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Neue Nationalzeitung · 1908-08-14 · Heft 32 (14.8.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32. „Neue National-Zeitung-" Seite 7. tcnsens ..Die christliche Ethik" eine Auslese bekannter Aussprüche von ihm über die Torheit enthielt, den Juden Bürgerrechte zu verleihen. Es berührt sonderbar, die Worte des Mannes, der vor einem Menschenalter in Dänemark die äusserstc Reaktion bezeichnete, nun von jungen schwedischsprechenden Männern des um seine Unabhängigkeit ringenden Finnlands angeführt zu sehen. Den Herren seheint eine Antwort gänzlich unbekannt zu sein, die ein anderer dänischer Bischof, nämlich D. G. Monrad, in seiner Schrift ,.(iegenrede des Liberalismus auf Bischof Martensens soziale Ethik" auf diesen Angriff gab. Martenscn hatte gegen die modernen Juden u. a. geltend gemacht, dass man \mter grossen historischen Krisen, die für das Schicksal der Nationen entscheidend seien. :Uungestört ihren Geschäften nachgeben und Berechnungen über das Steigen und Fallen d -r Siaaispapiere anstellen sehe. Monrad fragt, ob die christlichen Beamten unter solchen Verhältnissen unterliessen, ihre Gehalte zu beziehen, ob di - Hauern aufhörten zu pflügen und zu säen, ob diejenigen, die (I Ider in der Sparkasse hätten, auf sie wegen deren Ausbezahhmg loszustürmen vergässen, und erinnert an die grosse Krise vom fahre 1S48. Kr erklär! es als im TnJeresse des Staates gelegen, dass die Bürgel" während grosser Umwälzungen ihre Tätigkeit möglichst ungestört fortsetzten. Bischof Martenseu hatte den Juden vorgeworfen, dass sie ..ein Gefühl ihrer Inferiorität" hegten, wenn diese auch von niemand anderem als von ihnen selbst anerkannt werde. Monrad antwortet: ..Martenscn macht darauf aufmerksam, dass die Juden ihre Nationalität als eine königliche betrachteten, zu der alle anderen Nationalitäten in einer Art YasallcnverhäUnis zu stellen hätf-n. Ich pflichte dieser jüdisc hen Anschauung bei. obgleich ich sie zum Teil auf andere Gründe stütze als die Juden." Und mit jener Mischung gesunden Menschenverstandes und bischöf]i< her Rechtgläubigkeit, die für Monrad bezeichnend ist. fährt er fort: ,! ..Das jüdische Volk ist nicht allein merkwürdig, es ist ganz und gar einzig dastehend. Die Juden sind in unserer Mitte und legen, nicht durch ihr Bekenntnis, wohl aber durch iIir Dasein, Zeugnis von der Wahrheit der Offenbarung ab Man hat mir gesagt, dass Judenblut stärker s i als .jedes andere Blut, dass in Mischehen der jüdische Yolk-tvpus weit kräftiger durchschlage als jeder andere Yolkstvpus. Wenn man die geringe Zahl der Juden bedenkt, und dann erwägt, wie viele sich zu Einfluss und Bedeutung in der Gesellschaft -em oorringen. so kann man nicht umhin, die Ueberlegenheit der jüdischen Nationalität anzuerkennen Denkt nur. wenn Dänemark zu Grunde ginge, wenn die Dänen als Sklaven verkauft und in der ganzen Welt verstreut würden, wie lange würde es wohl währen, bis jede Spur der dänischen Nationalität verschwunden wäre? Aber über achtzehnhundert Jahre;s; es jetzt, seit Jerusalem eingenommen, der jüdische Staat vernichtet und die Juden in der ganzen Welt verstreut wurden, und noch heutigen Tauebesteht die jüdische Nationalität. Ist das nicht merkwürdig? Wenn wir das sehen, M-hen wir nicht mit eigenen Augen ein Wunder?" Monrad ist davon so betroffen, dass ihm eine natürliche Erklärung nicht genügt. Er fährt als der rechtgläubig - < 'In ist. der er ist, folgendermassen fort: ..Woher kommt das? Weil die Juden das auserwählt" Volk Gottes waren. Als der eingeborene Sohn Gutes sich mit Menschennatur umkleidete, umkleidete er sich auch mit einer Nationalität. Mit welcher? Der jüdischen. Deshalb stellt sich die jüdische Nationalität so hoch, deshalb sage ich, dass sie mit Recht sich die königliche nennt. Christus sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters und lenkt die Welt, nicht allein als Gottes-, sondern auch als Menschensohn, nicht allein mit der göttlichen, sondern auch mit der menschlichen Natur. Wenn dem nun so ist. dass die menschliche Natur, -o rein sie sei. ein nationales Gepräge erhält, so nimmt die jüdische Nationalität tatsächlich an der Weltenlenkung teil, und alle anderen Nationalitäten stehen mithin in einem Vasallen Verhältnis zu ihr." Denken wir minder Rechtgläubigen uns einen Augenblick, dass Jesus von einer finländischen Mutter oder einer norwegischen, einer jütlündischen geboren woid ai wäre, kann sich jemand vorstellen, wie hoch den Finnen. Norwegen oder Jütcn der Kamm geschwollen wäre? Keinem von dmen hätte man nahen können. Der Erlöser der Welt ein Jütländer! Sind die Anhänger der jütländischen Bewegung auch s > schon unverfroren, wie wollten sie da die Nase in die Wolken stecken! Und man sage nicht, dass die jüdische Nati m ihren Teil an der Lenkung des Sirius. Orion und der Milchstrasse dadurch verscher/t habe dass sie ihren berühmtesten Sohn kreuzigte. Zweifelt irgend wer daran, dass die anderen Nationen ebenso gehandelt hätten? Reichten nicht die Griechen Sokratcs Gift? Ermordeten die Römer nicht Ca jus Julius Cäsar? Verbrannten die Franzosen nicht lebendig Jeamve d'Arc? Oder man denke an Italien und Böhmen. Welches Ende wurde Giordano Bruno und Jan fluss bereitet? Kein anderes als der Tod auf dem Scheiterhaufen! Doch Monrad hat auch auf diesen Einwand eine Antwort. Er schreibt: ..Man könnte vielleicht einräumen, dass die Juden das auserwählte Volk Gottes gewesen sei n dann aber fragen, ob sie nicht durch die Kreuzigung d-s Erlösers die Herrlichkeit verscher/t hätten und die Kinder der Verdammnis und des Zorne-. Gottes geworden wären. Las-en wir den Apostel Paulus diese Frage b antworten Er s'hrcibt in dem Briefe an die Römer: .Denn ich w;ll Euch Brüder über dieses Geheimnis nicht in Unwissenheit 1 i-sen danrt Ihr nicht Euch selbst erhebet''!, dass die Blindheit einem Teile von fsraef zuteil geworden, bis die Füll - der Heich-ii eingegangen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden. Sie sind zwar in Hinsicht des Evangeliums Feind' um Furetw allen; aber in Hinsicht der Auserw ählung sind sie Lieblinge um der Väter willen: denn Gottes (iahen und I't rufung gereuen Gott nicht." Die Herausgeber der Zeitschrift Der Leuchtturm mögen daraus lernen, das-, es yur Z -it de-s Bischofs Martenseu «-inen anderen und grösser -n L;-eä. ,f in Dänemark gab, dessen Denkweise von der seinem Amuhruders stark abwich und in besserer Uehereinstimmung mit den wirklichen Verhältnissen wie mit wahrem Christentume stand. Tndess,.,, will es mir scheinen, dass die Männer v »u jüdischer Geburt, die. wenn s;e di;- biblische Mvtlologie un widersprochen gelassen hätten, ihrem Stamm '-in..]! \nteil an der Weltherrschaft gesichert haben würden, s:ch einiges Verdienst einlegten, indem sie das ihrige dazu beitrugen, den Glauben m die luden als auserwähltes Volk Gottes zu untergraben Iijs; und bh-ibt ungewiss. ob ein Finne. Norweger ixl'-r Jütländer wäre der Allmächtige in Finnland. Norwegen oder Jütland zur Welt gekommen aufgetr'ten wäre, um seiner Nation den I'einamen der königlichen und einen reichlichen Anteil an der Herrschaft über das Wehall abzu sDK clien. Ein Mann v >n Hübscher Abkunft, d -r sich gegen die Lehre von den iud"n aU dem ei" -ntümlichen Volke Gottes oder für das Recht der I-'iu'ilämle'- auf ooh'tisehe Fpabhängigkeit und bürgerliche Freiheit ausspricht kann zum mindesten in keinem der Baden FäH" in den Verdacht kommen, seinen eigenen Vorteil zu suchen. Die Annahme lag nahe, dass des n- «! -nie Finnland die im Lande lebenden Juden aus koides-Um-ll n Gründen ausserhalb de- Gesetzes stellte. Die Fine-u sind ia im g rissen und ganzen ein rechtgläubiges Volk, bei dem die Geistlichkeit sä h grossen Einfluss bewahrt hat Indessen sagte man mir von den vei'selüedensten Se'ten, konfessionelle Gründ ■ hätten in diesem Falle nic hts z" b deuten. DU I äsin Ii be-ain mder-an. Man fürchtete die K Mtkurrenz che luden infolge ihrer An la"e zum Handel. falb nem ihnen das Rocht gäbe, unter >d> ichen Bedingungen den Wettbewerb mit den heimisch"!! T.andienten aufzunehm n Dies läuft darauf hinaus, dass man sie für ihre vermutete TücH-ekei' sti dt (»der nvm gibt als Cnmcl an. dass man wofern eleu Juden fr ier Einlass in Fiiclair! gewährt würde, ein M;»-'se"«*iuv:m'lernnyf aus Rtiss land /u befürchten hät'e Di -s-- Furcht dürfte grundlos sein. Die Eingew änderten würden sich aus der \rmut rasch emporarbeiten und dann in de zw -iten >•' ■'- dre' -n G -Iteration ein Kontingen' von ausserordentlich nü'zbchen Klenvrten zuführen. Doch flies ist nicht die Frage des Augenblicks. Die im \ugenb]ich vorliegen'' - Frage;st du-, weshalb das finnisch'» Volk, das selbst unter barier Behandhing gr'itten hat. selbst beständig gegen Unterdrückung' protestiert und im ganzen <-'u\ freiheitlieb -ndes Volk ist. keine m nsehh'chen Verhä'tm'ss-- de kleinen Schar von AB-uschen zugesteht über deren Wohl und Wehees für s--in Teil der abs .hm- Herr ist. Es klang' recht wehmütig.;ih ein iüdisch -r Student, in Finnland geboren und grosse, ezog -n mir sagte, dass mir unter Bobrikow der keiu -n Untc.-sehied machte, das Los der jüdischen Bevölkerung erträglich gewesen. S-Ibst Bobrikow war humaner als Finnlands Senat. Das finnische V -1k sollte gegen andere handeln, wie es von anderen behend h zu werden wünscht! In einer unserer nächsten Nummern erscheint ein Gedicht in Prosa von Morris Rosenfeld betitelt: „Going-Visionen."

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