Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 35 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung' Tst es nicht vielmehr ihre Pflicht, die Macht des Polenklubs endlich zu brechen? Wenn ein P o 1 e, wie der radikale Abgeordneter Breiter, für den Ruthenen öffentlich Stellung nimmt, sot sollten und könnten es die Juden umsomehr tun. Der einzige Grund, den die zionistische Parteileitung anführen könnte, wäre: Nicht reizen. Dann aber unterscheidet man sich nicht mehr viel von der Assimilanten-Politik. Würde es sich um einen jüdischen oder polnischen Sozialisten handeln, dann könnte man nach den bisherigen Erfahrungen im Zweifel sein, aber wenn es sich um einen Ruthenen, um einen Vertreter Irler national unterdrückten Minorität handelt, dann darf es wohl für einen Juden keinen Zweifel mehr geben, dass er ihn unterstützen muss. Die Wahl vom 7. September 1. J. hat eine grosse politische Bedeutung. Der Sieg eines dritten, eines ruthenischen Sozialdemokraten in der pol - nischen Landeshauptstadt wäre für den Polenklub ein sehr schwerer Schlag. Professor H. Krasnopolski. Prag, Ende August. Am 29. d. M. ist der Professor des österreichischen Zivilrechtes an der hiesigen Universität, llofrat Horaz Krasnopolski, infolge riner Operation in Gmunden verschieden. Der Verstorbene war am 8. November 1842 als Sohn des Kaufmannes Moritz Krasnopolski zu Pistin in Galizien geboren, widmete sich an der Prager Universität den juridischen Studien, legte alle Rigorosen einstimmig mit Auszeichnung ab und disputierte öffentlich im grossen Carolinumsaale am 21. Juli 1868, wobei er folgende Thesen verteidigte: ,,Die Einführung der Jury ist nur bei lebendigem Rechtsbewusstsein und gesicherten öffentlichen Rechtsverhältnissen zu empfehlen." — „Lassalles Forderung der Staatdiilfe führt konsequent zum Kommunismus." — ,,Eine einmalige allgemeine Vermögenssteuer ist unter Umständen das passendste und am wenigsten drückende Mittel zur Herstellung' des Gleichgewichtes in den Finanzen." —• ,,Staatsbahnen verdienen vor Privatbahnen den Vorzug." - - ,,Ein hoher Wechselkurs ist nicht immer eine Kalamität für das ganze davon betroffene Land." — ,,Es ist eine Schattenseite der modernen Arbeitsverhältnisse, dass das sogenannte organische Verhältnis zwischen Arbeitsgebern und Arbeitsnehmern aufgehört hat." — „Kint; allgemeine Ermässigung der Güter- und Personentarife könnte für die Oekonomie jedes Volkes gar nicht hoch genug angeschlagen werden." ,,Dje bisherige Art der Zjnsgarantie in Oesterreji h wirkte ökonomisch und finanziell sehr nachteilig." Einige Tage darauf, am 27. Juli tXGS, wurde er zum Doktor sämtlicher Rechte promoviert, wobei Prof. Jonak als Promotor fungierte. Anfangs widmete sich Dr. Krasnopolski der Advokat /npraxis; er wandte sich aber alsbald dem Lehrberufe zu, habilitierte sich 1872 als Privatdozent an der Prager Universität und wurde am 17. Februar 1876 ausserordentlicher Professor. Seither wirkte er ununterbrochen an der Prager Universität, an der er zu den angesehensten Lehrern zählte und um deren Ausgestaltung er sich grosse Verdienste erwarb. Mit Hering, Mach und dem seither verstorbenen Knoll hat er seinerzeit die geplante Utraquisierung, das heisst Tschechisierung der Prager Hochschule energisch bekämpft und, als der Status quo nicht länger aufrecht erhalten werden konnte, die Teilung derselben in eine deutsche und eine tschechische befürwortet. Krasnopolski war in jeder Hinsicht mit der Prager Universität auf das innigste verknüpft. Wiederholt erhielt er Berufungen an auswärtige Hochschulen, er blieb aber der Prager treu. Wiederholt wurde Prof. Krasnopolski zu akademischen Würden berufen. So fungierte er in den Jahren 1884, 1892 und 1897 als Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät; er war auch Präses der rechtshistorischen und Mitglied der judiziellen Staatsprüfungskommission. Mitglied der Gesellschaft zur Förderung deutscher Kunst, Wissenschaft und Literatur in Böhmen etc. Vom Kaiser wurde er ausser mit dem Hofratstitel auch durch die Verleihung des Komturkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Das Leichenbegängnis fand am }f. August vom jüdischen Friedhofe in Straschnitz aus statt. Es erschienen die Spitzen der Justiz- und Verwaltungsbehörden, der Kultusvorstand und die Vorstände jüdischer Vereine, denen der Verstorbene angehört hat. Nach Exekutierung der Trauerpsalmen durch den Tempel- 1 hör unter Leitung des Musikdirektors Dr. Ruhen hielt zunächst der Prediger der Tcmpelgemeindc Rabbiner Dr. Schwarzdem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, ii> welchem er die Arbeitskraft und die Geistesgaben Hofrat Krasnopolskis hervorhob, welche diesen zur Zierde seiner Glaubensgenossen gemacht haben. Dann sprachen Rektor Sauer» mehrere Universitäts-Professoren und am offenen Grabe der Präsident unserer Kultusgemeinde, Dr. R o s e n b a c h e r. Deutsches Reich. Die Erklärung der Allianz. 3erlin. Ende August. (Orig.Korr.) Wie ich Ihnen bereits vor mehreren Wochen anzukündigen in der Lage war, veröffentlicht die soeben erschienene Nummer von ,,Ost und West" nachstehende Er - klärung: Im Heft 6 und 7 von „Ost und West" (Juni- und Juli-Nummer) hat B. Samuel die jüngst erschienene vSchrift des Bureaus für Statistik der Juden in Berlin über die Juden in Oesterreich einer Kritik unterzogen. Zionistische Zeitungen und einzelne zionistische Anhänger haben in heftigen Einreden den zweiten Teil der Besprechung als einen gehässigen und tendenziösen Angriff auf den Zionismus und seine Führer aufgefasst und uns damit unterstellt, als ob die in Rede stehenden Ausführungen unsere Ausführungen seien, als ob die an^ geblich antizionistische Tendenz unsere Tendenz sei. Hier liegen schwere und kaum begreifliche Missverständnisse vor. Zunächst ist es irrig und auch gar nicht möglich, dass wir für jedes Wort, das in dieser Monatschrift ausserhalb der offiziellen ,,Mitteilungen aus dem Deutsrhen Bureau" gesagt wird, die Verantwortung tragen. Derartiges kann uns sinnigerweise von niemandem zugemutet werden. Sodann und .namentlich müssen wir es als eine Achtungsverletzung zurückweisen, wenn angedeutet wird, wir hätten uns hinter einen Dritten versteckt, um im Hinterhalt und ohne unsere direkte Verantwortung den Zionismus blosszustellen. Wer solcher Auffassung -zugänglich ist, hat den Wirklichkeitsmasstab verloren. Wir haben als eine die Gesamtheit des judentums umfassende Organisation Verständnis und Würdigung für jede Bewegung innerhalb des Judentums ohne dass dies mit unbedingter Billigung identisch wäre. So hat die Schriftleitimg von ..Ost und West" von Anbeginn auch dem Zionismus mit Bereitschaft Raum gewidmet. Es sei nur erinnert an den Aufsatz des Herrn Hermann Struck in Nr. 1 des vorigen Jahrgangs über die zionistische Bezalelstiftung — an die Wiedergabe der Porträts der Präsidenten des zionistischen Aktions-Komitees in Heft 8 o des vorigen Jahrgangs — an die in den Heften Nr. 12 des Jahrgangs 1907 und Nr. 1 des Jahrgangs 1908 veröffent'ichten Artikel, in denen der vom Zionismus propagandierten jüdischen Kunstausstellung förderndes Wohlwollen entgegengebracht wurde. Auf der anderen Seite darf die Schriftleitung gutachtliche Erörterungen nicht zurückstellen, lediglich weil diese bei einigen m perscnsiblen Zionisten Anstoss erregen könnten. Zudem bestreiten wir, dass der betreffen.de Aufsatz tendenziös antizionisi isch ist. Der Verfasser, der in allen seinen Arbeiten den tiefen Zusammenhang der Dinge und Menschen in unserer Glaubensgemeinschaft erkannt hat und infolgedessen als ein unbefangener und urteilsfähiger .Mann gelten darf, kämpft