Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ihren Friedhof und ihre Synagogen zu überlassen. Und da wurde ihnen die Alte Schul' am Kazmierz zu enge, umsomehr, als eich inzwischen die ganze böhmische Gemeinde am Kazmierz angesiedelt hat und mit der ansässigen Gemeinde der polnischen luden um die Hegemonie am Kazmierz den Kampf begann. An der Spitze der böhmischen Gemeinde stand damals der Zollpächtcr des Königs Sigismund 1. Abraham Judaeus Boh'-mus. Da tritt also die Notwendigkeit der Errichtung einer neuen Synagoge (1553) und eines neuen Friedhofes ein. Der älteste jüdische Friedhof am Kazmierz besteht noch heute und bildet einen Quadrat, umgeben von einer Mauer, in der Mitte der Breiten Gasse". Eine Reihe von Legenden umwebt sagenhaft diesen „heiligen Ort", auf dem bereits alle Grabsteine tief in die Erde versenkt sind.1) Der Friedhof in Lemberg (der alte, der im Jahre 1855 gesperrt wurde) ist ebenfalls sehr alt"*): schon die Akten aus dem Jahre 1414 erzählen von ihm, wenn auch die Grabsteine »erst aus dem Ende des XVI. Jahrhundert sichtbar sind. Von dem alten Friedhof in Posen lesen wir in den Akten aus dem Jahre 14400); die älteste Urkunde bezieht sich auf den Friedhof von Kalisz usw. aus dem Jahre 1287'). Im ruthenischen Lande linden wir keine alten Friedhöfe, da sie alle erst in späterer Zeit entstanden sind; bloss die Stadt J azlow iec besitzt Denkmäler aus dem XVI. Jahrhundert, mit denen sich bereits Pater Kozicki beschäftigt hat. 1 Das Alter der Synagogen in Galizien lässt sich, in folgender Reihe feststellen. Am ältesten ist die Alte Schul' am Kazmierz, die im romanischen Stil erbaut und dann im gotischen umgebaut, auf das Ende des XIV., resp. auf den Anfang des XV. Jahrhunderts zurückgeführt werden kann. Neben ihr hat es zu Beginn des XVI. Jahrhunderts eine zweite Synagoge am Kazmierz gegeben, die sich nicht erhalten hat. Hierauf folgt (1553) die sog. Remuh-Schul' am Kazmierz, weiters die nicht mehr bestehende Synagoge in Tarnow (1581 )8), die Nachmanowicz- Sxnagoge (1582) in Lemberg9) (erbaut von PaAvel Rzymianin, d. h. Paul, der Römer), die alte Synagoge in Pr:!emysl (1594)10), die sog. Kupa-Schule am Kazmierz (1595); das Jahr 1627 ist eingraviert auf dem Fenster der hölzernen Synagoge in Jablonow (als Jahr der Restaurierung), die Vororte-Synagoge in Lemberg (i632)n), die Eisig-Synagoge am Kaz mierz (I644)1-). ' In der ersten Hälfle des XVII. Jahrhunderts besitzt Zolkiew eine hölzerne Synagoge, der heutige herrliche Bau stammt atis dem Jahre 109213). Im XVII. Jahrhundert entstehen ebenfalls die Synago 4) W e t t s t e i n : Toldot ansze szem. Krak;ui. Einleitung hebräisch). 5. Czolowski: Die historischen Denkmäler von Lemberg. III. S. ii- 12 ('jx>lnisch). 61 Koe h 1 e r a. a. O. 7) Der diplomatische Kodex Grosspolens Nr. 574. Przemisl II., dux Poloniae, bestätigt am 9. .März 1287 den Verkaut eines Grundstückes zur Errichtung eines jüdischen Friedhofes in Kalisz. 8) Schipper: Die Juden in Tarnow. (Hist. Vierteljahresschrift 1905, S. 237. jx)lnisch.) 91 Bai ab an: Die Juden in Lemberg. S, 57—8, ioj Schurr a. a. O. S. 13—14. UJ Balaban a. a. O. S. 218—220, 12) Aufschrift am Altar. 13) Buber: Kirja Nisgaba. (Hebr.) gen in Tarnopol, Trembowla, Leszniow, Jarosiau"), und im XVIII. Iaht hundert in Brody 1 •"'), sowie in Sambor ('1703)"') usw. Die Synagoge in i'o-cn, welche nach vielen l 'mbauten bis auf den heutigen Tag erhalten wurde, stammt aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, während die älteste Posoner Synagoge, die heute nicht mehr existiert, im Jahre 1307 erbaut wurde.17; Die Synagoge in Leszno entstand zu Ende des XVI. Jahrhunderts: sje wurde jedoch bis auf den Grund im Jahre 1790 abgebrannt.,s 1 l'eberhaupi Avurde das Ghetto w iedcrholt durch Brand verwüstet. Das haU" jedesmal den l'mbau der Synagoge zur Folge. In Lemberg ist im Jahre 1023 die Krakauer Vorstadt durch Brand verwüstet worden und gleichzeitig au< 1) die Synagoge dieser Vorstadt1'*); die stadtische Synagoge, und zwar die älteste wurth1 anlässlich des l'eberfalles durch die Schweden vernichtet, worauf sie im Jährt1 1797 niedergerissen werden musste. An ihrer Stelle entstand in den Jahren 1800 bis iSej.. die herrliche neue Synagoge. Die Synagoge in Wodzislaw ist im Jahre 1079 vollständig abgebrannt.-0) Demselben Unglücksfall fiel zu Ende des 17. Iah' hur.derts die Synagoge in Brody zum C )pfer.-M ) Allein nicht nur die (anbauten haben die Gestalt der Synagogen beemflusst, sondern auch die kirchliche Gesetzgebung. Die Synoden verboten den Juden überhaupt Synagogen zu bauen, und wenn diese es dennoch taten, so durfte ihre äussere Seite nicht über die Höhe von Häusern hinausgehen. Dadurch erklärt »ich die Tatsache, dass die Synagogen tief unter dem Niveau der Strasse ihren Fussboden hatten, damit eben trotz der geringen Höhe des Gebäudes ein hoher Saal errichtet werden könne.!)ie weltliche Gesetzgebung hat sich diesen Xonnen dekanonischen Rechtes angeschlossen und es entstand nun ein Gesetz ,,ne Judaei novas synagogas extruenaudeant", welches König Alexander noch dadun h verschärfte, dass er den Juden überhaupt verbot, ihr. alten Synagogen zu renovieren. Wenn die Könige trotzdem den Bau einer Sy nagoge bewilligten, so haben sie einer» ausdrücklichen Vorbehalt gegenüber dem kanonischen Rechte gemacht. So tut es Ladislaus IV. im Jahre 1Ö3S. als er den Juden von Polen die Benützung der Synagogen und Friedhöfe gestattetem 1, und August III. im Jahre 1763 in dem Privilegium zum Baue einer Synagoge in Sambor.2;{) Die wiederholten Plünderungen der Synagogen zwingen die Juden, ihre Synagogen nicht auf der Frontseite, sondern in den Höfen zu bauen; oft for- 14) Diese Synagoge wurde auf Kosten der fuden des ganzen Königreiches Polen erbaut, da hier von der Hälfte des XVII. bis zur Hälfte des XVIII. Jahrhunderts die Landeskongrosse der Juden Polens als sog. ..Kongresse der Kronjuden" stattfanden. 15) R a r a ( /: Die freie Ilanddstadt Brody. S. 74 po'n. . 16) Die Stadtakten von Pr/.eniysl. H. 027. S. r20— 139. 17) Perl es: Geschichte der luden in Posen. S. 6. 18} Lew in: Geschichte der luden in Lissa. S. 95. 19) Balaban a. a. O. S. 52 -53. 20) Das Dekret des Königs Demeter Georg Koribu! Wisniowiecki an die Juden von Krakau vom 7. März 1077 (Sammlung des Dr. Schorn. ' 21) Baracz a. a. (). S. 74 fg. 22) Balaban: Die Juden in Lemberg. Peil. \'r. 103 fpolnisch). 23) Die Stadtakten von Pr/eniysl, 1>. '07 pag. 129 1 io (polnisch),