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Neue Nationalzeitung · 1908-08-21 · Heft 33 (21.8.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 ,Neue National-Zeitung' Seite 5. gemässigten Zone, und die dort verlebten Tage waren weit angenehmer als irgend weMic, die wir zur gleichen Jahreszeit in nördlichen Städten der Vereinigten Staaten verbracht haben. Diese Möglichkeiten machten ein.n sa starken Eindruck auf mich, dass ich mich beeilte, d.'m Ciouverneur, Miguel A Ii u m a d a, meinen Empfehlungsbrief vorzulegen. Dieser Mann ist ausserordentlich fortschrittlich, und seine Lebens-Geschichte best sich wie die eines amerik,misch.-n Helden. Durch seine ausnehmende Energie und Verwendbarkeit brac hte er es vom Grenzpolizisten erst zur Gouverneurschaft des Staates C'hihuahua und nun zu der noch wichtigeren (U-s Staates Jaliseo. Er ist mit Leib und Seele für das Wohl der Stadt und seiner Landsleute bedacht und gab mir die Versicherung, dass religiöse Freiheit ni<iit nur auf dem Papier gewährt sei, sondern, auch in Wirklichkeit, und da-s alle Glaubensbekenntnisse von der Regierung im weitesten Sinne beschützt werden würden. Er erkennt die wunderbaren landwirtschaftlichen Vorteile seines Staates und der Nachbarschaft von Guadalajara, doch als man ihn fragte,;>b besondere Begün>:igungcn eingeräumt werden könnten, erklärte er, dass dies immöglich sei. Dagegen würde jeder neuerrichleten Industrie ein fünfjähriger Steucr-Nachla^s gewährt werden, weil mich eine Anzahl Industrien in seinem Staat.' nicht vertreten seien. Je mehr ich von der Stadl, ihrer Schönheit und ihrem Fortschritt sah, je mehr ich ihre landwirtschaftliche Eignung erkannte, desto mehr fühlte ich, dass sich, hier eine goldene Gelegenheit biete, unsere bedrückten Glaubensgenossen in einem Land der Freiheit und der Lebensmöglichkeit anzusiedeln. Wenn die 7\,>nisten und Itoisten die Hälfte ihrer Energie dazu verwenden würden, die Enterdrückten in Orten wie diesen anzusiedeln, könnte das [udcnproblcm zeitweise gelöst und das Elend, das in Neu- York herrscht, vermindert werden. N i c h t G a 1 v e s t <> n. s o n d e r n V e r a C r u z sollte d e r E i n g a n g s h a f e n für die 1) e d r ü c k t e n J u d e n w e r d e n, die aus R u s s- 1 a. n d u n d R u m ä n i e n e n t f 1 i e Ii e n. Gegenwärtig sind in Guadalajara ungefähr sechs oder sie!)en Leute, die ihr Juden'um eingestehen und sich seiner nicht schämen. Ebensoviel^ —- einige davon sogar in hervorragender Stellung -- wünschen nicht, als Juden bekannt zu werden und verleugnen ihr Judentum. Als ich Guadalajara verhess, hatte ich nur einen Gedanken: hier wäre ein vernachlässigter Garten, eine wundervolle Stätte für Wohnungen und Fnterkunft für viele unserer Unterdrückten. Hier wäre ein Staat mit einem so liberalen und hochsinnigen Führer, als nur irgendwo gefunden werden könnte, welcher Ansiedler, die eine wirkliche Heimat suchen, willkommen heissen würde, und hier war eine vernachlässigte Gelegenheit. ®te jüdische V0isscflscllaf^ auf dem internationalen ©Hentalisten* HonjJfesse in Kopenhagen. K o ]) c n?! 'i g c n. 14. August 1908. An dem heute von S r. kgl. Hoheit, dein K r o n p r i n z cn Chris t i a n v o n I) ä n e m a r k , feierlieh eröffneten internationalen ()rientalisten-Kongresse sind Bibel- und Talmud-Wissenschaft durch eine stattliche Reihe von Gelehrten vertreten. Im Programme der bei den verschiedenen Sektionen zu haltenden Vorträge figurieren, unter Sektion IV a (Semitische Sprachen und Altertumskunde 1 Vorträge von Prof. D. Simonsen (Kopenhagen). Oberrabbiner Dr. L e r n e r (Altona), Professor Dr. P. H a u p t (Baltimore), Prof. L. G ü 11 z b e r g (New-York), Stanley A. Cook (Cambridgei, Prof. T. W. Da vi es (Bangor), Rev. Dr. H, Pcreira-Mendcs (New- Yo k), Dr. Chajes (Florenz), und von den Öster, reichischen Mitgliedern Prof. Dr. P. N. Schlögl (Stift Heiligenkreuz) und Dr. Armand Kaminka (Wien). Als Vertreter der österreichischen Regierung und der Akademie der Wissenschaften sind Hofrat Prof. Dr. J. von Karabacek und Prof. Dr. Leopold von Schröder, für die Prager deutsche Universität Prof. Winternitz, erschienen. Von jüdischen Gelehrten sind ferner aus Ungarn Prof. Goldzicher und Dr. Vcnctiancr, aus England Mr. Elkan Adler, Bruder des Chief Rabbi, aus Frankreich Aloise S c h wa b, aus Deutschland Dr. Brann, Dr. J a h u d a, Prof. M a y b a u m, Dr. Vogelstein und von nichtjüdischen Autoritäten der alttestamentlichen Exegese und semitischen Philologie die Professoren Enting, Bezold, Gunkel, König, Nowack, Marti, Alfred Jeremias, Merk, Kautzsch, Zimmern, sowie zahlreiche Forscher auf dem Gebiete der hebräischen, syrischen, arabischen, assyrischen Literatur aus den anderen europäischen Ländern und aus Amerika und Asien. Ausser der vierten, rein semitischen Sektion der Kongressverhandlungcn, enthält auch die sechste (Griechenland und Orient) Vorträge jüdischen Inhalts, so von Prof. Sp. Lambros aus Athen über die J u d c n G r i e c h e n 1 a n d s im Mittelalter, von Pr )f. Merk über armenische Bibelhandschriften und von Dr. B e 11 e 1 i - London über ein Manuscript der griechischen Bibelversion in Venedig. Die sensationelle Veröffentlichung Dr. Gast e r s in London über das samaritanische Buch Josua war heute in der 6. Sektion Gegenstand einer vernichtenden Kritik von Dr. Jahuda, leider in Abwesenheit Gasters, der angemeldet war, aber nicht gekommen ist. Am Montag werden Dr. Venetianer über die Beziehung der Haftaräs zur katholischen Liturgie und Dr. Kaminka über die Komposition des Scheeltot des R. Achai und die Rhetorik an den babylonischen Hochschulen sprechen. Die Firma Drugolin in Leipzig hat den Kongressmitgliedern einen Kalender gewidmet, der auch in hebräischer Sprache und sogar in rabbinischem Stile interessante Humoristika enthält. Natürlich hat das dänische Komitee für einen sehr gastfreundlichen Empfang gesorgt. Der Kronprinz hielt im Namen des Königs zur Begrüssung eine sehr schöne französische Rede. Im Rathaus findet eine von der Stadtverwaltung veranstaltete Soiree, Sonntag ein gemeinsamer Ausflug nach Helsingör, dann am letzten Tage ein offizielles Bankett statt. Das besonders interessante ist, dass obwohl die Juden (und namentlich die religiösen) einen verschwindend geringen Bruchteil der Kongressmitglie-. der bilden, infolge der dankenswerten Intervention des Professors Simonsen das Komitee für eine s t r e n g rituell e Abteilung beim Bankette gesorgt hat. — a. Unsere P. T. Abonnenten werden dringend ersucht, den noch ansstindigen AbOBnetteaW Betrag nachzuzahlen. Die Admlndstratien.

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