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Neue Nationalzeitung · 1908-08-14 · Heft 32 (14.8.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32. Charakteristisch ist, class alle hier aufgezahlten Autoritäten in den Immigrationsfragen die grössten Gegner der Immigration sind. Diese Immigrationsfeinde haben sich vor 10 Jahren organisiert und die ,,Liga gegen die Immigration" in die Welt gerufen. Dieselbe gab schon während ihres kurzes Bestandes mehr als 40 Bücher und Broschüren heraus; dio eine feindlicher als die zweite10!. Die Anhänger de" Immigration haben auch eine Literatur, die sich aber bloss auf 20 Broschüren beschränkt11). Zum Schlüsse einige Worte über die Materialien zur Krforsrhung der jüdischen Emigration der neuesten Zeit. Eine genaue Erforschung der jüdischen Emigration wäre bis auf den heutigen Tag unmöglich geblieben, führte nicht die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika vor 8 Jahren eine bedeutende Reform im Fiihrungssystem der offiziellen Immigrationsstatistik durch. Bis zum Jahre 1898 begnügte sich die offizielle Statistik bloss mit der Registrierung der Emigrationsländer, d. Ii. mit der Feststellung der Nationalität der Emigranten. Die Behörden hielten fest an dem staatlich-territorialen Prinzip. Aber in diesem Jahre überzeugten sie sich, dass dieses Prinzip zur Bestimmung der kulturellen Höhe der Emigranten keineswegs genüge und das nationale Prinzip siegte. Die Behörden kamen darauf, dass der nationale Charakter von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staate unabhängig sein kann, und seitdem teilen sie auch die Emigranten nach den Nationalitäten ein. Auch die jüdischen Emigranten wurden unter einer Rubrik „Jüdische Nationalität" registriert. Das war wieier den Amerikanern „mosaischer Konfession'' nicht besonders angenehm und sie mühten sich umsonst ab, eine Aendcrung herbeizuführen. Erstens fühlten sie sich betroffen, dass es überhaupt wider ihren Willen eine jüdische Nation gibt; zweitens sahen sie darin eine „politische Gefahr" — die anwachsende Zahl der jüdischen Immigranten könnte doch auch in Amerika den Antisemitismus hervor - rufen. 1 Trotzdem führten dieselben Assimilanten selbst eine genaue Statistik aller Juden, die in den Haupthäfen von New-Vork, Philadelphia und Baltimore ausstiegen und das gibt uns die einzige Möglichkeit die jüdische Immigration in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auch vor dem Jahre 1898 verfolgen zu können. Natürlich sind diese Quellen nicht so genau wie jene der öffentlichen Statistik und ausserdem geben sie uns nur blosse Zahlen an, aber keineswegs die sozial-ökonomische Struktur der Emigranten. Das prozentuelle Verhältnis der jüdischen zur allgemeinen Immigration;ius Russland ist sehr verschieden. Die folgende Tabelle, die wir nach den Berichten des Generalkommissärs in Angelegen - heiten der Immigration zusammengestellt haben, zeigt uns wirklich, dass die Zahl der jüdischen Emigranten im Vergleiche zu den nichtjüdischen Emigranten aus Russland während der letzten 8 Jahre grossen Schwankungen unterworfen ist. 10) Immigration Restriction League. Publications Nr. 1—44. Boston, Mass 60. State Street. 12) National Liberal Immigration League. Publications Nr. 1-31. New-York, Es emigrierten aus R u s e 1 a n d nach den Vereinigten Staaten: Im Jahr« j SS 'S 11 s-s-s &2ä a ff-s d « •Ö Poteu 0 •a a ml "5 a « A a <o 0 •t M %-» .* ► m CS •3 ä « B tt a a m ® ® — ■^a S O 5 S M <* PS a NJ 1899 40 24.275 15.517 6.048 5383 6.838 1012 1.657 60.982 1900 40 37 011 22.5"0 12.515 5.349 10.297 1.859 1.J65 90.787 1901 44 37 66» 21.475 9.966 5.643 8.805 1.025 65* 85.257 1902 35 37.846 33.854 13.854 8.54? 9976 1.727 1.5S6 107.347 1903 35 47 689 39.548 28.77" 10.*85 14.4.0 1.511 H.565 136.093 1904 54 77.544 J2.547 10.077 7.128 12.707 871 3.907 145.141 1905 50 92.388 17.224 16.671 6 722 17.649 600 3.278 184.622 1906 58 125.234 46.204 13.461 10.279 13.697 937 5.282 215.665 GEORG BRANDES: ©ie Duden in fftnnland.*) Eine Nummer der mir bisher unbekannt gewesenen Zeitung „Israelitisches Familienblatt" ist mir jüngst aus Hamburg zugeschickt worden. Sie trug den aufgeklebten Vermerk : „Dieses Blatt enthält einen Sie betreffenden Artikel!" Der Artikel erwies sich als ein Angriff des Wortführers einer Deputation, die bei meinem Aufenthalte in Helsingfors bei mir vorgesprochen hatte. Der Angriff ist ebenso ungeziemend als unverständig. Man beschwert sich, dass ich die Deputation nicht sofort empfangen wollte, fleh hatte Besuch und wurde wenige Minuten später einer Verabredung zufolge anderswo erwartet.) Man beschwert sich über den eiskalten Empfang, den ich den Herren bereitet haben soll. (Ich hatte sie nämlich ohne weitere Einleitung gefragt: ,,Was wünschen Sie von mir?") Ich hätte sie „kaltblütig" statt warmblütig angehört usw. usw. Und all dies, obgleich ich ihr ,,Glaubensgenosse" sei! (Sie scheinen mich allen Ernstes für ihren Glaubensgenossen zu halten!) Zum Schluss wird die Hoffnung ausgesprochen, dass ich dafür umso energischer das tun werde, was sie von mir zu erbitten gekommen. Der also schreibende Herr, der als Wortführer einen ungemein ungünstigen Eindruck auf mich gemacht hat, hat sich nicht entblödet, ein ganz verdrehtes Bild von dem in meinem Hotelzimmer Gesagten zu geben. Wäre ich nicht so gutmütig gewesen, ihm zu willfahren und den Freund wegzuschicken, der bei mir war und nun eine Stunde vor der Tür auf mich warten musste, ich hätte nun einen Zeugen zur Seite, der sein ebenso unrichtiges, wie unvollständiges Referat richtigstellen könnte, darin nur eines genau wiedergegeben ist, meine offen geäusserte Abneigung, nach der mir in Finnland gewordenen herzlichen Aufnahme, etwas zu schreiben, was den Finnländern Missvergnügen bereiten könnte. Weil ich es mir abdringen liess, diesen Herrn zu empfangen, verlegt er sich jetzt auf öffentliche Angriffe in Bezug auf ein vollkommen privates Gespräch. Wollen die finnländischen Juden etwas erreichen, so tun sie gut, sich diplomatischere Fürsprecher zu sichern. Es fiel mir auf. dass die gedruckte Visitenkarte, mit der sich jene Deputation bei mir meldete-, weder in schwedischer noch in finnischer Sprache abgefasst war, sondern den folgenden deutschen Wortlaut hatte: „Deputation des Zentralkomitees für die Befreiungsbewegung der Juden in Finnland." Deshalb lautete, was in dem Artikel des Israelitischen Familienblattes nicht erwähnt wird, meine erste Frage: ..Diese Visitenkarte ist deutsch. Welche Sprache sprechen die Herren untereinander?" — Die Antwort lautete: .Jiddisch". Es schien nicht, als ob der Wortführer ausser dieser Mundart noch eine andere Sprache als Deutsch verstünde. Doch sollte man meinen, wer in einem Lande Bürgerrechte fordert, der müsste zu allererst die Sprache des Landes lernen, besonders, wenn er dort geboren ist! Es ist ja vielleicht viel verlangt, dass die Juden in Finnland nach *) Obigen Artikel veröffentlichte Georg Brandes nach seiner Rückkehr aus Finnland im dänischen Tagblatte ,,P o - 1 i t i k e n". Er beleuchtet darin in sehr origineller Weise sowohl seine eigene Stellung zum Judentum als auch seine Auffassung über das Recht der finnischen Juden auf Gleichberechtigung. Die Redaktion,

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