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Neue Nationalzeitung · 1908-07-31 · Heft 31 (31.7.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. „Neüe National-Zeitung" Nr. 31. So viel mir bekannt ist, war dies der erste jüdische Gottesdienst in dieser Stadt. Diese Männer wünschen nicht, dass ihre Familien ihnen nachkommen, weil es zu teuer wäre und weil sie nicht koscher leben könnten, aber sie hoffen in ein paar Jahren genug zu verdienen, um in ihre Heimat zurückkehren und in Frieden und Wohlstand leben zu können. Die Stadt Torreon ist eine der neueren Städte Mexikos, ausgesprochen amerikanisch und besitzt infolge ihrer Neuheit verhältnismässig wenig Kirchen. So weit fand ich kein „Risehes", auch fand ich den Durchschnitts-Mexikaner nicht so bigott, dass der jüdische Ansiedler Unterdrückung gelitten hätte. Von Torreon ging ich nach Aguascalientes und Guadalajara, und mein nächster Brief wird diese Stätten behandeln. KORReSPONDSNZ^N ©«stcmich-Qngapn. Der Antisemitismus in der Bukowina. Wien, den 28. Juli. (Orig'.-Korr.) Die von uns bereits angezeigte Interpellation des Abgeordneten Dr. Straucher und Genossen ist erst dieser Tage unter den Druckschriften des Abgeordnetenhauses erschienen. Diese Interpellation muss man ganz durchlesen, um zu sehen, welcher Zustand der Verwilderung die deutschen und rumänischen Kreise in Bukowina ergriffen hat; sie lautet: Mit der Reise des nunmehrigen Ministers Dr. Gessmann nach der Bukowina im Februar 1907 hat die judenfeindlichc Bewegung in diesem bislang ruhigen Lande grosse Dimensionen angenommen und, seitdem der Herr Abgeordnete Dr. Gcssmann Mitglied des Kabinetts geworden ist, sind organisierte judenfeindliche Parteien in der Bukowina erstanden, welche unverkennbar unter der Patronanz des genannten Herrn Ministers stehen. Die offiziellen Organe der organisierten antisemitischen Parteien im Lande, so das Bukowinaer Volksblatt", die ,,Apararea Neamului" und die ,,Vointa Popurului", die Organe des k. k. Regierungsrates und Landtagsabgeordneten Josef Widtmann. des ' Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Dr. Aurel Ritter v. Onciul und des Landesbankpräsidenten Dr. Florian Lupu .erklären ausdrücklich, dass sie unter der Patronanz und werktätigen Förderung Seiner Exzellenz des Ministers Dr. Gcssmann stehen, ja, sich als Organe eines k. k. Ministers gerieren und auf gewisse offizielle Kreise geradezu einschüchternd einwirken; das Verhalten des Herrn Ministers Dr. Gessmann kann nur als eine Bestätigung dienen. Die genannten Blätter enthalten in jeder ihrer Nummern die wütendsten, verlogensten und unerhörtesten Beschuldigungen und Verleumdungen der Jude n, predigen den wirtschaftlichen und sozialen Boykott, publizieren die empörendsten Aufreizungen und aufhetzenden Beschuldigungen und fordern direkt und indirekt zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung auf; es kann mit vollem Grunde behauptet werden, dass die meisten Artikel dieser seit mehreren Monaten erscheinenden Blätter unvcrhüllt den Tatbestand der 302, 303 und 305 St. G. B. begründen, wie eine Durchsicht dieser Blätter und unparteiische Prüfung, beziehungsweise Uebersetzung ergeben muss. In einem im „Bukowinaer Volksblatt" erschienenen Hetzartikel gegen die Juden wird deutlich genug die Frage gestellt, ob es denn zum Blutvergiessen kommen müsse. (I) Als einen nur schwachen Beleg für diese jede gesetzliche Grenze überschreitende, in ihren Folgen unabsehbare, den bürgerlichen Frieden in hohem Grade gefährdende Agitation mag der folgende in der Nr. 44 der in Czernowitz erscheinenden deutsch-christlichsozialen ' Zeitung ,,Bukowinaer Volksblatt" vom Sonntag, den 12. Juli d. J. erschienene Artikel dienen. „Was sind die Juden? (Belehrung für die christliche Landbevölkerung nach der „Apararea Neamului".) „Tob schebgoim harogh." Töte den besten unter den Christen. (Eine Stelle aus dem jüdischen Gesetze.) „Soll man sich gegen einen Feind mit Erfolg verteidigen können, muss man es sich zur Aufgabe machen, seine Art, seine Gewohnheiten vorerst gründlich zu studieren; insbesondere soll es jedem klar werden, dass man es mit einem Feinde zu tun hat, denn wehe dem, der einen Feind nicht erkennt, ihn unterschätzt oder gar für seinen Freund hältl „Ist der Feind, der dich bedroht, ein Wolf, so greifst du zum Gewehr, ladest dir ein paar Freunde ein und bringst nun in frischer, fröhlicher Hätz so viele Schädlinge zur Strecke, als du eben erreichen kannst; ist er ein Bär, dann nimmst du mit einem oder zwei Gefährten seine Spur auf, um nicht eher von 'ihr zu lassen, bis du das Raubtier gestellt un<f es mit 'sicherem Schuss und eventueller Nachhilfe des Jagdmessers in das Paradies dieser Bestien befördert hast, erleichternd aufatmend, 1 dass du die Gegend gesäubert und noch über heile Knochen zu verfügen hast; soll ein Fuchs unschädlich gemacht werden, so streust du ihm Gift am Eingang des Hühnerstalles oder 'bringst geschickt eine zuverlässige Falle an, die sicher zuschnappt, damit du am Morgen nicht nur seinen linken 'Handschuh darin findest; hast du es mit einer Schlange zu tun, dann stöberst du sie mit einem tüchtigen' Knüppel und 'hohen, festen Stiefeln beherzt in ihrem Verstecke auf, ihr -'dort mit einem, zwei wohlgezielten Schlägen den Schädel zertrümmernd; ist ein Hund wütend geworden, machst du seinen Leiden und deiner Gefahr rechtzeitig ein Ende, dass er nicht Unabsehbares auch in der Nachbarschaft heraufbeschwört; Zimmerwanzen ist am besten mit heissem Wasser, Insektenpulver und diversen Tinkturen zu Leibe zu rücken; Läusen gegenüber "hilft fleissiges Baden und in besonders hart näckigen Fällen 'Mcrkurialsalbe — |kurz, nach der Art des Feindes wird man sich das Abwehrmittel einrichten müssen, da man den Läusen nicht mit dem Pflock und dem Bär nicht mit der Zacherlinspritze zu Leibe rücken kann. ,,Forschen wir also, bevor wir an das Lnschädlichmachen eines Schädlings 'gehen, zuerst gründlich seinem Wesen, seiner Kampfesweise und 'dem Grade seiner Schädlichkeit nach; vergegenwärtigen wir uns jedesmal, was uns eigentlich droht, halten wir uns vor Augen, dass der Biss eines wütenden Hundes wütend macht, dass der lüsterne Bär im Gehirn und dem Knochenmark seine 'grössten Leckerbissen sucht. „Der Feind, der dem Christen gefährlicher wird als alles hier aufgezählte, ist der Jude, gefährlicher deswegen, weil wir ihm gegenüber nocht nicht ganz gerüstet sind und weil der Kampf mit ihm zumeist ein Kampf mit unzulänglichen Mitteln ist, denn Wanzentinkturen gegen Wanzen und gezogene Läufe gegen Raubtiere sind längst in Anwendung, während wir erst ein.' Zacherlinspritze gegen die Juden erfinden müssen. ..Wenn wir sie, allerdings noch immer gänzlich Unzureichend mit irgend einer Gefahr vergleichen sollen, dann können wir sie höchstens noch zu einem alles verheerenden! Heuschreckenscbwarm oder einer nicht einzudämmenden Feuersgefahr in eine Parallele bringen. ,.Dass auch dieser Vergleich viel zu schwach diese Blutegel charakterisiert, erhellt daraus, dass sowohl Heuschrecke als Feuersbrunst nur die Früchte deiner Arbeit, während die Juden dir auch das Stückchen Erde, das dir geblieben, wegeskamotieren, dir also nicht die kleinste Hoffnung auf eine bessere Zukunft lassend. Das sind die Intentionen dieser Blutegel, dahin gehen die Bestrebungen der schmachtlockigcn Heuschrecken. „Du wirst also einsehen, christliches Volk, dass Heuschrecke, Feuersbrunst, Pest keine grössere Gefahr für dich sind, denn sie lassen dir die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, wenn nicht dies, so doch die Hoffnung auf ein besseres Jenseits, während der Jude mit seinen Saugwarzen wie ein langsam tötendes Gift an deinem Gut, ja sogar an Leib und Seele nagt." Es ist aufliegend, dass derartige raffinierte Verhetzungen den gesunden Sinn der Bevölkerung überhaupt und namentlich in der ländlichen Bevölkerung, — auf welche es zunächst abgesehen ist — verwirren, Hass gegen die Juden zu erzeugen geeignet sind, dass mit diesen Brutalitäten unverhohlen der nackte Vernichtungskrieg gegen die Juden propagiert wird und dass durch die stillschweigende Tolerierung dieser wüsten Hetze und stete unwidersprochene Berufung auf die lTnterstützung durch ein Mitglied der Regierung der Eindruck hervorgerufen wird, als seien die Juden in diesem Staate geradezu vögelfrei. Eine solche gewissenlose Agitation kann nur die bösesten Früchte zeitigen und es ist unerhört, dass in einem modernen Rechtsstaate ein Mitglied der Regierung, welches die geltenden Gesetze beschworen hat, Parteien und deren Organe offenkundig favorisiert, die die vorgeschilderten Tendenzen verfolgen und die im vorstehenden angedeutete gesetzwidrige Agitation Und Verhetzung betreiben. Die LTnterzeichneten sind überzeugt, dass diese den beschworenen Staatsgrundgesetzen hohnsprechenden Verhältnisse nicht länger geduldet werden können, und sie stellen daher an Eeuere Exzellenz die Anfragen:

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