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Neue Nationalzeitung · 1908-08-28 · Heft 34 (28.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 34 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Vr 34 „Neue NationahZeitung" Spir* 3. dass die Pointe in erster Reihe gegen ihn selbst gekehrt war? Und dann: den Sack meint man. den Fsel schlägt man. Was können die vielen armen Mädchen jüelisch-spaniolischer Abstammung und die armen spaniolischen Studenten für die Misswirischaft der (Gemeinde? Warum liess der Testator gerade du sc w ürdigsten unter den jüdischen Bedürftigen für fremde Fehler und vSünden schwer büssen, die er selbst zu verantworten hätte, weil er sie durch sein passives Verhalten geschehen liess? Oder wusste er vielleicht gar nicht, dass es spaniolische Madchen in Wien gibt, welche nicht heiraten können, aller Wahrscheinlichkeit nach auch niemals heiraten werden, weil sie gänzlich mittellos dastehen! Soll man ihm den Jammer jener Armen und Siechen innerhalb der Wiener spaniolischen Kolonie ins Grab nachrufen, welche in ihrer grenzenlosen Not in die Donau gehen oder sich vom vierten Stock in die Tiefe stürzen! Gemütsmenschen werden vielleicht diesen Pro test für deplaciert und ungerecht halten, weil er ihnen mit dem freien Ve;fügungsrecht über das Vermögen nicht gut vereinbar erscheinen dürfte. Dem ist jedoch in diesem Falle nicht so. Das 11 aus Elias hat seine kolossalen Reichtümer, zumindest den (Grundstock dazu, im Verkehr mit den spaniolischen Juden des Orients erworben, mit eben jenen Juden, deren Söhne und Enkel studieren und ihr Fortkommen, finden würden, wenn sie ein entsprechendes Stipendium hätten, und deren Töchter mangels einer bescheidenen Mitgift nicht heiraten können. Wi< sollte sich also das jedem Metrischen innewohnende R( chtsgefühl nicht dagegen auflehnen, dass der Testator es für angemessen gefunden hat, gerade diese nach Recht und Moral meistberechtigten Bewerber von der Nutzniessung seiner Stiftung ostentativauszuschalten und die Verwendung des beträchtlichen Le^gats dem Wiener antisemitischen Magistrat zur freien Verfügung zu über intw orten! Haben denn die reichen und reichsten Juden, welche derartig vorgehen, wirklich gar kein Gefühl für die Pflichten übrig, welche ihre Reichtümer ihnen den armen Stammesgenossen gegenüber auferlegen! Wenn dem wirklich so ist, dann kann man in der (Öffentlichkeit nicht oft und eindringlich genug gegen solche ,,Wohltaten" protestieren, die weit eher einen ganz anderen Namen verdien ai. An dieser Stelle müssen wir noch ein ziemlich spassiges Geschichtchen erzählen, welches den verstorbenen Multimillionär Abraham M. Elias zum Helden hat, und für dessen Authentizität wir uns verbürgen : Einige angesehene Mhghceler der türkisch-israelitischen Kultusgememde, wohl mehr der Not ge horchend, als dem eigenen Triebe, begaben sich eines Tages korporativ zum kranken Philantropen, um ihm die desolate Situation der Gemeinde in beweglichen Worten zu schildern und seine Unterstützung anzurufen. „Warum und mit welchem Recht kommt man stets zu mir und nur zu mir?" rief Herr Elias aus. ,,Bin ich denn allein da? Aber ich will und werde nur helfen, wenn die anderen mittun. Dm jedoch die Opferwilligkeit der übrigen wohlhabenden Gemieindemitglieder auf keine zu harte Probe zu stelkii, verlange ich, dass jedes von ihnen nach seinen Verhältnissen einen Betrag für die Sanierung der Gemeinde zeichnen soll, wogegen ich das zehnfache der aufgebrachten Gesamtsumme geben werde." Hochbefriedigt von dieser des „grossen" Elias würdigen Zusage gingen die Herren sofort ans We?k. Kein einziger von den Wiener Spaniolcn, welche überhaupt in Betracht kamen, wollte sich der schönem Pflicht entziehen, zur Sanierung unel Erhaltung der altehrwürdigen Gemeinde sc;n Scherflein beizutragen, und binnen vierundzwanzig Stunden war ein Betrag gezeichnet, und teilweise bar eingezahlt, welcher, mit zehn multipliziert, für den Philantropen Elias laut seiner eigenen "Zusage eine Millionenleistung bedeutet haben würde. Aber elas wollte man nicht : Das Opfer sollte auch für ihn, trotz seiner ungezählten Millionen, ni.dn gar zu empfindlich sein. Man wollte sich mit einer Zuwendung seinerseits in gleicher Höhe wie1 die Summe der aufgebrachten Beiträge begnügen. Das hätte für das geplante Hilfswerk ausgereicht, unel der Gemeinde wäre gründlich geholfen. . . . Es sollte aber anders kommen. Tag auf Tag, Woche auf Woche verstrich, ohne dass die betreffenden Herren vom Schwerkranken zur Berichterstattung empfange;^ werden, noch weniger die Verrechnung mit ihm vornehmen konnten. Der Philantrop Abraham M. Flias ist dann gestorben, und die türkisch-israelitische Kuitusgemeinde wartet noch immer auf die Einhaltung seiner Zusage. Oder sollte etwa die „Abraham und Pauline Elias"-Stiftung von aoe>.ooe» K, von welcher dem Wiener (Gemeinderat in seiner Sitzung vom 15. Juli I. j. Mitteilung gemacht w urde, die Erfüllung jener Zusage bedeuten? Sehr reiche Leute dürfen sich bekanntlich manches erlauben; warum auch nicht einen solchen lc'zt willigen Witz, über den man sich zti Tode lachen könnte! Di- MAJBR BALABAN: }J\* historischen Denkmäler der Duden in Polen. (Ein Vorwort zur Jüdischen Kunstgeschichte In Polen) (Schluss.) HI. üishei haben wir von dem gesprochen, was in X'eilust geraten und d all er verschwunden ist. Nun schreiten wir an die Besprechung dessen, was wir noch besitzen: die Synagogen und Friedhöfe. Die Synagoge und der Friedhof bilden den Kernpunkt der jüdischen Gemeinde. Allein verschiedene Einstände haben zur Folge, dass die Juden für ihren Friedhof einen neuen Platz suchen und eine neue Synagoge bauen müssen. Die Sperrung des Friedhofs wegen l eberfüllung gehört zu eleu Seltenheiten, denn die Gemeinden pflegten stets rechtzeitig neue Grundstücke zu seiner Erweiterung anzukaufen. Wir sehen dies in Lemberg in den lahreii 1^01, 1614, 16281), am Kazmierz im Jahre if-Si-t, in Posen im Jahre 16923). Manchmal müssen elies elie Juden unter einem Zwange tun. wie z. B. in Krakau im Jahre 1494. Hier hat sie König Johann Olbracht gezwungen, in die Vorstadt Kazmierz zu übersiedeln und ihm 1) Bai dl) an: Die [udon in Lemberg. S. 206 (polnisch). ji Witesiciii: Divre chetee Nr. 26 iMeasaf. Petersburg 1902 . hebräisi Ii. 3 Rochier: Zwei jüdische Tribute. Posen 1900 (I):is Jahrbuch dc> Vereines der Freunde der Wissenschaft. B. 2(>). polnisch.

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