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Neue Nationalzeitung · 1908-07-31 · Heft 31 (31.7.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 31. einer .gründlichen Revision unterziehen. Was die Juden von der Türkei wünschen, mögen sie nun den Führern des türkischen Volkes offen und ehrlich sagen. Dr. MAJEB BAL AB AN : ©ie historischen Denkmäler der Duden in polen. (Ein Vorwort zur Jüdischen Kunstgeschichte In Polen.) (Fortsetzung.) Seit einigen Jahren sind auch Dank den Bemühungen jüdischer Altert unisfreunde bald grössere, bald kleinere Museen jüdischer Altertümer entstanden, und zwar in Hamburg, Wien, Frankfurt usw. Allein während die Kunstaltertümer der Juden in Polen einen grossen Teil der deutschen und englischen Sammlungen bilden, während der Prager Oberrabbiner S. L. Rappaport s. a, eine der schönsten hebräischen Bibliotheken von Galizien nach Prag fortgeführt hat, bildet bei uns lediglich die Privatsammlung von Mathias Berson, die unlängst der jüdischen Kultusgemeinde in Warschau geschenkt wurde, einen kleinen Teil dessen, was die Gesamtheit der historischen Denkmäler der Juden in Polen ausmacht. Es sind mir Familien bekannt, welche sehr charakterische Silber- und Goldgeräte an ausländische Händler verkauft haben. Die reiche Bibliothek von Perl (Tarnopol) wurde infolge der Gewissenlosigkeit ihrer Verwalter zerteilt, fast das ganze Archiv der Krakauer Judengemeinde (darunter Originale königlicher Privilegien seit dem XVI. Jahrhundertj sind heute irrt Privatbesitze eines einzelnen Gelehrten; der Rest dieses Archivs des Krakauer Kanals ist weder geordnet, noch gehörig sichergestellt. Die Reste des Archivs der Judengemeinde von Zolkiew (Dekrete des Königs Sobieski) sind im Privatbesitze einer Familie in Zolkiew, die Kahalbücher (Pinkes) von Krakau, welche KahalprotokoUe seit dem Jahre 1623 enthalten, wurden dank den Bemühungen des jüdischen Geschichtsforschers W e 11st ein gerettet und befinden sich gegenwärtig in der Krakauer Bibliothek „Esra". Das Kahalbuch von Kamieniec hat eine Zeit lang ein russischer Student bei sich getragen, bis er es in Lemberg für i o Kronen verpfändete. Das Lemberger Kahalbuch wurde von einem Individium gestohlen, dessen Namen mir bekannt ist; das Kahalbuch von Zolkiew, welches noch grossartig erhalten ist, hat die dortige Gemeinde mit Mühe aus dem Privatbesitz wieder erhalten. Von den Pinkes der Stadt Brbdy hört man gar nichts. Das Buch der Schneiderzunft in Przemysl befindet sich noch dort. Das Kahalbuch von Opatow wurde von der Warschauer Judengemeinde angekauft. Wie viele wertvolle Bücher befinden sich in den Bücherschränken der einzelnen Synagogen. So, wurde in der Alten Synagoge am Kazmierz (Krakau) ein .grossartig illustriertes Pergamentwerk gefunden, welches, wie es scheint, aus dem Ende des XIV. Jahrhundertes stammt. Es ist dies ein Pentateuch mit Auszügen aus der Haftarah und wurde geschrieben oder gewidmet von Gad, dem Sohne Peter Lewitas in Regensburg. Dieses wertvolle Werk wird gegenwärtig vom Präsidenten der Krakauer Kultusgemeinde aufbewahrt. Wenig gesichert ist aber ein zweites Werk, welches in Krakau im Jahre 1646 für die-Synagoge, genannt „Reb Eisiks Schul", geschrieben und dem Erbauer dieser Synagoge von Samuel, jderri Sohne des "Moses Michels gewidmet wurde. Dieses reichverzierte Werk wird lediglich in einer offenen Schublade aufbewahrt, weil es zu Gebetzwecken dient. Ich könnte inioch eine grosse Reihe derartiger Fälle aufzählen. Aber das alles, was heute verloren geht, ist kaum der geringste Teil dessen, was während der Zeit der polnischen Republik anlässlich der Revolutionen und Judenplünderungen in Verlust geraten ist oder von den Judengemeinden verkauft wurde, um Lösegeld aufzubringen. Nach einer jeden derartigen Plünderung, welche gewöhnlich von den Schülern der Jesuitenschule oder Kathedralschule gemeinsam mit den Handwerks-Gesellen unternommen wurden, haben die Juden ein Verzeichnis der geraubten Gegenstände zusammengestellt und beschworen. Diese Verzeichnisse bilden für den Forscher das Inventur und das Beweismittel der Reichtümer der polnischen Synagogen. Solche traurige luventare haben wir bei der Hand: das Krakauer vom Jahre 14071), das Przemysler vom Jahre 1746-), das Krakauer vom Jahre 16823), das Wilna'er vom Jahre 16361), das Posner vom Jahre 17365), das Lemberger vom Jahre 1663''), das letzte Lemberger vom Jahre 1762"). Wenn wir nach diesen Inventaren urteilen, so waren die polnischen Synagogen ungemein reich. Da gab es eine Unzahl von Thorarollen, von silbernen Zeigern und Leuchtern, von Mäntelchen, Vorhängen usw. Den grössten Reichtum hatte die Synagoge in Wilna im Jahre 1663 aufzuweisen. Dort war alles aus Silber und Gold, aus Damast, Seide und Sammt. Das Gitter, welches die Synagoge vom Altar trennte, war^us Silber; die,Walzen der Thorarollen, sämtliche Leuchter waren aus Silber. Ein Prachtstück war das Fauteuil, das bei Beschneidungen verwendet wurde. Es war in Silber gefasst, ganz mit Perlen besetzt und mit goldenen Kugeln verziert. Sämtliche Waschbecken waren aus vergoldetem Silber und die ganze Synagoge war reichlich bedeckt mit Perser- Teppichen. Wieso kam es nun, dass unsere Synagogen heule so arm sind? Die Hauptursache bestand darin, dass die Judengemeinden ein grosses Lösegeld zahlen mussten. Sie mussten die Zinsen von kirchlichen Schulden bezahlen, welche in Lemberg allein eine Million, in Posen8) ebensoviel, in Przemysl1') eine halbe Million, in Lissa10! 535.493 polnische Gulden, in Wronki11) 2,000.000 und in Inowrozlav"--) 194.907 polnische Gulden betrugen. Um das bezahlen zu können, mussten die Juden sehr oft ihre synagogalen Geräte verpfänden, 1. Laut Kopie im Privatbesitz. 2. Schon-: Die Juden in Przemysl. Nr. der ürk. 138. 3. Eine Reihe von Urkunden im Privatbesitze. 4. Die Akten der Wilnaer Kommission. B. 28, Nr. 118. 5. Perles: Geschichte der Juden in Posen. S. 98. 6. Caro: Geschichte ider Juden in Lemberg. S. 170 (ohne Angabe der Quelle, die das Archiv der Stadt Lemberg bildet). 7- Das Archiv der Stadt Lemberg. Fase. 257. 8. Perles: Geschichte der luden in Posen,. S. 110. 9. Die Akten der Stadt Przemysl (polnisch). B. (127. S. 1473—1503. 10. Lewin: Geschichte der Juden in Lissa. S. 52—65. 11. Perles, wie oben, Anm. 2. 12. Lewin: Geschichte der Juden in Inowrozlaw. (Zeitschrift der bist. Gesellschaft für die Prov. Posen. B. XV. S. 50.)

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