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Neue Nationalzeitung · 1908-08-21 · Heft 33 (21.8.1908) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. S'd. ■m «LLSN UMKiLEN Die Jahresversammlung der Föderation der amerikanischen Zionisten fand diesmal in Atlantic City statt. 150 Delegierte waren erschienen; Präsident Dr. Harry Friedenwald führte den Vorsitz. Es wurde konstatiert, dass die Zahl der Mitglieder in diesem Jahre gewachsen ist, doch haben die Einnahmen wegen der Krisis abgenommen. Es wurde der Beschluss gefasst, einen besoldeten Sekretär anzustellen und vom 1. Jänner n. J. eine jiddische Wochenschrift herauszugeben, für welchen Zweck bereits 3000 Dollars gesammelt wurden. Der jüdische Nationalfonds hat im ersten Halbjahre 1908 117.404,01 Mk. zusammengebracht. Davon entfallen auf Russland (Europa und Asien) 27.986,^6 M. Oesterreich-Ungarn rangiert an zweiter Stelle mit 21.678,85 Mk. Wir sehen also, d*ss die Staaten mit dem grössten Judenproletariat am meisten aufbringen. In dem Staate mit den reichsten JudeD, in E n g 1 a n d, wurden 1051,16 Mk. gesammelt. Die genaue Liste weist folgende Sammlungen auf: 1. Russland (Europa und Asien)........ 27.936,86 Mk. 2. Oesterreich................ 21 67H.85 „ 3. Deutschland........... . . 19.479 25 „ 4. Südafrika .............. 11.4< 2 41 „ 5. Nordamerika (Ver. St.)........... 10.448.42 „ 6. Rumänien................ 7.670.71 „ 7. Schweiz......... ....... 3,?05 46 „ 8. Ungarn.................. 2,429,08 „ 9. Belgien.................. 2,^42,21 „ 10. Kanada.................. 2,030.74 „ 11. Bulgarien ................. 1,996.13 „ 12. Niederlande................ 1.53« (H „ 13. K oatien, Slavonien und Bosnien...... l.>5-*,7i „ 14. üiosshritannien und Irland......... 1 Oöl.lG „ 15. Aigentinien................ 910,03 „ 16. Aegypten................. 562 47 „ 17. Frankreich................ 367,52 „ 18. Palästina und Syrien........... 366.^7 „ ly. Skandinavien............... 235 25 „ 20. Serbien.................. 192.33 „ 21. Türkei (ausser Palästina).......... 118 25 „ 22. Italien.................. 112.76 „ 23. Brasilien................. 23,— „ Sa.: . . 117.404,01 Mk. Eine zionistische Versammlung wurde jüngst in Orgejew (Bessarabien) polizeilich überrascht. Alle 90 Teilnehmer wurden verhaftet und vor Gericht gestellt, wo sie jedoch nur wegen Nichtanmeldung zu Geldstrafen verurteilt wurden. Das Gericht gelangte zur Ueberzeugung, dass die Versammlung keinen „verbrecherischen Charakter" hatte. Eine hebräische Mittelschule in Palästina und die türkische Sprache. Nach genauer Orientierung und in Berücksichtigung der Urteile massgebender Persönlichkeiten in Palästina, endlich auch nach Rücksprache mit de» Leitern der grossen Organisationen, welche das Schulwesen in Palästina beeinflussen, hielt der Misrachi Jaffa für geeignet — so berichtet die „Palaestinau — dort seine Schule zu eröffnen. Nachdem sich auch Herr Oberrabbiner Kuk Jaffa mit dem Projekte einverstanden erklärt hat, soll die Eröffnung der untersten Klasse baldmöglichst erfolgen. Die Schule soll ihren Zöglingen eine gründliche jüdische Bildung aus Tnach und Schass vermitteln uüd sie zugleich befähigen, als pflichtbewusste, gesetzestreue Juden ihren Lebensunterhalt durch redliche Arbeit selbständig zu erwerben. Die Unterrichtssprache wird das Hebräische sein; Arabisch als Landessprache, soll vom zweiten Schuljahr an gelehrt werden und eine europäische Spraohe nur in den oberen Klassen und nur in dem Umfang, als es die Handelsbeziehungen Jaffas, resp* Palästinas erfordern. Auf diese Weise hofft der Misrachi, die strebsamen und tüchtigen Elemente, welche heute infolge der zu hohen Bewertung der europäischen Sprachen im Unterrichtsplan der palästinensischen Jugend zur Auswanderung verleitet werden, zur Sesshaftigkeit in Palästina zu erziehen. Wo bleibt aber die t ü r k i s c h e Sprache? Es wäre sehr angezeigt, wenn die Begründer der hebräischen Mittelschule für die neue Entwicklung des ottomanischen Reiches offene Aucjen hätten. Die heiligen Stätten in Palästina. Der arabische Reisende Carsten X i e b u h r zählt in seinen Reisebeschreibungen zu Ende des XVIII. Jahrhunderts folgende heilige Stätten der Juden im heil. Lande auf: 1. Ein Stück von der;dten Ringmauer des Tempels an (kr Westseite der grossen Moschee. (Die heutige sog. Klägern a u e r der Juden.) 2. Die Crundmauer \m einem Gebäude, das von David aufgeführt, die Stelle, wo Salamos Studierstubc gewesen ist und die Gräber dieser beiden Könige. Alles auf dem Berge Zion. 3. Die Begräbnisse Absnloms. Zacharias, Sauls und Jeremias in dem Tal Josaphat. Hier besuchen die Juden auch die G r ä b er de 1 P r o p h e t e n Jesaja und Gad. Doch sagte ein anderer, Gad sei zu Hebron begraben. 4. Die Gräber der Könige und Simons des Gerechten nach Norden, nicht weit von der Stadt. 5. Die'Gräber des Uzias und der Prophetin Hulda am Oelberg. 6. Raheis Grab vor Bethlehem. 7. Die Höhe Samuels, östlich davon. <S\ Die < I räber A 1) r a h a m s, Isaaks und Jakob s. dur Sara, Rebekka und Lea zu Hebron. Ein anderer Jude sagte, auch Adam und Eva wären da begraben. Auf dem Markt zu Hebron zeigt man auch die Stelle, wo Abner begraben ist und ausserhalb dieses Orts die Gräber des Isai und der Hohenpriester Athanicl und Ben Knas. 9. Das Grab Josua zu Phaniieres, nicht weit von Jerusalem. 10. Die Gräber T >sefs, Manasscs und Ephraims zu Sichern. 11. Das Grab Elias, des Sohnes Achisanoch zu Sokkolh. 12. Das Grab Jclhub, Mosis Schwiegervaters, in dem Dorf Chittin (zwischen 'Liberias und Akko). 13. Das Grab Simons, des Sohnes Johai, Elieneis und von Schammai und Ilillel in der Gegend von Safed. Hier und in Tibcrias ruhen auch viele Tenaim (Rabbiner, die am Talmud gearbeitet haben): Rabbi ben A k i b a, Josef Karo und Isaak Luria, ein-Deutscher und einer der grössten Kabbatisten. 14. Die Gräber Banaja ben Jojada und Jonathan ben Oziel in einem Dorf Beth Kahla oder Gobiin. 15. Das Grab des Propheten Nathan in einem Dorf Chalehul. 16. Die Gräber Pinas, Aarons Sohn und seiner Sohne Lazar und Ithantar in einem Dorf Navarla. 17. Das Grab Rabbi Juda ben Baba, eines Talmudisten zu Separam iSavagla?\ drei Stunden von Akka. 18. Das Grab Rabbi Gomliel zu Jahna. i<). Der Opferstuhl des Propheten Elia auf dem Kavmel. 20. Die Wohnung des Propheten Elias bei Scrfati, nicht veit von Sidon. .,Subotniki." Pekanntlich existiert in Russland die Sekte der sogenannten ..Subotnik" i'Sabbathleute) oder „Gerim" (Fremde. Proselvten ■, religiöse russische Bauern, die zunächst den Sabbat als'Ruhetag anstatt des Sonntags annahmen und dann ganz zum Judentum übertraten. Vor Jahren wurden eine Anzahl dieser „Gerim" von der Tcwish Colonization Association bei Lemma in Paliistina angesiedelt, da sie durchaus nach Palästina auswandern wollten" und damals von der russischen Regierung sehr verfolgt wurden. Viele mussten das Land wieder verTassen,' weil sie das Klima nicht vertragen konnten. Ceber oin ganzes Dorf dieser „Subotniki" berichtet der Missionar Eaber: Auf der Reise zwischen Tiflis und Erikvan kam ich nach zwanzigstündiger Fahrt auf einem kleinen russischen Postwagen an den Goktschasee. Der Weg führt aus der heissen Ebene immer höher hinauf in schneebedecktes Gebirgsland. Der wundervolle See liegt höher als irgend ein anderer Gebirgssee der Welt und ist grösser als der Bodensee. Unmittel-

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