Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-2eitung" 20. geht: 153 oäer nur 0.02% der gesamten jüdischen Bevölkerung, d. h. einer auf 5000 Juden, wurde zu Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt Bei der nichtjüdisch^n Bevölkerung lauten diese Zahlen foigendermassen : 991, d. i. 0,03% oder einer auf 2000. Der Prozentsatz der Vorbestraften ist unter den jüdischen Verbrechern etwas geringer als unter den nichtjüdischen Interessant ist, dass mehr als die Hälfte der verurteilten Juden unter 20 Jahren alt war. Nun ist es eine Tatsache, dass die Eingewanderten das grössere Kontingent zu den Leuten über 20 Jahre stallen, während sich unter den Minderjährigen natürlich ein grösserer Prozentsatz bereits in Amerika Geborener befindet. Der Prozentsatz der Verbrecher ist unter den Eingewand< rten geringer als unter denjenigen, die in den Strassen New Yorks aufgewachsen sind. Immerhin ist die Zahl der bestraften Minderjährigen unter den Juden prozentual immer noch geringer als unter den Nichtjuden. Es wurden verurteilt: Juden Nichtjuden Mindei jährige 0 0345 0,0400% Erwachsene (J,0i68 0,C8il % Diese Statistik beweist einmal wieder die längst bekannte Tatsache, dass der Jude überall einen erheblich geringeren Prozentsatz zu den Verbrechern stellt als der Nichtjude, dann aber auch, dass das einwandernde jüdische Element in Amerika sich als ein moralisch besonders starkes erweist und in dieser Hinsicht wohl dem eingeborenen Juden, ganz besondeis aber dem eingeborenen Nichtjuden gegenüber überlegen ist. * * Vom Berliner Kongress. Der pensionierte Sektionschef Baron Ludwig D o c z i, der seinerzeit als Ludwig D u x aus Unparisch-Kreutz vom Minister des Auswärtigen, Grafen A n d r as s y, in die diplomatische Laufbahn eingeführt wurde, veröffentlicht jetzt im „Neuen Pester Journal" sehr interessante Enthüllungen über den Berliner Kongress. Sie geben zum Teil auch ein Bild, wie die Diplomaten über die Juden geda<ht haben. Da ist u. a. zu lesen: „Es betrübt mich, zu erzählen, was mir Graf Andrassy von seil em ersten Zusammentreffen mit Lord Beaconsfield sagte: ,Ein gewaltig kluger Staatsmann, von echt englischem Egoismus und Selbstgefühl, aber — Sie entschuldigen wohl? — als Physiognomist müsste ich sagen, man sehe im an, dass sein Grossvater mit Hasenhäuten gehandelt hat.' Ich erlaubte mir, zu erwidern, dass die meisten Lords in hohem Alter wie alte Juden aussehen, besonders wenn sie einen Ziegenbait tragen. Uebrigens habe ich gehört, dass Disraeli in seiner Jugend der erste Beau und Dandy des Parlaments gewesen sei und sein Vermögen der Gunst einer schönen Lady verdankte."-- Nicht uninteressant ist auch eine Reminiszenz, die sich auf die Stellung der Juden in Rumänien bezient, denen die rumänische Regierung bekanntlich unter Missachtuug der Beschlüsse des Kongresses die Gleichberechtigung vorenthält . . Em Gespräch Andrassys mit dem Grafen Schuwalow, dem russischen Kongress-Delegierten, gibt uns einigen Aufschluss über die Vorgänge in der diplomatischen Werkstätte. Nach einer Sitzung, in der Oesterreich-Ungarn die Religionsfreiheit und Gleichberechtigung der Juden in Rumänien durchgesetzt und unter europäischen Schutz (Wer lacht da? Die Red.) gestellt hatte, gingen die beiden Herren nach Hause. Schuwalow fragt gemütlich: „Mein lieber Graf, haben sie die Juden gern?u „So ziemlich I" antwortete Graf Andrassy. „Aber in Rumänien gibt es viele Juden 1" Und beide lachen . . . * * * Die jüdischen Hotels in Palästina. Die letzte Nummer der Monatsschrift „Palästina" weist einen reichhaltigen Inhalt auf. Wir finden u. a. einen Artikel von Frau Dr. Rahel S t r a u s „Frauenarbeit in Palästina"; von Pastor Eberhard „Die Bedeutung der Palästina - Forschung für die Bibel" u. s. w. In einem Aufsatze „Die jüdischen Hotels" wird ein sehr wunder Punkt berührt, der an dem schwachen Besuche Palästinas Schuld trägt. Wir lesen da: „EiQ klassisches Land ist nun einmal Palästina, das die Reisenden anlockt. Aber die, welche aus dem Jordanland eine Schweiz machen können, das sind nicht vorerst die russischen Studenten. Die lassen kaum Geld im Lande, höchstens einige durchgelaufene Stiefelsohlen. Aber die reichen Juden wollen ihren Komfort. Soll so ein Jude, der nie Erez Israel verlassen hat, wissen, was das ist. Man kann es schwerlich verlangen. Das entschuldigt manchen Hotelier, schafft aber nicht aus der Zeitgeschichte, dass es heute noch Orte in Palästina gibt, wo die jüdischen Wirte vieles, manchmal alles zu wünschen übrig lassen. Dort gibt es wenigstens überall gute Logis hei deutschen Hoteliers. Der gute Jude wünscht aber eine jüdische Unterkunft. Was den jüdischen Hotels fehlt, mag hier beiseite gestellt werden. Oft ist es eben die europäische Zivilisation, die marj, wo sie fehlt, äusserst schmerzlich vermiast. Hotels zu gründen ist heute nicht nur kein schlechtes Geschäft. Es ist im gewissen Sinne eine nationale Tat. Denn mancher, der einmal schlaflose dächte verbrachte, vergisst, sein Pech würdig zu tragen und trägt die schlechte Erinnerung in weite Kreise. Dies oder anderes darf nicht m*>hr vorkommen. Eine Schweiz kann sonst Palästina reichen Juden nicht werden." * * * Vom 1. Oktober erscheint in New-York eine neue Monatsschrift in Jiddisch betitelt. „Das neue Leben". Als Herausgeber und Redakteur figuriert der bekannte Schriftsteller Dr. Chaiin Schitlowsky, welcher seine Aufmerksamkeit in erster Linie Themen wissenschaftlichen und philosophischen Inhaltes zuwenden wird. Büch CFcirilauK Festschrift zum 25jährige« Jubiläum des österreichischunsarischen Kantoren-Vereines in Wien. (1833—1903). Redigiert von Dr. Moriz Löwy. P. J. Tonger. Wollen und Wirken der Lebensfreu de. Sprüc/ie und Gedichte. Köln, Verlag von P. J. Tonger. Dr. Artur Goldmann. Das Judenbuch der Scheflstrasse. (13b9—142U). Wien und Leipzig. 1908. Verlag von Wilhelm Braumüller. Schalom Asch. S a b b a t a i Zwi. Tragödie in drei Akten. Berlin. 1908. Verlag von S. Fischer. ßricfyastcn der Reduktion. S. üch. in Buczacz. Die Adresse dieser Zeitung lautet: Lemberg, ZröJl&na i\r. 9. — A. T. in Sanok. Die Adresse von „Ost und West" lautet: Berlin W. Knesebeckstrasse Nr. 48/49. — H. T. in P. Den avisierten Artikel haben wie leider bisher nictit erhatten. — M. K. in Wien II. Der genannte Mädchen-Ausstattungs-Verein ist gegenwärtig daran, die Aenderung seiner Statuten bei der btatthalterei zu erwirken. Ob dies gelingen wird, wissen wir nicht. Wir raten Ihnen, die Genehmigung der Statuten abzuwarten. — Neugierig. 1. Der höchste Orden, den bisher ein Jude in Oesterreich erhie/t, ist das Grosskreuz des Franz-Josets-Ordens. 2. Soit dem Jahre 137U ist in Oesterreich mit keinem Orden der Adel verbunden. — Bankbeamter. Welche Beweise verlangen Sie denn dafür, dass die Länderbank gegenwärtig eine ausgesprochen antisemitische Batik ist? Besorgt sie nicht alie Geldtransaktionen für die antisemitische Gemeinde! Hat sie nicht jüngst gerade die antisemitischen Witzblätter, wie „Floh" und „Kikt riki* mit Inseraten des Wiener Gemeinde- Anlehens in auffallender Weise bevorzugt. Der Umstand, dass die Wiener Filiale des jüdischen Nationalfonds an die Länderbank die Herstellung und den Vertrieb der zionistischen Zündhölzchen vergeben hat, beweist für die Länderbank nichts. Wieso aber das konsumierende jüdische Publikum dazu kommt, die Lueger-rJank beim Einkauf zu unterstützen, ist eine andere Frage. £~+~S> ^5 chiffsnaehriehten. Die Hamburg- Amerika-Linie meldet: Nordamerika: D. Alban,», nach Philadelphia, 12. Juli 2 l:hr 30 Min. nachm. Dover passiert. D. Amerika, von New-York kommend, 11. Juli 4 Ihr 15 .Min. nachm. auf der Elbe. D. Cidcnia, nach Boston und Baltimore, 12. Juli 5 I hr nachm. Dungeness passiert. D. Barcelona, 11. Juli 7 I hr morgens von Baltimore nach Hamburg. D. Kais c r i n A u g u s t c V i c t o r i a, 11 Juli I Uhr morgens in New-York. D. Pennsylvania, nach Ntw- York, 12. Juli 3 I hr nachm. von Boulogne sur Mcr und am 13. Juli 6 I hr 20 Min. morgens Prawle Point passiert. ■— \V e s t i 11 d i e n, M e x i k o, h ü d a m crika: D. B o 1 i v i a, nach Westindien, 11. Juli 2 I hr nachm. von Grimsby. D. Coreovado, nach Mittolbrasilicn, 11. Juli nachm. üuessant Creach passiert. D. Koni g P r 1 e d r 1 c h A u g u s t, 11. Juni 5 Uhr morgens in Montevideo und (> Uhr nachm. in Buenos Aires angekommen. D. L a P 1 a 1 a, 11. Juli 10 Uhr morgens von Paru über Madeira, nach Lissabon, Ueixoes, Vigo, Havrc und Hamburg. D. Mac^donia, nach Mittelbrasilien, 11. Juli in Pei nambueo. D. Mecklenburg, nach Westindien, 12. Juli 4 Uhr 50 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. Navarr a, nach dem La Plaut, 12. Juli nachm. Ouessant Creach passiert. D. Parthia, nach Südbrasilien, 12. Juli von Paianagua. D. P o n t o s, 12. Juli in Montevideo. D. S a r d i n i a, von Westindien kommend, 11. Juli 10 Uhr 35 Min. morgens auf der Elbe.