Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. „Neue National-Zeitung^ Seite 9. $U$ WeilttiLgN Bechor Elijahu Hazzan, der Chacham Baschi von Alexandria, ist gestorben. Hazzan wurde 1845 in Smyrna geboren, lernte in Jerusalem, wo sein Grossvater Chacham Baschi war, wurde Mitglied des Jerusalemer Beth-Din, 1874, 29jährig, Chacham Baschi von Tripolis und 1888 Chacham Baschi von Alexandrien. Er veröffentlichte eine Anzahl hebräischer Bücher. Der Sultan zeichnete ihn mehrfach durch Orden aus. Der Verstorbene war vor einigen Jahren Ehrenpräsident des Rabbinerkongresses in Krakau. Eine 400.000 Mark-Stiftung des Geheimen Medizinalrates Dr. Wolf Cohn zur Ausbildung jüdischer Handwerkslehrlinge ist dieser Tage in Berlin wirksam geworden. In Jerusalem hat die „Icaw einen grösseren Grundkomplex zum Bau von Arbeiterhäusern angekauft. Dieselben werden den Namen Zadoc Kahns tragen. Dr. S. BychOWSki, der in den Warschauer Kultusvorstand gewählt wurde, hat über Betreiben der Assimilanten wegen seiner zionistischen Gesinnung die Bestätigung des General-Gouverneurs nicht erhalten. Die Ausgaben für das letzte Jahr wurden von der Pariser Kultusgemeinde (Association Consistoriale) mit 220.700 Frcs. budgetiert. Die Einnahmen aus der Kultussteuer allein (3616 Besteuerte) betragen jährlich 261.968 Frcs. Eine Religionsstatistik der Gegenwart enthält das in diesem Jahre erschienene amerikanische Missionsblaubuch. Die Zahlen stimmen ziemlich genau mit denen von P. Krose S. J. in den „Stimmen aus M.¬ Laach", Jahrgang 1903, veröffentlichten. Es sind nach Krose : nach Miss.-Blaubuch Katholiken........264 506 0UO 272 638 5C0 Protestanten.......I6ö b27 UÜ0 166 0ö6 0U0 Griechisch-Ürthodoxe ... 117 875 ÜOO 120 157 000 Jaden.........-.11027 000 11220000 Mohammedaner..... 202 Oiö U00 216 büO 000 Buddhisten....... 120 2ö0 000 137 935 OüO Hindus.........2100000^0 209 659 000 Konfuzianer und Tavisten . 267 000 OOu 231 816 Was ist's mit den Staatsgrundgesetzen? Der Bezirks-Ausschuss von Cieszanöw (Galizien) sucht mittelst Konkurs-Ausschreibung einen Kontroll-Beamten. Als erste Bedingung für die Aufnahme gilt der — Taufschein. So machen es ja alle Bezirks- Ausschüsse in Galizien. Vielleicht könnten sich die jüdischen Landtags-Abgeordneten — wir haben ihrer ja jetzt sechs — einmal aufraffen, um im Landtage die krasse Verletzung der Ötaatsgrundgesetze durch die autonomen Behörden zur Sprache zu bringen! Jüdische Arbeiter in Chikago. Die amerikanischen jüdischen Zeitungen bringen ab und zu einige charakteristische Bilder zur gegenwärtigen Lage der Arbeiter in den Vereinigten Staaten. Besonders bezeichnend ist folgendes: Zur Zeit gibt es z. B. in Chikago ungefähr 500 jüdische Schuhmacher, von denen ein grosser Teil früher in Russland selbständig gewesen war. In Chikago sind sie natürlich ahhängige Lohnarbeiter. Sie verdienen etwa fünf bis zehn Dollar pro Woche, was in Chikago nicht sehr viel ist und arbeiten dafür von 6 Uhr morgens bis neun Uhr abends. Die Werkstätten, in denen sie beschäftigt werden, sind grösstenteils unsaubere, im höchsten Grade unhygienische Räume mit überaus mangelhafter Ventilation. Frische Luft ist dort ein seltener Artikel. Um aber selbst bei diesen wenig verlockenden Bedingungen dauernd Beschäftigung zu haben, ging ein grosser Teil der Arbeiter aul folgende Bedingungen ein: Sie geben ihre ganzen Ersparnisse dem Geschäftsinhaber als Einlage, wogegen er verpflichtet ist, die betreffenden Arbeiter ständig zu behalten. Diese Verhältnisse werden natürlich von skrupellosen Leuten weidlioh ausgenützt. Die Zahl 13. Der bekannte Altertumsforscher Prof. A. Berthold in Basel schreibt über die Zahl 13 in den „Basler Nachrichten": „Wenn es heutzu. tage Mode geworden ist, möglichst viel Kulturerrungenschaften von Babel abzuleiten, wenn diese Neigung zum „PanbabylonismusM in gewissen Kreisen sogar alles Mass überschreitet, so ist im speziellen Falle wohl wirklich einmal auch das besagte Stück Aberglaube ein babylonisches Erbe. Zur Zeit des jüdischen Exiles nämlioh war das in Babylon gebräuchliche Kalenderprinzip ein Mondjahr von abwechselnd 29 und 30 Tagen, was für 12 Monate 354 Tage ausmachte. Um nun den Ausgleich mit dem Sonnen jähr zu erreichen, wurde in entsprechenden Zeiträumen eiu weiterer, dreizehnter Monat eingeschaltet; als überschüssiger aber galt er als eigentlicher Unglücksmonat, der seine Zahl 13 in Verruf brachte. Und damit hängt gleich ein Weiteres zusammen : Wie jeder der gewöhnlichen 2 Monate einem der bekannten Tierkreiszeichen entsprach, so entsprach dem Schaltmonat das Tierkreis zeichen des Raben, weshalb der Rabe der Unglücksvogel wurde. In diesem Zusammentreffen von Unglückszahl und Unglücksvogel liegt gerade die beste Gewähr, dass diese Erklärung des Aberglaubens von der 13. Zahl das Richtige trifft. Dem Christentum wäre er somit durch das Judentum übermittelt worden." Die mexikanische Regierung hat den russischen Territoriallsten durch den Gesandten in St« Petersburg Ländereien in Mexico zur Kolonisation angeboten. Eine Antwort darauf ist bisher nicht erfolgt. Die Juden in Bulgarien. Ueber die Juden in Bulgarien bringt eine Veröffentlichung der Directum de la Statistique des *ürstentums Bulgarien: „La population en Bulgarie" Sophia 19U7 wertvolle Angaben. Die Zahl der Juden betrug: im Jahre männlich weiblich cogama«n G«8»mt-"«fiUc! 1887 12083 12269 24352 U,77 1892 14038 14269 28807 0>86 1900 16607 170Ö6 33663 0,90 Die Juden sind im Fürstentum hauptsächlich ein städtiacnes Element; sie zählten im Jahr 1900 in den Städten 32.482 4,a2 Prozent der Gesamt-Bevölkerung; in den Dörfern mit mehr als 20U0 Einwohnern 231 0,05 Prozent der Gesamtbevölkerung; in den Dörfern mit weniger all 2000 Einwohnern 950 (i,U4 Prozent der Gesamtbevölkerung; in allen Dörfern zusammen 1181 0,04 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Muttersprache der Juden ist noch fast ausschliesslich das Spaniolische; diese Sprache wurde nämlich gesprochen: 1888 von 23541 96,67 Prozent aller Juden 1893 „ 27531 97,26 „ , a 19U0 „ Ö257Ö 96,76 „ „ „ Die Juden in Norwegen. Nach einer Zusammenstellung in der Norwegischen offiziellen Statistik betrug im Jahr« die GasamtbeTölkerunf die Zahl dar Ju4*n 187Ö 1,806.900 26 1891 1,988.674 214 1900 2,221.477 624 Es kamen also auf 1000 Einwohner im Jahre 1876 0,013 Juden, im Jahre 1891 0,106 Juden, im Jahre 1900 0j29 Juden. Die Zahl der Juden ist hiernach in Norwegen noch heute gering, sie ist jedoch in stetigem, und zwar sehr schnellem Steigen begriffen.