Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. Ein klassisches Beispiel für das Denunziantentum dieses Landesschulrates bilden die jüngsten Roligionslehrer-Ernennungen in der hiesigen Gemeide, linser Kultusvorstand hatte drei Religioaslohrer- Stellen zu besetzen. Es wurde daher beschlossen, drei Lehrer, und zwar zwei hiesige und einen auswärtigen, Herrn Akiba Hoff mann aus Jaslo, dem Landesschulrate vorzuschlagen. Der Bcschluss unserer Gemeindeväter bezüglich des Herrn Hoff mann kam erst nach langen Beratungen zustande. Er wurde nämlich zionistischer Gesinnungen verdächtigt. Allein im Hinblick auf seine sonstige vorzügliche Qualifikation wurde ihm diese Gesinnung not abcne hat sich der M a n n noch nie zionistisch betätigt — verziehen. Irgend ein Werkzeug des Herrn Sternbach hat diesem davon nach Wiesbaden Mitteilung gemacht; Herr Sternbach hat nichts Eiligeres zu tun, als sofort dem Präsidenten des Landesschulrates in Lemberg, Dr. von Demb o r s k y, einem erzklerikalen Stanczyken. die Gesinnung des Kandidaten Hof mann zu denunzieren. Gleichzeitig schrieb der Herr Sternbach an den Präsidenten unseres Kultusvorstandes, Dr. Tilles, einen Brief und forderte kategorisch, dass Hofmann aus der Liste gestrichen und statt seiner ein anderer Lehrer vorgeschlagen werde. Im Hinblicke auf diesen Brief beschloss der Vorstand, den Präsidenten nach Lemberg zu entsenden und dort den Boden zu sondieren. Wirklich erfuhr der Kultus-Präsident vom Präsidenten des Landesschulrates, dass er bereits informiert sei und in die Ernennung Hofmanns nie einwilligen werde. Hierüber fand eine neue Sitzung des Kultusvorstandes statt, in welcher die Person Sternbachs gehörig gebrandmarkt wurde. Allseitig wurde der Leberzeugung Ausdruck gegeben, dass man es hier mit einem Denunzianten zu tun habe, der beseitigt werden müsse. Allein den Mut zum Kampfe haben die Herren doch nicht aufgebracht. Nicht umsonst sind sie ein Kanal. Sie haben also nachgegeben. Hoffmann wird gestrichen und Präsident Dr. Tilles bekommt am 2. Dezember seinen Franz Josefs-Orden. Derselbe war sc hon in Gefahr. Deutsches Reich. Ein Artikel von „Ost und West". Berlin, den 6. August. (Orig.-Korr); Sie haben in Ihrer vorigen Nummer berichtet, wie die parteizionistischen Blätter die hiesige Allianz wegen des Artikels der Monatsschrift „Ost und West" scharf angegriffen haben. Ich erfahre nun, dass in der nächsten Nummer dieser Zeitschrift eine vom Geheimrat G o 1 d b e r g e r, als Präsidenten der Allianz, gezeichnete Erklärung zur Veröffentlichung gelangt, wonach die Allianz jede Verantwortung für die redaktionelle Leitung dieses Blattes ablehnt. Der samaritanische Josua — unecht Berlin. In der letzten Sitzung der königlichen Akademie der W issenschaften vom 30. Juli ist eine Abhandlung von Dr. A. S. Yahuda, Dozenten für semitische Philologie in Berlin, über die Lnechtheit des von Dr. Gaster in London aufgefundenen samaritanischen Josua vorgelegt worden. Auf Grund von sprachlichen und handschriftlichen Studien will Yahuda nachweisen, dass der samaritanische Josua das Werk eines samaritanischen Kompilators der allerletzten Jahrhunderte, und in Wirklichkeit aus arabischen Chroniken der Samaritaner und dem hebräischen Text des biblischen Josua zusammengestellt sei. Die Abhängigkeit des samaritanischen Josua von einer solchen C h r o nikaus de m ,XI V. J a h r h u n d e r t n a c h Christ o soll unzweifelhaft sein. Was denjenigen Teil des samaritanischen Josua betrifft, der mit dem biblischen Josua parallel geht, so ist er nach Ansicht Yahudas vom biblischen Josua bis auf die orthographischen Fehler abgeschrieben worden. Am Ende seiner Lntersuchung gelangt Yahuda zu dem Schlüsse, dass der samaritanische Josua unmöglich vor dem XVI. Jahrhundert verfasst worden sein kann. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Gegenstandes hat die königliche Akademie der Wissenschaften beschlossen, die Abhandlung des Dr. Yahuda in ihre Schriften aufzum-hmen und bald zu veröffentlic hen. Die Abhandlung dürfte in einigen Tagen erscheinen. G5MEiNU5= VGRekNSNÄUWilRSW Dresden. Der Jahresbericht der hiesigen israelitischen Religi msgemeindc .gibt einen l "eberblick über die Scelen/ahl der j ü d i s c h e n J> e \ ö 1 k e r u n g im Knnigreieh Sachsen. Danach, haben jüdische Seelen: Leipzig 793N, Dresden 3931, Chemnitz 15^9, flauen (>o<>, Zwickau 231, Zittau 197, Annaberg 147, liautzen 75. in Summa 14.697 — 0.32 der Ge- ^,amtbe\ ölkerung). Durch Gesetz \ >n 1904 sind die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden Sachsens auf eine gemeinsame ^gesetzliche Grundlage gestellt und die jüdischen Gemeinden als öffentlichrechtliche K iriw>rati<>nen mit dem Recht der Steuererhebung anerkannt v. >rden. Der Kultussteuerbedarf der Dresdner jüdischen Gemeinde betrug 1907 (, 1.3S0 Mark und beträgt nach dem von der Kreishauptmannschaft genehmigten Ilaushaltungsplane für 1908 60.830 Mark. ALLEN WClttfilEN Hütet euch vor Kupfergeschirr. Vor kurzem wurde in Saarburg eine jüdische Hochzeit gefeiert, an welcher zirka 100 Personen teilnahmen. Am anderen Tage erkrankten die meisten Festteilnehmer unter Vergiftungserscheinungen und Magenbeschwerden, so dass sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden musste. Es wurde festgestellt, dass die Erkrankung auf den Genuss von Fischen zurückzuführen sei, welche in einem kupfernen Kessel gekocht worden waren. Wahrscheinlich hat sich in demselben Grünspan angesetzt. Nach Aussage der Aerzte wäre die Sache gefährlich geworden, wenn man nicht so viel Mineralwasser getrunken hätte. Jetzt geht es den Kranken zum Glück wieder besser, und in einigen Tagen werden alle wieder hergestellt sein. Dieser Vorfall sollte aber allen zur Warnung dienen, dass sie sich vordem Gebrauch von Kupfergeschirr, sofern es nicht sorgfältig vorher gereinigt und geputzt ist, hüten. Ein Gutachten für das Schächten. Angesichts der auch auf Oesterreich übergreifenden Hetzbewegung gegen das Schächten, wovon in vden letzten Tagen das czechisch-klerikale Organ „Öech eine Probe gegeben hat, ist es nun notwendig, die Gutachten verschiedener Autoritäten, die zu entgegengesetztem, wissenschaftlich fundiertem Urteil gelangen, zu verlautbaren. Ein solohes Gutachten hat jüngst Prof.