiver Weise in einem Aufsatz dargetan, in welchem er sich gegen den Vorwurf verteidigte, der ihm Von jüdischer Seite gemacht worden war, dass er nach Finnland gegangen sei, wo die Juden bekanntlich der primitivsten Rechte beraub' sind, und dass er es nicht versucht habe, seinen Namen und seinen Einfluss für die Verbesserung der unwürdigen Lage dor finnischen luden geltend zu machen. Herr Brandes lamentierte, er könne doch nicht gegen die Finnländer, die ihn so gastlich und liebenswürdig aufgenommen hätten, sich feindlich äussern. Weiter gab Herr Brandes den finnischen Juden den Rat, erst die finnische Sprache zu erlernen, und er behauptete, zu diesem Rat gezwungen zu sein, denn die Deputation der finnischen Juden, die zu ihm gekommen äre, habe nicht einmal finnisch gesprochen und habe ihm in jüdischer Sprache gedruckte Visit enkarten übersandt. Mit diesem Rat hat sich nun Herr Brandes eine Blamage zugezogen, die ihm jeder herzlich gönnen •wird, der den hochmütigen Ton seines Artikels ohnedies unangenehm empfunden hat. Der Sprecher jener Deputation, ein Herr Jacobsohn, erklärt nämlich jetzt, dass er R e d a k t c u r e i n e r f i n n i s c h c n Zeitung sei, und dass zwei Mitglieder der Deputation eine finnische Universität absolviert hätten. Jüdische Visitkarten habe man Herrn Brandes deshalb übersandt, weil man bei ihm als Juden und

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