Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1908-08-28 · Heft 34 (28.8.1908) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 34 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425679-2425722-2425756--0984-2427308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite H. „Auf den Voi ortfeldern des Dorfes Czarny Borek wurde die Leiche eines jungen Mädchens, einer Jüdin, mit Spuren eines gewaltsamen Todes autgefunden. Nach dem .Attentäter wird gefahndet." Der Mensch wurde festgenommen. Es war dies ein Vagabund aus den Vororten. Auf einem wenig besuchten Feldweg so lautete sein Geständnis — begegnete er der Jüdin. Er war betrunken, riss ihr das Tuch vom Kopf und erblickte das Gesicht eines jungen Mädchens. Sie wehrte sich verzweifelt, biss und kratzte ihn. Das Messer zog er nur, um ihr zu drohen; auf welche Weise sie in die Schneide rannte, davon habe er keine Idee. Die Sektion ergab, dass keine Vergew altigung stattgefunden habe... Armes Kind, es gibt keine Brillanten auf Erden, die so viel wert wären, wie deine letzte Träne. ©as letzte Vtf*^*) Von Ch. N. Bialik. < l ebersetzt von Borthold Ie i w e 1. < Trh bin zu euch von Gott geschit kt : Ks sah der Herr, ihr werdet;ilt l nd schwach und siech und füllt uul l':dit I'nd werdet von der Last erstick! -- Da senkte sich des Ewigen Hand. Da ward gesänftigt seine Macht. I >a hat er seines Volks gedacht l'nd mich hat er zu euch gesandt. I'nd .sprach zu mir: „Zu schwer, zu schwer Ist schon ( is Joch! Ich will nicht mehr. So gürte dich, mein Sohn, und geh! I'nd eine Trane, schwer und heiss. Entreissc ihrem Aug' und reiss' Aus ihrer Brust ein letztes: ,,Weh!" I'nd glühend soll die Träne sein. I'nd also gell' ihr Weheschrei'n. Dass jäh der Erdengrund erzittert l'nd alles Hose von sich splittert!" Also erging des Herrn \\\>rt. Ich hal>' gehorcht und bin gegangen. Ein einzig brennendes Verlangen Hat mich erfüllt. Ich sah euch dort, l'ingeifert vom (ie/ücht der Schlangen. I'nd euch zu retten, keinen . . . keinen . . Wund war mein Kuss von Dorn und Steinen Ich fühlt' es nicht. Nur euer Weh Griff mir ans Herz mit Feuerzangen. Ii h horte nur die Stimme: ..Geh', Erlöse sie, die Schmerzensbangen!" Ja. Gott hat mir ein Herz geschenkt. Das sich in aller Herz versenkt, Das sich, von jedem Schmerzensstrabl Entflammt, verzehrt in aller Oua! , . . Ich hab' gewusst, ihr leidet schwer. Von grausam harter Not durchwühlt, Ich hab' geglaubt, ihr wisst und fühlt. l'nd würget still der Tränen Klüt. l'nd traget still der Schmerzen (diu l'nd harrt, oh nah' der Tröster war' I'nd vorwärts stürmt' ich, und die lla-i Der sc hnell enteilenden Sekunden Liess meinem Kusse keine Rast: Ich komme schon! Das Blut der Wunden. *) In dem soeben erschienenen Illustr. Jüd. Kamilienkalender für das Jahr 5669. Berlin Leipzig, Modernes Verlagsbureau Kurt Wigand, wird obiges Gedicht des trotz seiner lugend bereits in den hebräisch lesenden Kreisen zur Berühmt heil gelangten Dichters Ch. N. Bialik veröffentlicht. Die gelungene l'ebersetzung von Keiwel soll unsere Leser mit dem Geiste dieser neuhebräischen Poesie bekannt machen. Anm. d. Red. Mit gieriger Zunge will ich's lecken l ud will es schlürfen, bis die Wunden Geheilt si< h schlicssen und vernarben, l'nd beten will ich. trösten, wecken, l'nd stärken will ich, die da darben, Aufrichten, die da sind gefallen, Ich komm', cm h tröstend zu erheben, l'nd frohe Hotschaft künd' ich allen: Es hat mich Gott mit (Heist beschenkt Ich will euch meine Seele geben . . . Er hat mir Mut ins Herz gesenkt, Vor dem sich alle Kesseln lösen. Der Erz zerbricht und Berge sprengt l'nd kühn sein Auge beut dem Bösen, l ud eine Zunge, wie ein Schwert So scharf, hat mir der Herr gegeben: Seid ihr von Stahl, ist sie von Eisen, Seid ihr von Eisen, ist sie Stahl! . . . l'nd also durch den Herrn bewehrt. Komm' ich, euch meine Tat zu weisen : Ihr sollt, befreit von aller Qual, Aufstelvn und Gottes Gnade preisen! - Nun steh' ich unter eurer Tür, Der Zunge Kraft ist mir genommen. Schwer hängt das Dunkel über mir l nd all mein Keuer ist verglommen Ihr habt die Tore zugemacht, Beworfen mich mit Schimpf und Sehand'. l'nd Gottes Wort habt ihr verlacht. Zurückgestossen Gottes Hand. . . . Nun hab' ich mehr für euch kein Wort Ihr seid für Gottes Rede taub. Ich sprach ein Wort - ihr warft es fori. Verweht hat es der Wind u ie Staub . . . l'nd nochmals sprach ich. l'nd gesunken Ist schnell d;is Wort, gleich einem Kimken. Der fällt in dürre Garben Stroh. Aufflammt das Keuer lichterloh. Nur Asche blieb, und Rauch zog drüber hin , Da. hab' ich einen Schrei geschrien. Der war gleich einem Keulenschlag. l'nd war wie dumpfes Donnergrollen, Das jäh durchbricht den sonnenhellen Tag, l'nd schlug mit einem zornesvollen, Gewaltigen Schlag an eurer Herzen Tor, Da drang ein Schrei durch eurer Herzen Tor. Da schössen Tränen hei-s hervor Doch weh! sie waren lügenschwer. End heuchlerisch war euer Schrei'n! l'nd glaubt euch keiner, keiner mehr, Niehl Gott, nicht ich, nicht üu allein! . , ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.