Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 ,Neue National-Zeitung' Seite 5. II i kiern dies sogar die königlichen Dekrete. So lesen "Wir im Dekret des Königs Johann III. an die Juden von Zolkiew im Jahre 1678: „Sie sind nun verpflichtet, sofort auf der Frontseite vor der Synagoge auf demselben Platz ein Gebäude zu errichten, welches die Synagoge gegen die Gasse verdecken würde."21) Ein besonderes Blatt in der Geschichte der Synagogen in Polen gebührt den h ö I z e r n e n Gotteshäusern. Man hat sich mit ihnen mehr beschäftigt, als mit den steinernen. Wir haben auch viele Reproduktionen sowohl der ganzen Gotteshäuser als auch ihrer Teile sowie der rituellen Gerätschaften. Mit den hölzernen Gotteshäusern im Königreich Polen (in Wolpie) und in Lithauen (in Jurbowk) hat sich B er söhn25) beschäftigt, in Galizien Wierzbicki'-,;) (Jablo.iow) und speziell Moklowski, der sich bemüht hat, im Bau den polnischen Typus ausfindig zu machen. (Chyrow, Szczerzec, Kamionka Str., Felsztyn, Rozdol usw.-7) IV. Die kirchlichen Gerätschaften sind oft älter, als die Synagogen, da sie von anderwärts gebracht werden. Oft wurden Gegenstände des häuslichen Gebrauches für synagogale Benützung umgearbeitet, wie das z. B. auf der Ausstellung (1894) an dem Lambrequin zu beobachten war, der aus einem Slucki'er Gürtel hergestellt war.28) In Lemberger Synagogen gibt es mehrere Reflektoren mit adeligen Wappen, einen sogar mit dem Wappen der Familie Sobieski. Wir finden herrliche Vorhänge, Leuchter, Silbergeräte, Bänke, Fauteuils, Becher, Schüssel usw., die betrachtet, bewundert, beschrieben zu werden verdienen . Dabei darf nicht vergessen werden an die hebräischen Münzen aus den Zeiten der Königsfamilie Piast — die ein Werk jüdischer Regalpächter sind — an die jüdischen Siegel, Amuletts, den Fraueniind Männerschmuck. Die Münzen hat Frau Centnerschwer unlängst im Warschauer „Izraelita'-r') beschrieben, mit den Siegeln beschäftigt sich Herr Adam Chmiel in Krakau,30) über eine Anzahl von jüdischen Zeichnungen verfügt die Pawlikowski-Bibliothek in Lemberg.31) Hieher gehören auch die, Tausende und Hunderte von Original-Dokumenten und -Kopien, die sich in den Bibliotheken und Archiven, bei Privaten und Händlern, befinden, die wir inventarisieren und sammeln sollten, um ein „Museum jüdischer Altertümer in Polen" zu schaffen. Wir werden damit eine Pflicht gegenüber den vergangenen und kommenden Generationen erfüllen. 24) Bub er: Kisja Nisgaba. S. 121. 25) Bersohn: Einige Worte über die hölzernen Synagogen in Polen. Bd. I, Jahrg. 1895. B. I1, Jahrg. 1900. B. III, Jahrg. 1903 (poln.). 26) Rechenschaftsbericht der Kommission für Kunstgeschichte an der Akad. der Wiss. B. V, 27) Moklowski: Die Volkskunst in Polen. 1903, S. 424—443 (poln.). 28) Katalog Nr. 94. 29) „Izraelita" Jahrg. 1905, Nr. 13—23: Die ältesten Kulturdenkmäler der Juden in Polen. 30) Jüdische Siegel. Die mimism. Nachrichten Nr. 40, 41, 49, 50, 59 (poln.)- 31) Die Literatur ist zu finden in der Bibliographie von Finkel. B. II. S. 1138—1139 (poln.). E)er «Jüdische glub. Von einem rnthenlschen Abgeordneten. (Ein Interview.) Von allen parlamentarischen Parteien stehen dem Jüdischen Klub die Ruthenen wohl am nächsten .Wenn es sich um die Ueberreichung einer Interpellation handelt — einen Dringlichkeitsantr ig hat bis jetzt der Klub noch nicht eingebracht — s:> sind die Ruthenen die erste parlamentarische Partei, an die sich der Klub um Unterschriften wendet. Diese Unterschriften werden dem Jüdischen Klub auch in der Regel gegeben, im Gegensatze zu anderen Parteien von der linken Seite, beispielsweise zu den Sozialdemokraten, die bekan-ntermassen sehr „liberal" sind, von den Juden sehr gerne Stimmen und Wahlfonds nehmen, aber in der Regel dem Jüdischen Klub und in jüdischen Angelegenheiten am liebsten aus dem Wege gehen. Abgeordneter Dr. Liebcrmann könnte viel davon erzählen. Die Ruthenen haben den Juden kein einziges Mandat zu verdanken, die Sozialdemokraten hingegen mehrere, speziell die in den .Stichwahlen eroberten. Umgekehrt haben die Jüdisch-Nationalen den Ruthenen 2 Mandate zu verdanken und die wunderbare Disziplin, mit welcher die ruthenischen Bauern zur Wahlurne gegangen sind, um für die Jüdisch-Nationalen zu stimmen, kann als ein politisches Ereignis angesehen werden. Die ruthenischen Abgeordneten sind dem Jüdischen Klub wohl gesinnt, sie haben neben ihm gearbeitet und ihn selbst an der Arbeit gesehen. Wir haben uns daher an einen führenden Politiker des ruthenischen Klubs mit dem Ersuchen gewendet, uns über die Tätigkeit des Jüdischen Klubs seine Meinung ausdrücken zu wollen. Wir verdanken dem Herrn nachstehende Mitteilungen: „Ich habe nicht das Recht und auch nicht die Möglichkeit, zu überblicken, inwiefern der Jüdische Klub für die jüdische Bevölkerung etwas erspriessliches leistet, ob sein Programm nutzbringend und seine Taktik stets am Platze war. Das zu beurteilen ist Sache der jüdischen Wähler. Ich mochte aber Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Momente lenken, welche für eine Beurteilung massgebend sein dürften. Es fällt mir auf, dass die, jüdisch-nationalen, Abgeordneten in Galizien nicht jenes Mass;von Agitation entwickeln, wie sie es ihrer Stellung schuldig" wären. Ich meine das so. Die Agitation eines Reichsratsabgeordneten hat eine ganz andere Bedeutung" und einen viel grösseren Wert, als die eines anderen Parteimitgliedes oder Parteiführers, der nicht dem Reichsrate angehört. Dies ist besonders in Galizien der Fall, wo der Bezirkshauptmann als Bezirkspascha ohne jeden Grund Versammlungen verbieten oder auflösen, oft auch den Referenten selbst verhaften kann. Die Stellung eines Reichsratsabgeordneten ist aber eine derartige, dass sie die Willkür des Bezirkshauptmannes unmöglich macht. Ja noch mehr. Das Erscheinen eines Reichsratsabgeordneten in einem bestimmten Bezirke kann oft das geeignetste Mittel sein, um die Parteiangehörigem des Bezirkes gegen jede Willkür des Bezirkshauptmaamesi ein für alle Mal zu schützen!, <, So ist es mir wiederholt passiert, dass ich auf Agitationsreisen in der Versammlung unter Hinweis