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Neue Nationalzeitung · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · p. Seite 26

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 26 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30. „Neue National-Zeitung" Seite 7. Namens anstellt, sondern einfach den vom Gesuchst eller angegebenen Namen akzeptiert. So kann es kommen, und es ist bereits vorgekommen, d a s s ein \u d e d e n N am e u e incs b e k a nute n A n t i s e m i t e n f ü h r e r s a n n i m m t. um die Fernerstehendon ülx-r seine Abstammung zu täuschen, den ScJiein eines Mitgliedes einer gut arischen Famiii ■ zu erwecken. Ist denn ein ah'-r. ehrliche;-, bürgerlicher Name schutzlos, während jed" Weinmarke unter den Schutz des Gesetzes gestellt werden kann? Soll man dagegen „ganz machtlos sein? Ks erscheint gewiss zweckmässig, ein.- Namensänderung durch die politische Landesstelle vrs! dann genehmigen zu lassen, wenn nacii Ablauf einer bestimmten brist nach Bekanntmachung der beantragten Xaniensänd-Tung durch Anschlag, durch die öffentlichen TMätter i tc. ähnlich wie bei Kheaufgehoten i gegen die beabsichtigte Xamenserteilung von keinem Träger dieses Namens ein Einspruch erhoben worden ist. Mindestens sollten nach dänischem Muster .Gesetz vom 22. April 1004 und vom i. April 100; von der Annahm»- netter Namen ausgeschlossen s -in die Namen von Personen, die als vorbehaltene Namen in ein bei einer Zentralstelle geführtes Verzeichnis aufgenommen worden sind; diejenigen Namensträger, welche ihren Namen in ein derartiges Verzeichnis eintragen liessen. wären anlässlich der C.esurhe um Na mensänderung um die Erlaubnis zu befragen, ob dieser bestimmte Name dem GesuHistell-er a's neuer Familienn illte verliehen werden kann. ('Gewisse weitverbreitete Namen, wie Müller. Maier. Bauer u. s. w. mü^sten natürlich, ausgenommen bleiben ) I>ie 1 "nter/eichneien stellen an Seine Kxzellenz den Herrn k. k. Minister des Innern die Anfrage: ..Ist Seine Kxz. -Iienz. geneigt, dem hohen Abgeordnetenhause baldigst einen Geset/etitwuvf ü!xt Namensänderungen vorzulegen, in wehlv.-m dem erwähnten Gesichtspunkt Rechnung getragen wird?'" * * * Das Referat des Abg. Dr. Gabel. Der sozialpolitische Ausschuss hat dem Doktor Gabel das "Referat über den Antrag" K u r y 1 o w i c z betreffend die Sonntagsruhe zugewiesen. Nach einiger Zeit hat der Obmann Dr. Mayer (christlichsozial) dem Dr. Gabel dieses Referat ohne weiteres weggenommen. Wir finde'"! dieses Vorgehen sehr sonderbar, und müssen darüber staunen, dass sich der jüdische Klub einen solchen Affront hat gefallen lassen. * * # Minister Gessmann's Agitationsreisen. Minister Dr. G e s s m a n n hat die geplante Agitationsreise nach Bukowina aufgegeben. Ks war also gut. dass Dr. S t r a u c h e r den Minister-Präsidenten persönlich auf die Gessmann'schen Hetzereien aufmerksam gemacht hat. Der Ministerrat hat darauf Herrn Dr. Gessmann mit den Pflichten eines Ministers bekannt gemacht. Wie wäre es. wenn jemand einen politischen Bon-ton verfassen möchte: „Ueber den Umgang eines Ministers mit Staatsbürgern." * * * Die Delegationen In den neugewähltcn Delegationen wird das Herrenhaus-Mitglied Freiherr von Oppenheimer die „israelitische Konfession" repräsentieren. Anlässlich seiner Berufung ins Herrenhaus hat nämlich seinerzeit das offiziöse ,, Fremdenblatt" darauf aufmerfsam gemacht, dass Herr Baron Oppenheimer zur Vertretung der „israelitischen Konfession" ins Herrenhaus berufen wurde. Warum? .Wahrscheinlich deshalb, weil er seinen einzigen Sohn taufen Hess. ... Jiprechsaah Güdemann und Jellinek. Die in unserem Blatte eröffnete Diskussion über die Stollung M a n n h e i m c r s zu \Y o 1 f und Jellinek einerseits und die Stellung G ii cl e m a n n s zu Jellinek anderseits hat zur Folge gehabt, dass wir noch immer von vielfacher .Seite, insbesondere \ <m Seiten der älteren Herren Rabbiner in der Provinz mit Zuschriften überhäuft werden. Leider gestattet uns der Raum nicht, dieselben abzudrucken. Wir wollen diese Diskussion nun mit dem Abdrucke einer Zuschrift sehliesscn. die als < legensatz zu der Art und Weise, wie Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann anlässlich des jojährigen Tempel Jubiläums in der Leopoldstadt aufgetreten ist, auf die Rede hinweist, die Dr. Jellinek anlässlich des 50jährigen Tempel jubiläunis in der Seitenstettengasse gehalten hat. In dieser Zuschrift heisst es: Wie ganz anders verfuhr T e 11 i 11 e k. als am 2(\ März. 1876 das fünfzigjährige Jubiläum des Tem]>els in der Inneren Stadt gefeiert wurde. J e 1 1 i n e k hielt da die Festrede, die dann auf Kosten der Gemeinde im Druck erschien. Wurde da Mannheimer ebenfalls nur so en passant erwähnt? Hören wir, was fcllinek in seiner Festrede von Mannheim e r sagt: ..Nur einem dieser Väter, welcher \or <df Jahren, am 18. des Monates März, um der Erde geschieden ist, habe ich in das weit geöffnete Auge geschaut und acht Jahre lang vereint mit ihm in dieser Gemeinde gewirkt. Seht Ihr ihn noch dort oben vor der Bundeslade mit dem w cisschimmi-rndcn Zeichen des ehrwürdigen Greisenalters? Geist, sprudelnder Geist durchströmte sein ganzes Wesen, d-er in lebensfrisi her Beweglichkeit noch im hohen Alter sich offenbarte, Mut und l nerschrockenheit redeten aus seinem Antlitz*-, streng und ernst, wie das alte Prophetenwort, f'oss die Mahnung und Zurechtweisung von seinen Lippen, bald dumpf grollend wie der Donner mit der tiefsten, bald hell aufschreiend im Tone der Entrüstung mit der höchsten Stimme, bald klagend wi<- Jeremias über den Verfall der alten guten Sitten, bald aber auch weich und sanft klingend wie die Rede Jesaias, um sich selbst und seine Zuhörer über die Zukunft seines Volkes zu beruhigen." Es waren doch andere Zeiten und andere Männer! ItORReSPONDeNZCN Ocstcrreich-Qngai3!!. Der Jahresbericht der isr. theo]. Lehranstalt. Wien, den 20. Tuli. (Orig.-Korr.^ Die israelitischtheologische Lehranstalt, an deren Spitze die Herren Moriz v. Kuff 11er und Theodor v. T a u s s i g als Präsidium stehen, veröffentlicht nunmehr ihren t;. Jahresbericht. Die Lehranstalt erhält nachstellende Subventionen: Von der Regierung to.ooo Kronen: vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien Sooo K vom Kuratorium des mährisch-jüdischen Landcsmas-afondes in Brünn tooo Kronen; vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde in Prag 1300 X: von der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen 1260 Kronen; vom löblichen Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg 1000 K. Die letztere Subvention wurde für das nächste Jahr zurückgezogen und dem theologischen Institut in Lemberg zugewendet . Die Anstalt wurde von 31 ordentlichen und 2 ausserordentlichen Sclvdcrn besucht. Davon sind 14 aus Galizien. 2 aus der Bukowina, 3 aus Russland, 2 aus Rumänien; somit stammt die Majorität aus dem Osten. Der Jahresbericht erwähnt auch die von uns bereits publizierte Berufung eines Lehrers für österreichisches Eherecht. Es heisst da: „Im abgelaufenen Schuljahre wurde endlich die gleich bei der Eröffnung der israelitisch theologischen Lehranstalt

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