Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- Seite 25 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. dass man, abgesehen etwa vom Theater, von den amerikanischen Juden, die selbst einen schweren Kampf um die nationale Fortexistenz ausznf echten haben, vorläufig keine Unterstützung in den jüdischnationalen Bestrebungen in Europa zu erwarten haben. Wir müssten im Gegenteile ihnen helfen und würden dafür später einmal reichen nationalen Lohn von ihnen ernten. Indem ich für die Aufnahme dieser Berichtigung bestens danke, zeichic ich hochachtungsvoll Dr. Nathan Birnbaum, * * * Anmerkung der Redaktion: Diese Berichtigung ist überaus lustig. Hätte sich Dr. Birnbaum darauf be-chränki, das zu berichtigen, was Augenzeuge!) in Ncw-York gehört haben, so könnten wir noch immer glauben, dass er Recht hat und seine Xew-Yorker ""Zuhörer -äch irren. Allein Dr. B. berichtigt selbst das, was in einer Wiener jüdischen Zeitung als sein Vortrag abgedruckt wurde, o h n e v o n i ii m d e m cn.tic r t z u werden. Dieser g e d r u e k t e Wiener Vortrag hat ja bei den New-Yorker Juden die mutlose ' Entrüstung hervorgerufen. Es wäre edso l-»valer und vernünftiger, zuerst jenes Blatt zu berichtigen. Wenn Dr. B. dasjenige, was Dr. Fornberg bloss aus jener Zeitung anführt, nur in unserem Blatte /.berichtigt", so ist dies ein merkwürdiges Doppelspiel, dessen 'Beurteilung wir der Oeffcntlichkcit überlassen. ©ie J^chFcn der Rciclisratswahl tfon ^Jielec. Mielec, den 20. Jnli. (Orig.-Korr.) Aus der Tagespresse ist bekannt, dass bei der Reichsratswahl vom 9. d. M. in unserem Wahlbezirke der Stanczyk Dr. von Görski mit 2>80 Stimmen (130 Stimmen Majorität) gewählt wurde. Gegenüber den 3500 Stimmen, die Bobrzynski bei der Hauptwahl erhalten bat, zoigfo sich somit ein grosser Rückgang des konservativen Anhanges. Mein Skeptizismus war also gerechtfertigt Doch dies ist nicht der Grund, dass ich auf di-se Wahl zurückkomme. Ich möchte vielmehr einige Worte an di^ Adresse des Herrn k. u. k. Hoflieferanten A. H. Z u p n i k in Drcbohycz richten, der in seinem Blättchen den Sinn meiner Woite absichtlich verdreht und die Gelegenheit dieser Wshl benutzt, im sich durch niedriges Schweifwedeln beim neuen Statthalter ei:en Stein ins Brett zu legen. Herr Zupnik ist ein sehr tüchtiger Geschäftsmann und er möge sich auch we ter seinen Geschäften widmen. Es wird sich niemand um die Natur dieser Geschäfte kümmern. Das soll er mit sich selbst ausmachen. Aber eine Vermessenheit ist es, wenn dieser Geschäftsinann plötzlich zum politischen Moralprediger sich aufdrängen will. Es ist bekannt, dass die Wahl Gorskis nur durch die ärgsten Missbräuche und Gesetzesver- 1 e t zu ngen seitens der Bezirks haupt in änner ermöglicht wurde. Aber Herr Zupnik aus Drohobycz beteuert, dass nicht einmal „ein Schein von Voreingenommenheit oder gar Parteilichkeit zu sehen war." . . . Und er geht dann so weit, die Stellungnahme anderer jüdischer Blätter als — Provokation zu bezeichnen! Dass Herr Zupnik im Dienste der galizischen Statthalterei steht, weiss man ja; dass er aber gar so aufdringlich sich seinem neuen Herrn anbiedert, erscheint uns doch etwas zu unvorsichtig. Nun zur Verdrehung des Herrn Zupnik. Ich habe in meinem Berichte erwähnt, dass die Jüdisch-Nationalen deswegen keinen eigenen Kandidaten aufstellen, weil es ihnen an Geld fehlt Darunter hat doch yidev, der nicht deutscher Analphabet ist, den Mangel an einem Asitationsfond verstanden. Wahlen kosten Geld — ühe ail; in G ili/.ien erst recht. Herr Zupnik ist damit nicht einverstanden. In seinem Wohnort Dmhohy.-z ist beispielsweise der „Hauende" Dr. Lö^nsteiri aus purer Volksbe^eisterung, ohne Geld(!), gewählt worden. Und so nennt Herr Zupnik in seiner sehnweissen politischen Unschuld die Behauptung, dass Geld zur polnischen Propaganda nutig ist, eine — Unwahrheit, die „«eeignet ist, die Juden in der öffentlichen Meinung zu diskreditieren." Vielleicht hat Herr Zupnik auch Recht. Ihm erscheint es moralischer, wenn Juden für politische Propaganda Geld nehmen, als wenn sie dafür Geld ausgeben. Krakau, den In. Juli. (Orig.-Korr.) Es wäre im Interesse unseres politischen Löbens und der politischen R^ife unserer palizis hen Juden forderlich, wenn wir uns die Wahlzutreiber des klerikalen Kandidaten ein bischen näher anschauten. In erster Lin:e finden w r dabei die Rabbiner und die Wur.derrabbis. Die Rabbiner von R o z w a d ö w und Mielec haben offen gestimmt und öffentlich agitiert für den Klerikalen; der Beizer Rabbi, der sich mit der Unterstützung antisemitischer Kandidaturen in seinem Rayon nicht begnügt, hat den Hersehl Schochet aus Rzeszüw nach Mielec abgesandt, damit er für Görski agitiere. Die S'hne der Roz^adower Rabbis sind in der Karosse des Fürsten Lubomirski zur Abstimmung gefahren und die armen Leute l aben sie mit den Worten verhöhnt: „Gojische Rebbes." Dann kommen die. Kultus-Präsidenten an die Reihe, Answin Hinge des Judentums: Hermelein Mielec, Eckstein in Kolbuszovva usw. Es war am Wahltage fdne Scnande, anzusehen, wie diese unsere „Häupter" für den klerikalen Sianczyken ihre demütige Agitation trieben. Ist's da ein Wunder, wenn in Galizien 600.000 jüdische Bettler hausen? ... S. PARLAMENT. Die Schmerzen des Herrn Josef Sturm. Der Rcichsrats-Abgeordnete für den Wiener Bezirk Margarethen, Herr Josef Sturm, ist der geistige Erbe des Meehanikers Schneider. Seitdem es der Hezirk Rudolfsheim abgelehnt hat, diesen Herrn zu wählen, ist es die Aufgabe des Herrn Si nrni, im Parlament das antisemitische Repertoire der chriyjich-o/.ia'en Staatspartei zu besorgen. Keine geringe Aufgabe' Der Mar.a muss sich nämlich imaufhörlich seinen Kopf darüber /erbrechen, wie man den Juden neue Nadelstiche versetzen könnte. kel/.tiiin ist er auf eine grossartige Idee gekommen. Ks ereignet sich oft, dass sich Juden den Namen ändern. I ml da könnte es leicht passieren, dass es einem einfällt, sich Mayer, Steiner, Müller, Schmidt oder gar --- Schneider zu nennen. Dem muss rechtzeitig vorgebeugt werden. Herrn Sturm hat also ein Patent auf — Namen erfunden. Dieses „Patent" hat er in nachstehender Interpellation angeregt: Interp ellation des Abgeordneten Josef Sturm und Ueuossen an Seine l£\-/.c!Ic-nz den Herrn k. k. Minister des Innern. In Oesterreich ist /war die Aenderung des Zunamens nicht sd k-ieht gemacht wie in Ungarn, wo jeder Jude ohne alle Schwierigkeit um i Krone den Namen ..magyarisieren" lassen kann, doch slos-t auch bei uns ein Ansuchen um Namensänderung, wenn halbwegs plausible Gründe vorgebracht werden k<">nncn, nicht auf unüberwindliche Hindernisse und es wird nach dem 11 otkan/.k idekret vom 5. Juni 1826 speziell beim t'ebertritt zur christlichen Religion eine Aenderung des Geschlechtsnrunens immer zugestanden. Sehr bedauerlich ist es, dass die politische Landesst eile, wenn sie auf die Namensänderung eingeht, in der Regel keine weitere Untersuchung hinsichtlich des gewählten