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Neue Nationalzeitung · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 29. GEMEINDS=ün& VSRI5iNSNftl.?RiU«W Verein zur Erziehung: jüdischer Waisen in Palästina. Frankfurt a. M. Die Verwaltung äes „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Paläsina" eröffnet ihren soeben ausgegebenen Bericht, der die Jahre IfOi und 19r,7 umfasst, mit dem Ausdrucke gerechter Befriedigung, dass ihre Irstilu'ionen, das Waisenhaus und die Lämel - Schule in Jerusalem, sich abermals als ein Segen für die jüdische Bevölkerung im Heiligen Lande entwickelt nahen. Acht Zöglinge haben nach ihrer vollständigen Ausbildung das Waisenhaus verlassen und als Handwerker auskömmliche Beschäftigung gefunden. Diese acht jungen Lmite liefern zugleich d^n unwiderleglichen Beweis, dass die jüdische Jugend im Heiligen Lande zu ernstem Streben und zu tüchtiger Arbeitsleistung mit freudigem Willen auch die geistigen und körperlichen Fähigkeiten besitzt, die nur dir kundigen Hand harren, welche sie verständnisvoll anleitet und erzieht. Der Verein hat im Jahre 19' t> insgesamt 32.f30 Mark vereinnahmt, Hl.370 Mark verausgabt, im letzten Jahre 32 977 beziehungeweise?8 177 Mark. Der eiserne Fonds ist auf b78035 Mark angewachsen. Der Bericht gedenkt sodann mit pietätvollen Dankesworten der vier während der Berichtsjahre heimeegangenen Mitglieder der Verwaltung, der Herren Theodor 0 s c h in s k y - Breslau, Konsul Adolf Baer - Goldschmidt-, Prof. Dr. Josef Werner- und Charles L. H a 11 g a r t e n - Frai kfurt a. M., und schliesst mit drm beherzigenswerten Appell: „Wer wird an die Stelle dieser Mitarbeiter treten? Wer wird mit uns weiter dafür sorger, dass die Waisen in Palästina ein menschenwürdiges Dasein führen nnd eine gute Erziehung erhalten? Wer wird mit uns dafür eintreten, dass die Schulbildung in Palästina weiter gehoben und dadurch die K<iliur des Landes auf ein höheres Niveau gebracht wird? Unsere finanziellen Mittel sind erschöpft. Schon im letzten Jahre haben unsere Einnahmen nicht mehr ausgereicht, um den Anforderungen, die unsere Anstalten an uns stellen, gerecht zu werden. Wir mussten, so schwer es uns auch wurr'e, das durch jahrzehntelange Arbeit ersparte Kapital angreifen und mehr als 1".000 Mark diesem entnehmen. Eine finanzielle Gesundung unseres Vereines kann erst dann eintreten, wenn wir für unsere gute Sache neue Gönner gewinnen. Wir richten daher an alle Freunde Palästinas die herzliche Bitte und den dringenden Appell, ihre Sympnthie für unsere Bestrebungen dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass sie durch Geldmittel unseren Verein kräftig untei stützen." * * « Berlin. An der neuen Synagoge in Berlin-Xeckarstrasse wirkt gegenwärtig Herr Oberkanror Oesterreicher, der früher an der Wiener Synagoge des XX. Bezirkes tätig wur und der jüdischen Bevölkerung der Brigittenau gewiss noch in angenehmer Erinnerung steht. Oberkantor J. Oesterre icher hat längere Zeit hindurch eingehende Gesangsstudien betrieben, wodurch seine Stimme an Wohllaut und Stärke gewann. Nach einem Probevortrag berief ihn der Vorstand an diese Stelle, wiewohl eine grosse Zahl auch einheimischer Kantoren auf diese Stelle aspirierte. Bekanntlich bedarf es bei der Anstellung von ausländischen Kantoren der behördlichen Genehmigung, welche gerade in Preusscn nicht leicht zu erzielen ist. Doch bot der Vorstand alles auf, um sich die seltene Kraft eine«? Kantors vom Range Oesterreichers zu sichern. Trotz der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit geniesst Herr Oesterreicher in seiner Gemeinde die grössten Sympathien, die besonders in einer intimen Feier zum Ausdruck kamen, welche vor einigen Tagen ihm zu Ehren veranstaltet wurde, und wobei ihm ein kostbares Ehrengeschenk,' des Vorstandes als Ausdruck seiner Zufriedenheit übermittelt wurde. %is ftiigN weixtftLM Die Spenden für den jüdischen Nationalfonds im II. Quartal d. J. weisen aus Oesterreich au Einnahmen den Betrag von 8071,61 Mk. ans. Damit rangiert Oesterreich an zweiter Stelle. Lediglich Russland hat mehr abgeführt u. zw. 14.125,60 Mk.; hingegen sind aus Deutschland blos 6984,91 Mk. eingegangen. Gegen jüdische Karrikaturen. Von der Exekutiv- Behörde des unabhängigen israelitischen Ordens B'nai B'rith in New-York wurde eine Resolution angenommen, wonach die Theaterdirektoren des Landes ersucht werden sollen, dem Karrikicren der jüdischen Rasse auf der Bühne Einhalt zu tun, und der Präsident des Ordens, Adolph Kraus, wurde ersucht, über den Vollzug des Beschlusses zu wachen. Also auch in Amerika! . , . Das Duell Pergament-Markow. Das sensationellste Ereignis in Russland war vergangene Woche das anfangs von der Polizei verhinderte, schliesslich aber infolge unbeugsamer Entschlossenheit Pergam ents dennoch ausgefochtene Duell desselben mit dem Mitgliede der äussersten Rechten Markow. Letzterer hat in der Dumadebatte vom 3. d. M. bei Beratung des Regierungsprojektes über die Errichtung von Kriminalpolizei-Institutionen in der Provinz eine Rede gehalten, in welcher er diese Institution in überschwenglichen Worten pries. Man Ic?*mt in Russland mehr als genau die Auswüchse der russischen Kriminalpolizei, deren Willkür keine Grenzen hat. Dem Vorredner entgegnete das iKadettenmitglied P e r g a m c n t, der Abgeordnete der Stadt Odessa, einer der scharfsinnigsten Juristen des modernen Russland, der die Bemerkung nicht unterdrücken konnte, Markow träte deshalb für die Kriminalpolizei ein, weil die Funktionäre dieser Institution ihm offenbar am Herzen liegen. Das genügte dem Führer der äussersten Rechten, Mar - kow II., um Pergament zum Duell zu fordern. Wie in Dumakreisen erzählt wird, hatte Markow die Duellforderung in der Erwartung gerichtet, dass Pergament als Mitglied der Kadettenpartei, welche aus Anlass der Duellforderung an den Kadettenführer Miljukow sich aus politischen Motiven gegen das Duell erklärte, die Duellforderung nicht annehmen werde. Andererseits machten die Parteigenossen Markows böse Anspielungen auf die jüdische Herkunft des Abgeordneten Pergament (derselbe ist getauft), dass derselbe die Forderung „aus Mangel an Mut" nicht annehmen dürfte. Zur grossen Be - stürzung der äussersten Dumarechten nahm Pergament die Forderung an und nominierte den General B o b j a n s k i und den Duma-Abgeordneten K or an low als seine Sekundanten. Kaum ward die Duellaffäre bekannt, als Pergament von seinen Wählern in Odessa bestürmt wurde, sich zu schonen, aber er erwiderte: „Ihr Erwählter wird so handeln, wie es seine Ehre erfordert." Seine in Berlin weilende Gattin, eine Tochter des Professors S o k a 1 s k i, telegraphierte an Pergament: „Wenn du kannst, denke an die Kinder." Doch das Duell wurde beschlossen und sollte am 6. d. M. im Udelny-Park stattfinden. Aber Stolypin wollte das Blutvergiessen verhüten und beauftragte die Polizei das Duell zu verhindern. Tatsächlich erschien die Polizei auf dem Duellorte in dem Augenblicke, als die Gegner die Pistolen erhoben, um nach gegebenem Zeichen zu schiessen. S;e konfiszierte die Waffen und das Duell konnte nicht stattfinden. Pergament beharrte aber auf der Austragung des Ehrenhandels und das Duell fand in der Ischora statt. Doch verlief das Duell unblutig. Die Gegner schössen fehl. Jetzt sagen die Mitglieder der Dumarechten: Pergament macht seinem früheren Volke Ehre.

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