Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 29 „Meiie National-Zeitung'* Seite 9. Die jüdischen Trödler beim Bürgermeister Dr. Lue(|er. Eine Deputation von Trödlern aus der Jadengasse erschien unlängst beim Bürgermeister Dr. Lueger, um sich darüber zu beschweren, dass ihnen das Aushängen von Kleidern vor ihren Geschäftslokalen verboten wurde. Dr. Lueger erklärte, er kenne die Judengasse als eine historische Spezialität. Er sei kürzlich anlässlich einer Feier in der Rapprechtskirche durch die Jadengasse gegangen und habe an den ausgehängten Kleidern keinen Anstand genommen. Er werde sich umgehend Bericht erstatten lassen und für Abhilfe sorgen. Sodann Hess er sich mit den Mitgliedern der Deputation, den Herren Salzer, Aulrichtig und Weiss, in ein Gespräch ein, wobei er sich über das Lelen und Treiben in der Judengasse sehr orientiert zeigte. Ferner äusserte er, er wisse, dass die Trödler Steuer zahlen, für ihre Familien sorgen müssen, dass aber das Geschäft dort nicht floriere, wenn man draussen nicht Kleider ausgehängt sehe. Die Deputation könne sicher sein, dass den Trödlern geholfen werde. Bekanntlich versteht es Dr. Lueger, durch persönliche Liebenswürdigkeit sich Sympathien zu verschaffen. Auch kleine Gefälligkeiten erhalten die Freundschaft — mit den Juden. Was ihn aber nicht hindert, wo es politisch erioiderlich ist, gegen die Juden zu hetzen und ihre Rechte anzugreifen. Jüdische Senatoren in Italien. Der König hat unsere Glaubensgenossen Advokat Giacomo Levy- Civita, Vizebürgermeister in Padua und Dr. Pio F o a, Professor der pathologischen Anatomie an der Universität Tarin, za Senatoren ernannt. Dem Senat gehören nunmehr neun Juden an. Präsident G over Cleveland über die Juden. Anlässlich des Todes des amerikanischen Ex-Präsidenten Cleveland sei der Worte gedacht, die derselbe bei der Feier des 25üjährigen Jubiläums der jüdischen Ansiedlung in den Vereinigten Staaten an die Juden richtete. „Es ist Zeit, rückhaltlos anzuerkennen, dass die Duldung und Gleichberechtigung, üie den Juden in den Vereinigten Staaten zugestanden worden sind, reichlich dem Lande vergolten worden sind. Und wenn wir die rtechnung aufmachen, wollen wir nicht unterlassen, zu ihren Gunsten zu vermerken, dass sie uns Gelegenheit gehen, durch gesunde Uebung den Geist weitherziger Gerechtigkeit und Rücksicht zu stärken, den wir, solange wir uns seihet treu sind, unerschütterlich erhalten müssen als ein unsere Nationalität auszeichnendes Merkmal." Der Pascha von Jerusalem in Rischon le Zion. Die jüdische Kolonie Rischou le Zion hatte Ende Juni die Ehre, den Besuch des Paschas von Jerusalem zu empfangen. Der Pascha wurde auf dem Wege nach ßischon von zehn berittenen Kolonisten erwartet und feierlich nach der Kolonie begleitet, wo er in arabischer Sprache begrüsst wurde. Er begab sich hierauf in die Synagoge und sodann in die Schule der Kolonie und wohnte dem Unterrichte der hebräischen und arabischen Sprache bei; den Lehrern sprach er seine Anerkennung für ihre Leistungen aus. Zu Ehren der Besucher wurden von Kindern die türkische Hymne und hebräische Lieder gesungen. Nachdem der Pascha die Kolonie besichtigt hatte, wurde er mit den anderen Beamten zu einem Festmahl im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kolonie, an dem die Gemeindeältesten teilnahmen, eingeladen. Zunächst wurde in türkischer Sprache ein Toast auf S. M. den Sultan ausgebracht und sodann in einer längeren französischen Ansprache ein Rückblick auf die Entwicklung der Kolonie geworfen. Als die ersten schändlichen Judenverfolgungen im Zarenreich im Jahre 1882 aasbrachen, wandte sich eine Schar aufopferungsvoller juuger Männer nach dem heiligen Lande und fand hier eine menschenfreundliche Aufnahme, die dem Türkischen Reiche nie vergessen werden soll. Die Entwicklung und bedeutende Wertsteigerung des Landes durch die jüdischen Kolonien hat bewiesen, dass das Vorgehen der Regierung auch dem Lande sehr grossen Nutzen gebracht hat. Die Zunahme der jüdischen Mischehen in Sachsen. Die Zahl der jüdischen Mischehen in Sachsen betrug — wie Dr. Otto Melier in einem Artikel über „Die Juden in Sachsen" ausführt — im Jahre 1905 292 gegenüber 2174 rein jüdischen Ehen, und zwar überwogen die Ehen mit jüdischem Mann (213, mit jüdischer Frau nur 79). Mit den Mischehen solcher christlichen Konfessionen, die ebenfalls in Sachsen in der Minderheit sind, dürfen diese Zahlen nicht verglichen werden. Bei den Katholiken z. B. betragen die rein katholischen Ehen nicht die Hälfte der katholischen Mischehen. 190") bestanden 18 755 rein katholische Ehen, dagegen 24.405 Ehen mit katholischem Mann und 16.549 Ehen mit katholischer Frau. Dass aber auch die jüdischen Mischehen beständig im Zunehmen begriffen sind, beweist itir Anteil, den sie unter den neugeschiossenen Ehen einnehtr.en. Von 80 im Jahr 190t> heiratenden israelitischen Männern heirateten 21 ausserhalb ihres Bekenntnis es d. h. 26,25%), von Krauen 10 (d. h. 14,5U%). Hier wie anderwärts bedeuten die3e jüdischen Mischehen erhebliche Verluste für das Juden* tum. Im Jahre 19 »5 waren von 117 Kindern in Mischehen mit jüdischem Mann nur 1H dem Glaubensbekenntnis des Vaters (d. h. 15,4%) getolgt; von 53 Kindern in Ehen mit judischer Frau wurden nur 7 im Glaubensbekenntnis der Mutter erzogen (d. h. 13,2%). (Die Zanlen sind dem „Statistischen Jahrbuch für das Königreich Sachsen," 3i. Jahrg., 1903, Dresden entnommen). Jeru8aiemiti8ches Sprachenbabel. Die drei Kindergärten des Deutschen Hilisvereines zu Jerusalem wurden im Jahre lb07 von ü05 Kindern besucht. Davon waren : Umgangssprache Sephardim 120 39,9 Prozent Spaniolisch Aricnkenasim 116 b8,0 „ Jüdisch aus Yemen 17 5,6 „ Arabisch „ ßochara 16 5,2 „ Bocharisch „ Persien 16 — 5,2 „ Persisch „ Grusinien 9 3,0 „ Grusinisch „ Bagdad und Aleppo 4 1,3 „ Arabisch „ Marokko 3 1,0 „ „ Marokkodialekt „ Bulgarien 3 1,0 „ Bulgarisch Mohammedaner 1 0,3 „ Arabisch. Diesem Uebel helfen die Kindergärten dadurch ab, dass die Zöglinge dort Hebräiscn als gemeinsame und einzige Sprache erlernen und sprechen. ^eitschFiften'f^undschau. Die jüdische Kriaiiualstatistik in New-York. Im New-Yorker „American Hebrew" finden wir folgende Untersuchung über die Kriminalität der dortigen Juden, die an der Hand von Ziffern nachweist, wie ungerechtfertigt die Behauptungen amerikanischer Hetzer von der moralischen Minderwertigkeit der eingewanderten Juden sind. üie Totalzahl der gegen Juden erhobenen Anklagen betrug im Jahre 11)07 666. Verghcheo mit der Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung New-Yorks, die vom American Jewish CommiUee am 31. Dezember lb07 auf 750.000 geschätzt wurde, befand sich also unter 1000 Juden nicht ganz eine Person, die unter Ai.klage gestellt wurde (genau 0,0888%). Die Totalziffer der in demselben Zeitraum angeklagten Nichijuden betrug 3907. Die Totalbevölkerung der Stadt New York belief sich nach der Statistik des Gesundheitsamtes am 31. Dezember 19 7 aut 2,667.810 Personen; nach Abgang der Juden verblieben abo l,tf/7.8uo Nichtj iden. Es entfielen also mehr als zwei Angeklagte auf je 10Jü Aichtjuden. Diese Zahlen können schon als Beweis dafür angesehen werden, dass die Kriminalität der Juden in New York nicht halb so gross ist, wie die der Nichtjuden. Natürlich ist eine Anklage noch n.cht gleichbedeutend mit einem Verbrecnen. Nun wurden im ganzen 45') Juden und 2o8U Nichtjuden verurteilt oder in Prozenten ausgedrückt 0,0613% der jüdischen und 0,1233% der nichtjüdischen Bevölkerung, das heisst, auch zu den Verurteilten stellten die Juden relativ nicht einmal die Hälfte der von den Nichtjuden gestellten. Die von Juden begangenen Verbrechen waren durchweg leichterer Natur, was deutlich aus dem Strafvollzug hervor-