Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. ©eufschcs Reich. Die zionistische Jahreskonferenz. Köln. Am Dienstag, dem n. August, begann hier die zionistische Jahreskonferenz ihre Sitzungen, an denen etwa 40 Vertreter des Grossen Aktionskomitees der zionistischen Orgmisation aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Russkmd, Rumänien, Belgien, Niederlande, Frankreich, Schweiz, Nordamerikai Südafrika und Palästina teilnahmen. Aus dem Bericht des Engeren Aktionskomitees ergibt sich, dass die Zionisten seit dem letzten Kongress eine rege Tätigkeit sowohl in ihrer Propaganda wie auch in der praktischen Arbeit in Palästina entfaltet haben. Der Kassenbericht des Kölner Zentralbureaus fü>' das Berichtsjahr balan -.iert mit 150.139,70 Mark. Ki icn wichtigen Punkt der Beraumgen bildete die Aenclerung der Verhältnisse in der Türkei, die ja für die Bestrebungen des Zionismus von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Zu diesem Punkt nahm die Jahreskonferenz folgende Resolution an : ,,Die in Köln versammelte Jahreskonferenz begrüsst freudig die von Sr. Majestät, dem Sultan, gewährte Neuordnung d.-r Verhältnisse im Türkischen Reiche, indem sie der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gibt, dass diese zur Festigung des Reiches beitragen und das "Wohl aller seiner Völker fördern wird." Die Berichte der Vertreter der einzelnen Landesorganisationen legen Zeugnis ab von dem Wachstum der Bewegung in den verschiedenen Ländern. Nur in England ist ein Stillstand zu verzeichnen, der hauptsächlich auf Zwistigkeiten der englischen Führer der Bewegung zurückzuführen ist. Zu grossen Auseinandersetzungen gab die Finanzlage der )rganisation Anlass. Das Engere Aktionskomitee hatte nämlich vorgeschlagen, die verschiedenen Institutionen und Fonds der Partei, wie die Jüdische Kolonialbank, den Jüdischen Nationalfonds u. a. zu gewissen massigen Beitragen an die Organisation, der sie ja ihr Entstehen und ihre dauernde Weiterentwicklung verdanken, heranzuziehen. Dagegen wurden indessen von verschiedenen Seiten Betlenken geltend gemacht, sodass schliesslich eine Finanzkomjssion von sechs Mitgliedern eingesetzt wurde, die einen Plan zur Umgestaltung der Finanzen der Organisation als solcher ausarbeiten soll. Weiter beschioss die Jahreskonferenz einen „Palästina-Kulturfonds" zu begründen, der erst dann praktische Arbeit leisten soll, wenn er die Summe von 100.000 Mark erreicht hat. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sich auf wenigstens 100 Mark belaufen. Zu diesem eisernen Fonds dürfen nur die Zinsen verbraucht werden. Neben diesem eisten soll noch ein zweiter Fonds aus den eingehenden Beträgen unter 100 Mark gebildet werden, von welchem 50 Prozent der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. Die zionistische Jahreskonferenz beschäftigte sich ausserdem mit einer grossen Anzahl interner Fragen, wie Bildung neuer Federationen, zionistische Presse, Schekel-Sammlung, Parteifonds usw., ferner mit der Stellungnahme der zionistischen Partei zu der geplanten alljüdischen Ivolonisations-Organisation u. a. Die zu gleicher Zeit in Köln tagende Generalversammlung der Jüdischen Kolonialblink beschioss die Verteilung einer Dividende von 6 Pence pro Pfund-Aktie, d ,h, von 2,5 Prozent für das letzte Geschäftsjahr. In dem Bericht des Aktionskomitees werden auch die vielfachen übertriebenen Mitteilungen berichtigt, die über die Höhe der Kosten des Bankprozesses (Abänderung des Memorandums : Einschränkung der Tätigkeit auf Palästina und seine Nachbarländer) in Umlauf gesetzt worden waren. Tatsächlich betragen die Gesamtkosten des Pro - zesses löui Pfund etwa 33,000 Mark, *füH<ci. Der neue Cbacham Baschi. Konstantinopel, den 17. August. (Mitteilung des Deutsehen Burtaus der Alliance Israelite Universelle.) Als Nachfolger Moise Levy's ist Nahoum, Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar der Alliance Israelite Universelle, zum Kaimakaiu Chacham Baschi der Türkei, d. i. zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans, gewählt worden. Herr Nahoum, der den Ruf" grosser Gelehrsamkeit geniesst, ist erst vor wenigen Wochen aus Abessinien zurückgekehrt, wohin er im Auftrag der Alliance Israelite Universelle eine Expedition zur Ermittlung der Lage des jüdischen Falascha- Stammes mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet hatte. GEMEINö5=unö V5R5iNSNftUWilWW Wien. Dank den Bemühungen einiger hiesiger TarnojKiler fand Dienstag den 4. d. M. die konstituierende Generalversammlung des neugegründeten Vereint's ,,D i e Turnnpolcr" statt, der einen neuen Ring in der Kette der sieh bildenden und bereits bestehenden Landsmannschaften galizischer Juden bildet. Nach Eröffnung der Versammlung durch die Prominenten wurden die von der k. k. Statthalterei bereits genehmigten Statuten verlesen und dann zur Wahl des Ausschusses geschritten. Ks wurden gewählt zum Obmann: Willi. Wolfensohn: zum Obmann-Stellvertreter: Moses Hammer: zum 1. Schriftführer: Roscnfeld; zum 2. Schriftführer: David Wiiltcnsdh n; zum 1. Kassier: K. Tolczyner; /.um 1. Kassier: Merlin, sowie ausserdem noch 12 Beiräte und 3 Revisoren. Nach vorgenommener Wahl erklärte der neugewühlte. Obmann den Verein für konstituiert, dankte namens des Aus Schusses für das Vertrauen und versprach eifrig für die Interessen des Vereines zu arbeiten. Sodann ergriff Herr Mos-s H a m m e r das Wort zu einem Appell, indem er die Gründung dieses Vereines begrüsste und seine Genugtuung darüber aussprach, dass sich unbewusst aus der Mitte der galizischen Juden, ohne Anstoss von irgend einer Seite, das Bedürfnis nach Organisation geltend mache. Der Redner drückte den Wunsch aus, dass si'h die verschiedenen Landsmannschaften zu einem Verband nach dem Muster des in Xew-Vork bereits bestehend u zusamrnenschliessen mögen. Als Sitz des Vereines wurde das Cafe Tolczyner, IL, Karmclitcrgasse 13. bestimmt, woselbst auch bereitwilligst Auskünfte erteilt und Beitrittserklärungen entgegengenommen werden. Mitgliedsbeitrag K 1 monatlich; Einschreibgebühr K i.-—. LT. Wien. Der Kultusvorstand erlässt nachstehende Kundmachung: Nach dem behördlich genehmigten Statute der Wiener isr. Kuitusgemeinde sind u. A. vom aktiven Wahlrechte für den Kultusvorstand jene Kultussteuerträger ausgeschlossen, welche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Wahl-Reklamati. ms-Termines. diesen Tag mitgerechnet, für das laufende Tahr die Kultussteuer nicht bezahlt haben. Im Hinblicke auf die in diesem Jahre stattfindenden Wahlen werden die P. T. Steuerträger, welche mit der Kultussteuer noch im Rückstände sind, eingeladen, diese bis zum angegebenen Zeitpunkte, d. i. bis spätestens 24. September 1908, zu entrichten, da andernfalls die Aufnahme ihrer Namen in die Liste der Wahlberechtigten im Hinblicke auf die obenzitierten statutarischen Bestimmungen unzulässig wäre.