Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1908-09-04 · Heft 35 (4.9.1908) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425679-2425722-2425757--0992-2427317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6. „Neue National-Zeitung" Nr. 35. statt, der von der Wiener., Jüdischen Kultur", welche die Vorarbeiten zur Konferenz geleistet haben, veranstaltet wird. Die Konferenz selbst wird erst Donnerstag beendet sein. Die. Vormittagssitzung \om ^i. wurde mit der Diskussion über das Referat von Schalom Asch ausgefüllt. Asch empfahl die I 'ebertragung der Bibel ins Jüdische. Die endlose Debatte ergal) niclits Wesentliches. Die einen wollten von hebräischer Kultur überhaupt ni( hts wissen. d;e Anderen die alten Geistesschütze in jüdischer Sprache der neuen Generation vermittelt sehen. Ecbv r die /u fassende Resolution herrscht noch Uneinigkeit. Eine Kommission wird erst dieselbe fertigstellen und -elbe dem Plenum vorlegen. Es herrscht in der Versammlung überhaupt ein Geist der Intoleranz, der sieh mitunter sehr unangenehm fühlbar macht. Die Teilnehmer, die den russischen Jargon sprechen, nehmen es als selbstverständlich hin. da-s man sie •.•erstellen muss. Sebald aber ein Gaiiziaeer spricht, rufen Einzelne unausgesetzt: Jiddisch. Jiddisch! S:> wurde ein Redner aus Buc/acz, der sehr sachlich für die hebräischen Kulturwcrte in dem in GaUzien und Bu kowina gesprochenen Jiddisch eintrat, «öfters unterbrochen. Nachmittag wird die Konferenz fortgesetzt. Morris Rosenfeld hat nach einer eben eingetroffenen Meldung für morgen, Dienstag, den r. September, seine Ankunft angekündigt. Guter den zahlreichen Zuhörern, die das Auditorium füllen, befinden sich nur wenige Gzernow itzer. (Weitere Berichte folgen.) ( * Dichterabend. Der vom akademischen Verein ..Jüdische Kultur" veranstaltete Dichterabend, an dem u. a. Morris Rosenfeld eigene Dichtungen zum Vortrage bringen wird, findet voraussichtlich S a m stag. am 5. September im Stadttheater statt. Hierdurch erscheinen alle Gerüchte, als ob Rospnfold abgesagt hätte, aus der Luft gegriffen. ftORReSPCNDeNZeN ©cstcweich-Qttgam. Die Kultuswahlen in Wien. Wien, den 1. September. fOrig. Korr.) Wie wir erfahren, dürften die auf dieses Jahr fallenden Ergänzungswahlen für den Kultusvorstand im November stattfinden und ist Uir dieselben der 15. November 1. J. in Aussicht genommen. Zum ersten Male seit dem Bestand dieses Statuts (aus dem Jahre 1896) wird heuer von dem § 2 der Verordnung Gebrauch, gemacht, wonach die Kultuswähler, die für das laufende Jahr fiC/oS) die Kultussteuer nicht vor den Wahlen bezahlen, ihr Wahlrecht verlieren. Damit sollen, in erster Linie die breiteren Schichten der Wähler, die kleinen Leute, getroffen werden, deren oppositionelle Gesinnung die Herren der Koteric sehr stark fürchten. Aus demselben Grunde wird auch vom Vorstande der Plan erwogen, heuer keine Wählerverzeichnisse zai versenden. Dadurch soll, wie uns ein Gemeinde-Funktionär erklärte, eigentlich den Steuerträgern das einzige genommen werden, was sie bisher für ihre Steuern gehabt haben. Bei allen möglichen Anlässen und für allerlei Funktionen muss das jüdische Gemeinde-Mitglied zahlen : für den Betsitz, für das Beschneiden, für die Trauung, für das Begräbnis usw ., nur das Wimler-Verzeichnis bekam er gratis, als Aequivalcnt für seine Kultussteuer. Das einzige w ird ihm nun auch genommen, weil die Herren vom Vorstand um ihre Bänkel fürchten .... Es gelangen zur Besetzung die Mandate nachstehender Herren: I. Kurie der Höherbesteuerten. ( Für Wähler, die 200 Kronen Kultussteuer oder mehr zahlen.) 1. Dr. Josef Breuer, 2. Dr. Felix K atz au, 3. Hofrat Sicgm. Taussig (wird nicht mehr kandidieren), 4. kais. Rat Jonas Weil. II. Allgemeine Kurie. (Für alle Wähler, die mindestens 20 K Kultussteuer zahlen, resp. freiwillig fo K Steuer erlegen.) 1. Salo G o h n, 2. Prof. S. E h r m a n n, 3. Max F r a n k, 4. Em. G r ü n w a 1 d. 5. Hr. Jakeb K <"> n i g, '<>. Salo Landau (gestorben), 7. I )r. 11 ermann L ö w i, 8. Hofrat Benjamin Rappaport („Kirchenvater"), o. Dr. Adolf S t c i n fdetto), 10. Samuel Steiner. Es wird sich bald Gelegenheit finden, die Qualifike.tion dieser zur Neuwahl gelangenden Herren näher zu beleuchten; MF" gegenwärtig aber können wir alle Gemeinde - Mitglieder nicht genug dringend auffordern, eine etwa rückständige Kultussteuer sofort zu begleichen. Eine Ersatzwahl für den Reichsrat. Lemberg, den 2. September. (Orig.-Korr.) Unter merkwürdigen Verhältnissen findet am 7. d. M. die Eisatzwahl nach dem jüngst verstorbenen „polnisch-demokratischen" Abgeordneten Dr. von Malachowski statt. Es stehen sich nur zwei Kandidaten gegenüber: der p o l n i s c h e Demokrat Prof. K o s z k o w s k i und der ruthenische Soziaide lr.okrat 11 an k i e w i e c7. Die polnisch-bürgerlichen Parteien haben sich alle im Gegensatze zur Hauptwahl auf einen Kandidaten geeignet; die Sozialdemokraten entschlossen sich jetzt, wozu sie bei der Hauptwahl wohl nicht den Mut hatten, in der galizischen Hauptstadt einen Ruthenen als ihren Kandidaten aufzustellen. Ens interessiert in erster Reihe die Frage, wie sich die Juden, die zirka 30 Prozent der Wähler bilden (unter 2900 Wählern 900 Juden) bei dieser Wahl zu verhalten haben. Die jüdisch-nationale Partei hat bisher zu dieser Wahl noch nicht Stellung genommen. Es wurde angenommen, dass die Jüdisch-Nationalen als eine Opposition-Partei, als Freunde der Ruthenen die Parole ausgeben werden, für Hankiewicz zu stimmen. Das war aber ein Irrtum. Das zionistische ..TngblaU" verlaurbart heute, dass die Zionis! en sich der A b s t i m m u n g z u e n t h a 11 e n haben. Auch eine Politik. Zieht man in Betracht, dass -durch diese Abstinenz die Chancen Roszkowskis gebessert werden, so muss man sich fragen: Welches Interesse haben die Jüdisch-Nationalen, den Einfluss des Poleiiklubs zu stärken, resp, zu erhalten?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.