Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425751--0915-2427234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
„Neue National-Zeitung" Der Hilfsverein soll den armen Leuten helfen; er soll ihnen Erwerbsmöglichkeit, Brot schaffe i. Wenn die Leute nicht mehr hungrig sein werden, so wird auch mit den Fortschritten der Zeit und dank den Volks-, sowie Baron Hirsch'schen Schulen die Kultur zU ihnen Eingang finden. Ganz ist ja doch Galizien nicht mit Brettern verschlagen. Die Massen der galizischen Juden sind allerdings in wirtschaftlicher Beziehung auf die Unterstützung ihrer westeuropäischen Brüder angewiesen, aber die Zeit, da man nach Galizien vom Westen Kultur getragen hat, ist schon vorbei. Die Zukunft der galizischen luden ist keine Kulturfrage, sondern eine wirtschaftliche und politische Frage. Beide hängen auch mit einander eng zusammen. Ihre Befreiung von der wirtschaftlichen Not wird auch ihre politische Emanzipation, von den Machthabern des Landes zur Folge haben. Darum verschone man lieber das Land mit der Kulturträgerei. Deutsches Reich. Znr Auswanderung-. Berlin, den 14. Juli. Der Hilfsverein der Deutsehen Juden versendet folgende Erklärung: Berlin, den 14. Juli 190S. Hochgeehrte Redaktion! Den falschen Ausstreuungen gegenüber, die seit längerer Zeit im In- und Auslande über die Tätigkeit des Ililfsvereines' der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich verbreitet werden, sehe ich mich veranlasst, das Nachstehende in Bezug auf unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der Öffentlichkeit klarzustellen. Auf Veranlassung des Hilfsvereines der Deutschen Juden fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1904 in Frankfurt a. M. statt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen : ,,dass die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde;" ,,dass ein ,,internationales Zcntralhurcau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa" gebildet werde." Der Hilfsvercin der Deutschen Juden hat darauf genieinschaftlich mit der Grossloge für Deutschland in Gemässigt der Frankfurter Beschlüsse, die Arbeit in Denis* bland weiter ausgedehnt, der er .sich 'auch bereits vor der Konfeienz mit grossen Opfern und Geldmitteln umerzogen hatte. Es war eine zwiefache Aufgabe zu erfüllen: als Landesorganisation für Deutschland hatten wir zu fungieren, und es musste von uns zugleich ein internationales Zcntralbureau für die jüdischen Auswanderungsangelegenheiten in Berlin, angegliedert an den Ililfsverein, ins Leben gerufen werden. Das war im Jahre 1004/05. Im Jahre 1906 schlössen sich darauf die I.C.A. und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in dankenswerter Weise an und gewährten uns für einen bestimmten Teil der Auswanderung ihre Beihilfe, und zwar die I.C.A. mit 75 Prozent und die Alliance mit 10 Prozent. Es muss hervorgehoben werden, dass diese Subventionen für die von uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, dass alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands für die von uns gegründeten Herbergen, Verpflegungsstationen und Krankenanstalten, sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlichen näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilfsverein getragen worden sind. Dm ein Bild zu geben von den Summen, die trotz der dankbar anzuerkennenden Subventionen der Hilfsverein aus eigener Kraft für die Auswanderung aufgebracht hat und noch aufbringen muss, sei auf die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbnrcau f j. Ansdavnn Tl.. . ,,. wand«rnnpsangelefrenheiten Hilfsverein 1LA AHiauco im Jabre 19o*/5 rund 3i0 0f-0 Mk. 310001 Mk. kein Znschnes kein Znschuss , „ 1906 , 453256 „ 253402 , 116 312 Mk. 23 512 Mk. „ , 1907 * 400 000 n 221912 „ 157 119 „ 20 949 „ , 1«L'8 bisher B 100 000 . 83 386 . U 286 . 8 32ö . Seit Ende 1904, also seitdem die grosse Auswanderungsbewegung einsetzte, bis heute, sind durch uns für die Auswanderung 1,213.256 Mark ausgegeben worden. Davon entfielen: auf die I.C.A. . . 347.749 Mk. auf die Alliance .... 46.787 Mk. auf den Hilfsverein . . . 868720 Mk. Laut Schreiben der Deutschen KonferenzüCsellschaft vom 25. Tuni 190S •erreichte alsdann die Mitarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April dieses Jahres überhaupt ihre Endschaft. Die Zahlen werden genügen, um die Oeffentlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zu unterrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen auf diesem Gebiete wie auch auf anderen Gebieten als das zu nehmen, was sie sind. Ich bedauere, die Oeffentlichkeit mit diesen Darlegungen befassen zu müssen; aber sie sind eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellung an mich gelangt sind. In grösster Hochachtung Dr. Nathan, Geschäftsführer des Hilfsvereines der Deutschen Juden. David Wolffsohn in Petersburg. Frankfurt a. M. Das zionistische Aktionskomitee versendet folgende Mitteilung: ,,Am Freitag, dem 10. Juli, wurde der Präsident der Zionistischen Organisation, Herr David W ol ff s o h n , vom russischen Premierminister, Herrn P..A. von Stolypin. im Elagin'schen Palais empfangen. Im Laufe einer längeren Unterhaltung, die während dieses Empfanges stattfand, wurden die wesentlichen Punkte der zionistischen Bewegung, ihre allgemeinen Ziele, die Tätigkeit ihrer Institutionen und die zionistische Arbeit innerhalb Russlands eingehend erörtert. Zum Schlüsse gab der russische Premierminister seiner vollsten Sympathie für das zionistische Ideal Ausdruck und erklärte, die russische Regierung beabsichtige nicht den Zionisten Russlands Hindernisse in den Weg zu legen, sofern ihre Arbeit der Verwirklichung ihres programmatischen Bestrebens gewidmet ist, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu schaffen. An demselben Tage hat Herr David Wolffsöhn eine längere Konferenz mit dem Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, Herrn A, P. Iswolsky." Zu den Aeusserungen Stolypins steht in grellem Kontraste das Verbot jedweder zionistischer Betätigung in Russland gereinigte Staaten. Die galizischen Jnden in New-York. New-York, Ende Juni. (Orig.-Korr.) Die Juden aus dem Osten Oesterreichs, und zwar aus Galizien und Bukowina halten hier sehr zusammen. Am besten zeigte sich dies auf der hier jüngst stattgehabten fünften Konvention aller Vereine der galizischen und Bukowinaer Juden. 60.000 Mitglieder waren hier durch 800 Delegierte vertreten. Die 275 Vereine bilden eine Förderation, deren humane Einrichtungen musterhaft sind. Im letzten Jahre hat der Verein 30.000 Dollars eingenommen; er erhält ein eigenes Spital und eine ArbeitsA^ermittlungsstellc, die im letzten Jahre an 15—20.000 Landsleute Stellungen vergeben hat.