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Neue Nationalzeitung · 1908-07-31 · Heft 31 (31.7.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. Seite 9. Kiamil Pascha, der gegenwärtig als Minister an der Seite Said Paschas eine hervorragende Rolle bei der politischen Umgestaltung der Türkei zu spielen berufen erscheint, ist der Sohn eines zum mohammedanischen Glauben übergetretenen Juden. Er hat auch das typische semitische Aeussere. Dat neue Bvcb Jotua. Ueber das hebräische Manuskript, das Dr. Moses G a s t e r, der Oberrabbiner der spanischen und portugiesischen Juden in England, in Nabulus entdeckt hat und jetzt der Schriftforschung erschliesst, werden im „W o r 1 d Magazine" Einzelheiten mitgeteilt. Die Handschrift ist wenigstens 2t(X) Jahre alt und etwa zwei Jahrhunderte vor der Geburt Chiisti geschrieben worden, also fast ein Jahrtausend älter als das bisher bekannte älteste hebräische Manuskript, das Alte Testament in Petersburg, das dem achten Jahrhundert entstammt. Während das hebräische alte Testament genaue Daten nicht enthält, gfbt das neuaufgefundene Manuskript genauen Aufschluss über das Todesjahr Mosis: sein Tod wird auf das Jahr 2794 nach der Schöpfung angesetzt. Mit Hilfe der ägyptischen Chronologie hat man das Todesjahr Mosis' mit annähernder Genauigkeit um 1316 vor Christo angenommen, so dass nach der Fassung der Samariterbibel die Schöpfung 4110 Jahre vor Christo anzunehmen ist; danach hätten wir, vom Schöpfungstag ab gerechnet, bültt Jahre. Das ergibt eine Differenz mit dem jüdischen Kalender, der die Schöpfung um 5oo8 Jahre zurücksetzt. In der neuen Handschrift findet sich eine Stelle, die in der Bibel nicht enthalten ist. Es wird darin erzählt, wie die Stämme Rüben, Gad und der halbe Stamm Manasse unter König Nobah ausgezogen sind, um die Länder jenseits des Jordans in Besitz zu nehmen; während ihrer Abwesenheit wird Josua vom König Schobach und seinen Kriegern überfallen und durch siebeu Zauberwände umzingelt, die von den Zauberern des Angreifers aus Eisen gefertigt waren. Josua flehte zu Gott. Da stieg eine Taube vom Himmel, der Josua eine Botschaft an die Flügel band. Es liess die Taube biegen, und sie eilte zum König Nobah, der nun mit seinen Stämmen zu Hilfe der belagerten Israeliten herbeieilte. Der Priester Phinias blies in eine Trompete, und die Wälle stürzten nieder, Josua und seine Krieger drangen vor und schlugen den König Schobach. Ueber die Bedeutung dieser Abweichungen wird die weitere Forschung zu entscheiden haben. Zeitschriften-Rundschau. „Der Zioiiismus, die Taufseuche uud die Alliauce". Unter diesem Titel führt die Berliner „Jüdische Rundschau" eine sehr scharfe Polemik gegen den von uns bereits erwähnten Artikel „Die Juden in Oesterreich" von B. Samuel in „U8t und West". Ebenso entrüstet ist „Die Welt", die jedoch mehr sarkastisch den Fall behandelt. B. Samuel hat nämlich die Zunahme der Wieuer Taufbewegung mit dem Zionismus in einen Zusammenhang gebracht. Er sagt: „Seit dem Sabbataismus ist nie eine Bewegung im Judentum mit soviel Prätensionen und so grossem Geräusch autgetreten, hat sich keine so nachdrücklich als die alleinseligmachende Retterin des Judentums aufgespielt. Max Nordau behauptete rundweg : das Publikum wird zionistisch werden, oder es wird nicht sein. Und Herzl verkündete: Zuerst, bevor wir nach Palästina gehen und den Judenstaat gründen, müssen wir zum Judentum zurückkehren. Und seit iöü Jahren hat keine Bewegung unter den Juden so weite Kreise erfasst, wie dieser Neu-Zioaismus. — .Nun, was die Rückkehr nach Palästina anbelangt, so liegen ja hierüber noch immer keine genauen Daten vor, aber was die Kückkehr zum Judentum anbetrifft, so hat die Taufbewegung in Wien in den letzten zwölf Jahren nicht nur nicht die geringste Einschränkung erfahren, sondern ist in stetiger Zunahme begntten, ja die jährliche Zuwachszifter steigt unablässig! Kückkehr zum Judentum! . . . Diese Tatsache erfährt eine noch schärfere Be leuchtung, wenn einzelne Fälle in Betracht gezogen werden. So, wenn man erfährt, dass ein Intimus des Propheten, der ihm einen ergreifenden .Nachruf gewidmet und sogar ein (iedicht mit dem Refrain „Schema Israel" gemacht hat, seine junge Tochter taufen liess und sie an einem Sabbat Schuwah in die Votivkirche zum Traualtar begleitete; in derselben Kirche übrigens, wo alle vornehmen jüdischen Hochzeiten stattrinden, wie der Wiener sagt. Oder wenn man es erlebt, dass der .Name eines bekannten Wiener Publizisten in derselben Woche, da von ihm in der „Welt" weinerliche Jugenderinnerungeh erscheinen, auf der Liste der Apostaten figuriert. Und wenn die nächste Blutverwandte eines, der einflussreichsten ZionistenfUhrers,. dessen Namen vom Meister in seinem unsterblichen „Altneuland" verewigt werden, das Judentum verlässt (unter Beifall und Zustimmung der ganzen Familie) — 60 wirft das doch wohl ein eigentümliches Licht auf das Wesen dieser Rückkehr zum Judentum, insbesondere auf die Atmosphäre« die diese Koryphäen um sich herum verbreiten!" Darauf erwidert die „J. R.u: „Inzwischen haben wir bei einem der allernächsten Vertrauten Herzls in Wien Erkundigungen eingezogen, der erklärt, die drei von „Ost und West" angeführten Tatsachen seien ihm unbekannt und insbesondere der dritte FalL dass die nächste Blutsverwandte eines der einflussreichsten Zionistenführers, dessen Name vom Meister in seinem unsterblichen „Altneuland" verewigt worden, das Judentum verlässt (unter Beifall und Zustimmung der ganzen Familie!) — sei solange als frei erfundene Lüge zu bezeichnen, als der damit gemeinte Name nicht öffentlich genannt wird." Im Zusammenhange mit dieser Erklärung veröffentlicht das Blatt die Namen mehrerer Kultusvorsteher, von denen wir seinerzeit erzählt haben, dass sie ihre Töchter an Christen verheirateten. Uiezu gehört auch der Präsident der „Israelitischen Allianz", David von Gutmann. Schliesslich wird das Berliner Bureau der Pariser „Allianz", weil es „Ost und West* subventioniert, wegen des Artikels verantwortlich gemacht. Das hebräische Tagblatt „Hed Hasmann" in Wilna bespricht die Reise des Herrn David Wolffsohn nach St. Petersburg in einem Artikel „Die Zusammenkunft vor fünf Jahren". Derselbe fasst die politische Situation sehr nüchtern auf und meint; „Die Erfahrung der letzten Jahre sollte uns doch davor bewahren, uns anlässlich der Audienz Wolffsohns neue Enttäuschungen zu bereiten, was aber nach dem Lärm zu schliessen. den diese Audienz verursacht, nicht überall der Fall ist.'' Das Blatt zweifelt nicht daran, dass die Hindernisse, die bislang dem zionistischen Vereinswesen in Russland im Wege standen, nun beseitigt sein werden. Allein der Audienz eine hohe jx>li tische Bedeutung beizumessen und gar von ihr eine Wendung für die (k'samtlage (der Judenheit im /.arenreiche zu erwarten, sei seiner l eberzeugung nach eine naive Auffassung, die nur auf krasser Unkenntnis der Dinge und Verkennung der in Kussland obwaltenden politischen Verhältnisse beruhen könne, „Das jüdische Vo.ktt, das offizielle Organ der russischen Zionisteu, welches bisher in Wilna erschien, kündigt seine Einstellung an. An seiner Stelle wird Ende September ein hebräisches Blatt erscheinen. chiffsnaehrichteu. Schiffsnachrichten der „Austro-Ame.'icana". Heimkehrend: Linie Neworleans-Triest: die Dampfer „Maria" am 20. Juli in Triest an, „Atlanta" am 22. Juli in Barcelona an, „Emilia" in Neworleans abfahrtsbereit. Linie Savannah- Triest: der Dampfer „Vincenzo Bonanno am 2l. Juli in Triest an. Linie Pensacola -Triest; der Dampfer „Clara" am 17. Juli in Barcelona an. Linie Newyork-Triest: die Dampfer „Columbia" am k2. Juli in Triest an, „Ernytt am lo. Juli Gibraltar passiert, „Laura" am 22. Juli von Neapel ab, „Eugenia" am 22. Juli von Newyork nacti Triest ab, „Alice" am lo. Juli von Newyork nach Triest ab. Ausfahrend: Linie Triest- Nordamerika: die Dampfer „Federica" am 10. Juli in Westbay an, „Alberta" am 2i>. Juli Mobile an, „Gerty in Triest, Carolinaauf der Fahrt nach Newyork am 11. Juli von Palermo ab, „Giulia" auf der Fahrt nach Neworleans am Iii. Juli von Palermo ab, „Irene" auf der Fahrt nach Newyork am 4. Juli von Palermo ab, „Martha Washington" auf der r-ahrt nach Newyork am 15. Juni von Palermo ab, „Theresa" auf der Fahrt nach Savannah am J7. Juli Gibraltar passiert, „Ida" auf der Fahrt nach Newyork am 22. Juli in Palermo an, „Argeutina" auf der Fahrt nach Newyork am 21. Juli von Patras nach Palermo ab, Linie Triest-La Plata: Ausfahrend: der Dampfer „Oceania" am 15. Juli von Triest nach buenos-Ayres ab. Heimkehrend: der Dampfer „Francesca* am b. Juli in Triest an, „Sofia Hohenberg" am 20. Juli von Rio nach Triest via Las Palmas ab. fön'<fl<astefi der Redaktion. J. L. in Z. Ihre Zuschrift ist sehr interessant; allein wii' können sie nur mit Namensnennung publizieren. Und das geht ja nicht, — Dr. B. Dieses Werk ist bisher in deutscher Sprache nicht erschienen. — R. in F. Die Untersuchung gegen den Vereins-Vorstand dauert beim Landesgerichte noch fort. Auch ist das Vereinsvermögen noch immer saisiert. — Neugierig. Auf dieses Buch kommen wir demnächst zurück. — J. L. Demnächst brieflich.

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