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Neue Nationalzeitung · 1908-09-04 · Heft 35 (4.9.1908) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35. ,Neue National-Zeitung* Seite 5. Sie kennen wernen. Das Haus ist bald total ausverkauft. t ■ Der Stammtischvorleser: Wir sind uns über die Sprachkonferenz, über den Jargon nicht klar. "Wir kennen nicht Ihre grossen Dichter. •. Der Student: Und die Herren wollen Juden sein? Jedes Volk hängt mit inniger; Liebe an seiner Sprache. Sollen wir eine unrühmliche Ausnahme . machen? Kennen Sie die Gedichte eines Morris Rosenfeld? Erschütternd wirken seine Verse. Hören .Sie: Ich fühl keen Kraft, es is vanvendt. Der Eisen fallt mir vun die Händ: Und doch der Trähr,*) der stummer Trähr. Der Trähr. der Trähr kocht mehr im mehr. Jaroslav Vrchlicky hat den Jargon gelernt, um die Poesie eines Morris Rosenfeld kennen zu lernen, und Juden wenden sich davon ab. Aber das entmutigt uns nicht. Eine neue Generation ersteht. Unsere Agitation wird Früchte zeitigen. , Der Assimilant: Dann werden Sie also im Winter die Quadrille schon nach jiddisc hem Arrangement tanzen. Und das Kommando wird beginnen : ..Stellt ach off zürn Verdrehenisch!" Der Student: Lassen Sie sich bei den Bild ipestern anstellen. Der alte Liberale: Nicht streiten. Wir sprachen eben davon, dass die Meinungen auch bei Zionisten Und Nationaljuden geteilt sind, ob der Jargon zu billigen sei. j Der Student: Auch in der jüdischen Studentenschaft gibt es diesbezüglich verschiedene Ansichten. Aber das kann doch uns'nicht hindern, dem einzigen Verständigungsmittel mit vielen unserer Volksge - nossen die nötige Beachtung zu widmen, den hervorragenden Dichtern und Schriftstellern eines grossen Teiles der Juden Verehrung entgegenzubringen. Wir müssen die Entwickelung abwarten. Man muss sich durchringen. Jm jungjüdisrhen Lager gibt es stets verschiedene Meinungen. Aber ein gemeinsames Ziel. Und wir lassen uns überzeugen. Kommen Sie übrigens zu den literarischen Abenden und Sie werden Ihre Meinung ändern. -Auf Wiedersehen! Der Assimilant: Eingelernte Phrasen. Der gute Jude: Der Idealismus ist doch gewiss anerkennenswert. Der alte Liberale: Ja. aber die jungen Herren beginnen in die Politik herabzusteigen und das verdirbt den Charakter. Der Stammtischvorleser: Die Zeit wird lehren, was daran Gutes ist. Nach 10 Jahren, meine Herren, wenn wir noch beisammen sind, .wird das Urteil klarer sein. Da wird Spreu \;>m Weizen gesondert sein. Aber gehen wir zum .literarischen Abend. Ich bin wirklich neugierig. Pas Programm der Sprachigenferonz. Das Programm für die am Sonntag den 30. August 1908, um 10 Uhr vormittags beginnende S p r a ch ko n f e r cn z ist folgendes: 1. Sonntag, vormittags 10 Uhr, feierliche Eröffnung der Konferenz : Dr. Nathan B i r n b a u m, J. L. Perez. Annahme einer Geschäftsordnung. Wahl des Bureaus. 2. Sonntag nachmittags um 4 Uhr Volksversammlung im ..Jüdischen Theater" fSiebcrbürgcrstrasse 20). *) Djc Träne, 3. Abends um halb 9 Uhr literarischer Abend. An den folgenden Tagen werden »am Vormittage die einzelnen Referate zur Verlesung und Diskussion gelangen. An den Nachmittagen werden Organisationsfragen behandelt werden. Referate: Montag, 10 Uhr vormittags 1. LTebertragung jüdischer Kulturgüter in jüdische Sprache. Referent: Schalom A s c h. 2. Regelung der Sprache (Orthographie, Grammatik, fremde und neue Wörter, Schaffung eines Wörterbuches etc.) Referent: Abraham Reisen, S. A i sc n Stadt, Dr. Sottek. Dienstag vormittags: Jüdische Literatur, Theater und Presse. Referenten: J. ,L. Perez, Dr. Ch. S c h i 11 o w s k y, N. P r i 1 u z k i, Abraham Reisen. Dienstag, 9 Uhr abends: Festkommers des Wiener akademischen Vereines ..Jüdische Kultur" im Musikvereinssaale zu Ehren der ersten jüdischen Sprachkonferenz. Mittwoch vormittags: 1. Die jüdische Jugend. Referent Dr. Nathan Birnbaum. 2. Die jüdische Schule. Referent Mordechai Birnbaum. 3. Jüdische Künstler oder jüdische Kunst. Referent Asch. Donnerstag vormittags: 1. Kunst vereine in Russland. Referent Lazar Kahn. 2. Anerkennung der jüdischen Sprache. Referenten Löbl T 1 u b e s, Math. Mieses. An allen Nachmittagen wird über Organisationsfragen beraten. Das einleitende Referat hält Herr Löbl Taubes. * Die \)cFhandhjn§cti. Czernowitz, 3r. August 19öS". Sonntag den 30. v. M. fand im Musikvereinssaale die feierliche Eröffnung der jüdischen Sprachkonferenz statt. Das jüdische National haus, in dem die Konferenz hätte abgehalten werden sollen, ist noch nicht fertiggestellt. Zur Konferenz sind an 50 Teilnehmer aus allen Weltteilen herbeigeströmt. Vorherrschend ist das russische Element: Schriftsteller, Redakteure und Schauspieler. Auch eine Bundistin ist anwesend. Die Eröffnung nimmt der Einberufer Dr. Birnbaum vor. Seine Begrüssungsansprache übt wenig Wirkung-, da er sie liest. Er spricht noch selbst nicht gut Jiddisch'. Nach ihm nimmt J. L. Perez das Wort und begeistert die Konferenzteilnehmer. Er skizziert den Werdegang der jiddischen Sprache. Nach Annahme einer Geschäftsordnung, die Löbl Taubes verliest, wird die Sitzung geschlossen. Am Nachmittag fand unter freiem Himmel im „Jüdischen Theater" eine Volksversammlung statt, die stark besucht war. Zahlreiche Redner ermunterten in derselben zur Pflege der jüdischen Sprache. Von den bedeutenderen Rednern, die zu Worte kamen, seien erwähnt Perez und Dr. Schit- 1 o w s k y. Am Abend fand im Stadttheater ein liter irischer Abend statt, bei dem J. L. Perez, Abr. Reisen. Schalom Asch und Ch. D. Nomberg mitwirkten. Dr. Birnbaum leitete den Abend ein. Montag. 10 LJhr vormittags, beginnen die Verhandlungen. Der erste Redner ist Schalom A s c h (Uebertragung jüdischer Kulturgüter in jüdische Sprache). Morris Rosenfeld ist zur Konferenz noch nicht erschienen. Er wird aber, da für Mittwoch sein Vortragsabend angekündigt ist, noch immer erwartet. Dienstag findet ein Festkommers

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