Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425755--0970-2427293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
geite 10. ,Neue National-Zeitung-^ *. >-* # tfr. 3t. ^eitschfiftenHRundscliau. Die grusischeu Juden. Ueber die grusischen Juden berichtet A. C h a chano, Prof. am Lasarew'schen Institut für orientalisch.' Sprachen in Moskau, in den „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde": „Die grusischeu Chroniken erwähnen Judenansiedlungcn innerhalb der Grenzen Grusiens schon in den entferntesten Zeiten. In der alten Residenzstadt Kartala niens, Mzchct, wohnten die Juden, wenn wir die Lebensbeschreibung der heiligen Nina, der Aufklärerin Iwerieus. glauben dürfen, schon im dritten Jahrhundert n. Chr. in einem besonderen Stadtviertel (Cherkij, wo sie Handel und Gewerbe trieben. Der Sage nach gelangte der Chiton Christi bei der YerYosYkTig «\ d\e. Hände des Juden Elias aus Mzchct. der zur Zeit der Kreuzigung nach Jerusalem kam. Auel) in einem anderen Teile Grusiens, in Kachetien, wohnten die Juden von Alters her. In der Residenzstadt Kacheriens, Gremi, existierte ein besonderer jüdischer Friedhof. Auch gab es dort einige Ansiedlungen, welche l'riatubani. d. h. jüdisches Dorf, aus dem Grusischen ubani Teil und uria Jude 'l'riat- Juden), genannt wurden. Bis auf unsere Tage nennen die Grusier die Juden — l'ria. Einer grusischeu Chronik nach haben sich die Juden in Mzchct nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem niedergelassen. Während der Ausgrabungen auf dem Friedhofe zu Samtawr fand Bayern einen Grabstein aus dem fünften Jahrhundert m;t einer hebräischen Inschrift ,,Dem teueren Vater Jahuda". Die in Dörfer und einigen Städten Daghestans, des Terschen und des kubanischen Gebietes wohnenden Bergjuden, die eine Mundart der zum Xeu-Iranischcn gehörenden Tatschen-Sprache gebrauchen, sind aus Persien gekommen, und ihre Ansiedlung ist der Eroberung Daghestans durch die Araber im 8. Jah. hundeit vorangegangen. Die Verfolgungen, denen die Juden im persischen Reiche seitens der Sassaniden. der fanatischen Anhänger Zarailiustias. (besonders im 5. Jahrhundert1 ausgesetzt waren, zwangen sie, aus demjenigen Teile Persiens, der Aturpatarp Jetzt Aberbeidseban) biess, nach dem Kaukasus auszuwandern. Sie brachten die iranische Mundart der Tatschen Sprache mit, deren Vokabular- und Wortbildung von sehr vielen türkischen Elementen durchsetzt ist. Wenngleich die Zeit der Niederlassung der Juden in Grusien nicht mit Sicherheit festzustellen ist, gibt es doch Tatsachen genug, die beweisen, dass in den ersten Jahrhunderten der christlichen Aeia die jüdischen Kolonien im grusischeu Reiche gross an Zahl und Bedeutung waren. Die Bagrantiden-Dynastie, die im 6. Jahrhundert den grusischen Thron bestieg, leitet ihre Abstammung von König David ab, und die grusischen Könige führten in ihrem Wappen die Schleuder und die Leier des alttestamentliehen Psalmensängers. In Grusien wurde die Freiheit der Juden niemals und von Niemandem beschränkt. Sie waren sogar Besitzer von ganzen Städten und Städtchen. In den Tagen der Selbstständigkeit Grusiens trieben sie nicht nur Handel, sondern auch Ackerbau. Ein Teil der Juden uart'ü Leibeigene der grusischen Könige und Fürsten. Es gab auch solche Juden, die als Leibeigene der Klöster und Kirchen galten. Diesen wie ihren christlichen Genossen war die Lieferung von Kerzen und Weihrauch für die Kirche, sowie von erzbischöflichen Kleidern auferlegt. Diejenigen unter den grusischen Juden, die zum Christentum übertraten, assimilierten sich mit der grusischen Bevölkerung. Einige grusische Familien, wie z. B. clie Eliosischwiü und andere leiten ihre Abstammung von Juden ab. Aber auch diejenigen, die dem jüdischen Glauben treu geblieben sind, haben mit der Lebensweise auch die Sprache der Grusier angenommen. In den Dörfern kleiden sie sich wie die grusischen Bauern, indem sie sieh mit einem Dolche, der zum Zubehör ihrer langschössigen Tracht 1 Tschochai gehört, umgürten. Gegenwärtig wohnen sie in den Städtchen Zchinwaly, Suram und Kareli iGouvcm. TiflisJ, Lailasehi, Sudshuny, Satschcheri, Lachanniii und Oni (Gouvern. Kutaiss). Zahlreiche jüdische Gemeinden weisen die Städte Tiflis, Gori, Achalzich und Kutaiss auf. In den früheren jüdischen Ansiedlungen — Mzchct und Kachetien — sind jetzt keine Juden mehr vorhanden. Sie treiben hauptsächlich Kleinhandel, bewohnen besondere Stadtviertel, assimilieren sich nicht mit der übrigen Bevölkerung und haben nicht nur ihre Religion, sondern auch ihren anthropologischen Typus beibehalten. In ihren Schulen werden die Kinder in der hebräischen Sprache unterrichtet, die aber nur sehr wenige beherrschen, daneben auch im Grusischen, besonders in Kutaiss, wo es einige wohlhabende [uden gibt. liier stehen sie auch kulturell auf einer höheren Stufe, wohnen reinlicher und reicher im Vergleich mit der allgemeinen Volksmasse, die unter Armut und chronischem Hunger leidet. Die Unsauberkeit der Juden hatte zu Zeiten epidemischer Krankheiten (z. B. Cholera) eine grosse Sterblichkeit zur Folge. Diese Ursachen erklären die schwache Vermehrung, ja sogar Verminderung der Zahl der grusischen Juden. Unter den Dorfjuden gibt es nicht wenige Ackerbauer und Handwerker, aber die Hauptbeschäftigung ist doch der Handel. In allen Teilen Grusiens begegnet man dem wandernden jüdischen Händler, der entweder, kaum sichtbar, zwischen dem auf das Pferd geladenen Warcnballen sitzt, wobei er mit dem Tritte des Pferdes gleichmässig den Kopf schüttelt, oder langsam zu Fusse seinem schwer beladenen Pferde folgt, das auf dem schmalen Bergpfade kaum vorwärts kommt. Zwar trägt er einen grusischen Anzug, aber die ganze Gestalt ist semitisch: traditionelle Sejtenlocken, blasses, längliches Gesicht, gebogene dünne Nase, fest zusammengedrückte Lippen, dunkle, melancholische Augen." leiste der ffas^efretenetv (Vom 22. Juli bis 9. August 1908.) Dickes Adolf, Strassenkehrer, geb. 29. Oktober 1859, Wien, II , Untere Augartenst'asse 31. Kann Richard, Hochschüler, geb. 3. Mai 1887, Wien, IL, Glockengasse 2. Kuh Felicia von, geb. Rapoport Edle von Porada, k. k. Bauratsgattin, geb. 9. Februar lh7;L Krakau, IV., Thercsianumgasse 6. Kuh Heinrich Ritter von, k. k. Battrat, geb. 9. April 18ö9, Wien, IV., Theresianuingasse 6. Kuh Georg Alfred Ritter von. geb. 5. Juni 1902, (namens der Eheleute Heinrich Kitter von Kuh und Felicia Edle von Kuh.) Skrein Margaretne Emilie, geb. 6. Juni 1894. Wien, I., Schottenbastei 1. Schwarz Georg Emanuel, Student, geb. 10. März 1889, I., Ebendort'erstrasse 6. Schleifer Friedrich, Krankenkassenbeamter, geb. 1880, Ybbs a./D., IX., Seegasse 21. Schwoner Oskar, Privatbeainter, geb. 17. Mai 1882, Wien, XVIII., Dittesgasse 3. Schwartz Lipa Leopold, Ingenieur, geb. 2b. Dezember 1869, Jassy, Rumänien, IX., Nussdorferstrasse, „Hotel Union". Welsz Anna, Mherin, geb. 22. August 1832, Budapest, XVI., Hippgasse 18. Weisz Hermine, Studentin, geb. 13. Dezember 1885, Kimpolung, Bukowina, VI., Gumpendorferstrasse 35. Fischl Georg, Friseurgehilfe, geb. 2t>. Jänner 1880, WTien, XV., Kosinagasse 9. Hochwald Lydia Lehrmädchen, geb. 5. Juli 1893, Triest, XIX., Heiligenstädterstrasse 9. Ntuhaus Anna, Private, geb. V). Oktober 1881, Kagran, II. tiez., Sterneckplatz H. Paunzen Josef, sehlossergekilfe, geb. 15. November 1878, Wien, III., Löwenherzgasse 13. Politzer Karl, geb. 16. Juni 1875, Wien, VI., Garbergasse 10. Pollitzer Lotti verw. Löwy, geb. 28 Mai 1875, Wien, XVI., Abele - gasse 7. * * * \ Bant Max, geb. 9. Dezember 1893, Wien Baumann Hermann, geb. 23. Februar lb94, Wien Bbd Adolf, Fisier Abraham, Hudes Regina, Miiion Miiia, Rycker Hurmann, Suuer Martha, S * * .» « «SO '• js> es g « a « :0 *W 5 geb. 14. Februar 1894, Wien geb. 2ti. Juni 1894, WTien geb. 4. April 1894. Wien geb. 3. Dezember 189:5, Wien geb. 4. Dezember 189.i, Wien geb. 10. Juli 1894, Wien blumeothai E'sa geb. Gut.oann, Private, geb. 9. Februar 1881 Wien, XIII., Einsiedeleigasse 9. Bodenstein Alfred, geb. 12. April 1875, Wien. VII t Zollergasse 36., Buchsbaum Leb, lntanterist, geb. 31. Dezember 1882 zu ßozhadow, Galizien, XUI., Infauterie-Kadettenschule Breitensee. Klein Edith, Krivate, geb. 3. Dezember 1883, Wien, I, Graben 28. Kohn Sigmund, Kaufmann, geb. 8. April 1870, Wien, XVIH., Schwendenweingasse 6. Thenen Salvator Maximilian, Dr., Privat, geb. 25. Februar 1872 zu Könnend, Komitat Vas, Ungarn, XII., Rosenhügelgasse 3. Wengraf Kaoline, öffentliche Gesellschafterin der Firma Wenjraf- Platzer, Vi., Sdimalzhofgasse 1 a. In der nächsten Nummer erscheint ein Artikel, betitelt: „Das Testament eines spaniollschen Millionärs", in der zweitnächsten Nummer die angekündigten „Golds-Visionen" von Morris Rosenfeld.