Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. „Neue Nationäl-Zeitung' Seite 9. I'ontafel und das von Sellin in Tnanarh aufgedeckte kleine Tontafckirchiv des kanaanitischen Königs dieser Stadt. Die Briefe sind Lokalkorrespondcnz. die Namcnlisten Bauern oder Soldatenverzeichnisse. Neue weltcrschütternde Ereignisse lehren sie uns nicht kennen, aber sie bereichern das schon bekannte Iiistorisehe Bild um manche interessante Einzelzügv: die Eisten /um Beispiel bieten uns das reichste Eigennamenmaterial der kanaanitischen Bevölkerung Palästinas dar. das wir überhaupt besitzen. Ist es in dieser Richtung also auch noch nicht viel, was die .Ausgrabungen ergeben haben, so doch genug, lim v.< iter zu hoffen und weiter zu arbeiten, 2. Ungleich reichhaltiger gestalten sich die Ergebnisse, wenn man einmal von .unmittelbaren geschichtlichen Urkunden absieht und die kulturgeschiehtliehen Resultate als Ganzes ins Auge fasst. Dies - stiieg-ln nämlich deutlich eine ganze Ge<cbich!e wieder. Zunächst, wenn man den in jenen beme-kb i>vu ausländischen Einflüssen nac hgeht Drei aiislandis he Kukurkreise haben offenbar auf das vorisraelitische K.cuian eingewirkt. Erstens der babylonische, R( in äusserlieh '>ca-eUte; 1 '' ':e.i erb die Einzclfund ' babv Ionischer Prov H-n/ m den'-n ägyptischer Herkunft allerdings nur wie 1:50. Aber nrm daif hier nicht mit einer solchen Sta tistik arbeiten, e.e-ade auf di- < '.vtindl igen der ganzen geistigen Kultur Kanaans li.it Bab\ Ion massgebend eingewirkt. Das he weisen sowohl das religiöse Pantheon, wie die Schrift der Tontafeln und die Darstellun<r auf der in Gezer gefundenen so genannten ZodiakustabDtic. l)ei ägyptische Einfluss macht sich am stärksten im Süden bemerkbar, die dort ausgegrabenen Städte machen in einzelnen Schichten gerade/u den Eindruck ägyptischer Städte, auch in der Tesreelehene hat er kräftig gewirkt, dagegen scheint er bis Jericho nicht gekommen zu sein. Ganz neu und überraschend endlich ist das Ergebnis der Ausgrabungen, das-' der mykenisch-zyprischc Einfluss. besonders auf den Gebieten des Tfausgerätes und des Schmuckes, tief nach Palästina hinein gewirkt hat. 5. Am allerreichhaltigsten sind aber endlich die Resultate, die das Bild der inner-n Ent wicklung der auto« hthonen Kultur Kanaans wieder vor unseren Augen erstellen lassen. Sellin verweist in dieser Beziehung auf das die bisherigen Ergebnisse verarbeitende Buch von Vjncent ..Kanaan apres l'e-.ploration recente" und schildert in ein paar Strichen die Entwicklung der einheimischen Kultur von der Zeit der I löhlenhew ohner an bis in die der israelitischen Invasion. Ztm) SfhIllSS Streift er noch zwei Fragen, deren Beantwortung man wohl gerade von ihm als altlestamenthehen E\e geten erwarten würde, erstens die: ergeben die Ausgrabungen pro oder contra die sogenannte biblische Yätcrerzähhmg.' Er antwortet : das Milieu, in das diese die Väter hineinstellt, kontrastiert allerdings in mehreren Zügen mit dem kuhur und .städlereichen Bilde, das die Atiserabungen um dem Palästina des zweiten Tahrtausends ergehen. aber d'T Bericht von 1. Mose 14 ist gerade durch die Ausgrabungen wied-r;ib ein historisch zuverlässiger wahis. heinlich gemacht Die zweite Frage lautet: kehren die A isgi abun.-en etwas für die Geschichte der israelitischen Invasion? Dies.- bezeichnete Sellin erst dann als spruchreif, wenn mehrei e palästinensische Städte vollständig wieder aufgedeckt sind: vorläufig gilt es nur an dem sieh aus der Bibel selbst ergebenden Leitsatze festzuhalten, dass dies- Invasion "ine ganz allmählich' war. rund drei Jahrhunderte gedauert hat. Liegt hier also vorläufig auch noch kein festes Resultat vor. so haben im übrigen doch die bisherigen Ausgrabungen Mühe. Zeit und Geld reichlich gelohnt, so dass es auch auf diesem Gebiete unbedingt in Zukunft hejssen muss : ..Vorwärts". Die Brandkatastrophe in Telsch. Dje Grossloge für Deutsch land. die dem Ililfsverein der detitschen Juden bereits auf so vielen Gebieten ihre Unterstützung geliehen hat. hat demselben als Beitrag zu der gemeinsamen Hilfsaktion für die Opfer der Brandkatastrophe in T <■ ] s e h . RusslancB 1500 Mark überwiesen. fSrnfl* asten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Dje am 20. d. M. in Berlin stattfindende Konferenz ist lediglich von Dr. Nossig einberufen. Es nimmt an derselben offiziell keine gr(><,<..-iv jüdisch- Organisation teil. — S. in R. Die wiederholte Erklärung, als ob unser Blatt ein Organ der Itoisten-Panei wäre, wie sie der ..Iled Hasman" mit Nachdruck veröffentliclit. ist ein Phantasie-Gebilde dieses Blattes. Unsere \\ "ochetisi hrift ist nach jeder Richtung unabhängig, sie dient gar keiner Partei, sondern einzig und allein den Interessen der jüdischen G samtbevülkerung. — Moral. Wir empfehlen Ihnen, ein ti Spezialisten für Nervenkrankheiten zu konsultieren. —■ J. Sp. l'nsercs Wissens ist das Buch bisher nicht übersetzt worden. - Dr. Z. Die Verhandlung dürfte im Oktober anlässli h der ausserordentlichen Schwurgerichts Session stattfinden. „Jerusalem." Liter 1 r i s <• h b i b 1 i o g r a p h i s c h e R e v u e. II. Tahrgang, lieft 1—2. Redigiert von J. Kreppe!. Verlag ..Koheleth". Krakau, Juli August 190S. Die periodisch erscheinenden bibliographischen Schriften für jüdische, beziehungsweise hebräische Literatur und Wissenschaft der Gegenwart sind nichts weniger .als zahlreich. Dass daher die vorliegende bibli-eraphische Revue eine fühlbare bücke ausfüllt, ist selbstverständlich. Eingeleitet wird die Revue, welche in hebräischer und deutscher Sprache erscheint, mit eitvm 1 'eberblick über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Literatur und Wissenschaft, deren einzelne Werke mit fachmännischem Kennerblick kurz rezensiert werden. Grossere Berücksichtigung f nden allerdings solche Werke der jüdischen Literatur und Wiss. nschaft. welche in hebräischer Sprache geschrieben sind, hauen sehr grossen Raum nimmt die schöngeistige hebräis« he Literatur ein'. End w enn auch der Herausgeber der Revue. Herr K r e p p e 1. dem Jargon keine Lobeshymnen anstimmen will, so berücksichtigt er doch auch die in dieser Sprache geschriebenen Werke, soweit der Raum dies gestattet. Er beklagt sich über den Niedergang des jüdischgeistigen Schaffens und findet nicht einmal in dem alten Sprich wort ..Wenn Mars tätig ist. muss sich Minerva als eine Verschmähte in die Einsamkeit zurückziehen" den gesuchten Trost, da doch in Amerika die fuden aller bürgerlichen Rechte und Freiheiten sich erfreuen und dennoch auf dem des Spezifisch- Tüdischen nichts Bedeutendes schafften. Sehr gerecht erseheint die Klage des Herrn Krepp--!, dass die hebräischen Fachgelehrte;? sich über die Erscheinungen auf dem Gebiete des Schön-Geistigen abfällig äussern, wie es auch umgekehrt der Eall zu sein pflegt. Ein angeblicher diesbezüglicher Dialog, der zwischen Salonion Buber und Ruhen Ascher Brandes stattgefunden haben soll wird als charakteristisches Beispiel angeführt. Buber fragte: ..Was gibts auf dem hebräisi h hieran sehen Büchermarkte':" Brandes; .Die jüdische Lit'-ratur vermehrt sich \ou Tag «zu Tag." Buber: ..Zum Beispiel?" Brandes zählt alle Neuerscheinungen auf dem Gebiete de; schöngeistigen Literatur auf. Darauf Buber: ..Kinderspiel! [lies nennst Literatur." B r a u d e s : ..Was denn?" Bul) er: ..Zur wahren Literatur, di diesen Namen verdient, gehören alte Handschriften. Midraschim. Kommentare-. Untersuchungen mit vielen Anmerkungen usw." Darauf antwortete B r a u d e s : ..Für s-<b he lüchtie,! Dinge hat gegenwärtig kein Mensch ein Interesse" Der Redakteur der Revue frag! dann, ob irgend ' in deul scher Philosoph oder Historiker es wagen wurde, zu behaupten, dass Schillers Dramen oder Goethes Gedichte auch Dumm heilen seien! Wir können jedoch in dem Punkte Herrn Kreppel nicht recht geben, wo er rs f(jr o-ut findet, auf die sogenannten ..Gesammelten Aufsätze" verächtlich hei abzuschauen. Wenn A. ' h a d Ha am seine Aufsätze, die in verschiedenen /. ii Schriften erschienen sind, gesammelt in einem Band heraus gegeben hat. wenn Epsteins. Erischmann-.. Brainins und Bialjks ausgewählte Schriften, beziehungsweise Briefe herausgegeben wurden, so spricht dies noch n:cht für ih - Minderwertigkeit. Es ist in dieser bibliographischen Revue auch von Hornd e c k y s Biographic über Rabbi Israel Besi ht. die ei im ,,IIa- Atllid" veröffentlicht hatte, die Rede Dem Verfasser wird da zum \'orwurfe gemacht, dass er fast sämtliche Duellen aus der bekannten, historisch ganz wertlosen Chronik ..Schiv-che Beseht" geschöpft habe. Horodeckvs Schrift liegt uns nicht vor und entzieht es sich infolgedessen unserer Beurteilung, inwieferne der Herausgeber vorliegender Revue recht hat. Es befremdet uns jedenfalls, da-s Horodecky von der einschlägigen Literatur, die Abraham Kahane zu seiner Monographie über Beseht benützt hatte ''Rabbi Israel Baal schein, sein Leben und sein Lehrsystem. Sehytonür 1000 . nichts gewusst haben soll. Zugestanden muss allerdings w.rden. dass auch Kahane zu viel auf die Angaben der erwähnten Chronik baut. Das eine kann aber nicht in Abrede gestellt werden, dass Beseht einer der sv tnpathis( lustej] jüdischen Mystiker war. Diese reichhaltige Revue erinnert mich an Steinschneiders Handschriften Kataloge Nach um Ham-e-chqiach * Z a n g will sagte jüngst öffentlich, dass wenn M > s ■■ heute leben würde. s > hätte er statt der Bibel Dramen g ■- schrieben. Das bleibt natürlich eine ganz vereinzelte \n-icht Zangwills, der soeben ein Drama über die fudenfnge beendet hat. Dasselbe soll ..The Crucible" heis-cn und .schildert den Em wicklungsgang eines Juden im Osten von New-York.