Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. „Neue National-Zeiturig" Seite 7. gpfcchsaaK Mannheimer und Wolf. Sehr geehrter Herr Redakteur! Was hat in der letzten Nummer Ihres Blattes der Archiv- Beamte des Wiener Kultusvorstandes eigentlich berichtigt? Etwa, dass Mannheimer den Dr. Gerson Wolf nicht zu seinem Nachfolger haben wollte? Keineswegs! Er hat vielmehr dies aktenmässig nachgewiesen. Der Herr Archiv-Beamte hat nur berichtigt, und dies aus den Akten, 1 dass in diesen nicht geschrieben stehe, Mannheimer habe ,,f ü r sein L e b v. n gern" den Wolf als Nachfolger gesellen, sondern dass;cr .selbst in offener Sitzung noch die Frage gestellt: ,,Ob man den Religionslehrer Wolf nicht berücksichtigen wolle". Cu-wiss, in den Akten steht nicht, dass Manheimer ..für sein Leben gern" den Religionsh'hrer Wolf zu seinem Nachfolger gehabt hätte; aber ist es nicht bezeichnend genug, dass er, selbst als er den entschiedenen Widerspruch des Vorstandes bereits kannte, schliesslich noch in offene r Sitzung seinen Wunsch nicht unterdrücken konnte! Aber der Herr Archiv-Beamte liest in den Akten nicht die Worte: ,,für sein Leben gern". Wir aber, die wir aus lebendiger Erinnerung noch schöpfen, die wir damals dabei waren und uns für die Gemcindeangelegenheitcn interessierten, wir wissen genau, dass Mannheimer ..für sein Leben gern" den Philosophen Wolf zum Nachfolger gehabt hätte, und dass er diesen Wunsch mit aller Wärme den Vorstehern seiner Gemeinde, wenn auch nicht in offener Sitzung, wiederholt vor getragen. Das weiss ich. der ich damals als Rabbinatskandidat in Wien studierte und selber ein Ben-bajitli bei Mannheimer war; der ich damals bei irgend einer Gelegenheit ein dithyrambisches Poem auf Mannheimer veröffentlichte und seinen Beifall mir errungen hatte Das wissen alle meine Kollegen aus jener Zeit, die noch am Leben sind, und i-ii habe es noch so lebendig in Erinnerung, dass ich es beschwören könnte: Mannheimer habe ..für sei n Lebe n g c r n" den Religionslehrcr Wolf zum Nachfolger haben wollen. Aber es steht nicht so wo rt 1 i c h in den Akten, und der Archiv-Beamte .des Wiener Kultusvorstandes meint: quod non est in actis, non est in mundo. Wenn aber das. was in den Akten sieht, heilig, warum verschweigt ein'Archivbeamter des Wiener Kultusvorstandes eine so wichtige Tatsache, wie die: dass nicht bloss Güdemann, sondern auch JeHinek zu gleicher Zeit O?> c r r n h h i n c r waren und dass die Kultusgcmeinde in den letzten Talm-n Tellineks zwei Oberrabbiner-, und als der letztere starb, einen Oberrabbinertitel zu vergeben hatte und auch vergeben wollte, es aber nicht tat, weil der Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann es nicht erlaubte? . . . Ja das verschwieg der Herr Archiv- Beamte jüngst, als er in einem anderen jüdischen Blatte eine archivalische Notiz gelegentlich der Jubelfeier des Tempels in der Leopoldstadt veröffentlichte. Da zog der Jlerr Archiv- Beamte gleichsam bei den Haaren die Geschichte der Anstellung Güdemanns herbei, erwähnte seine Ernennung zum Oberrabbiner, sprach von fellinek und das alles so. als ob es damals nur e i n e n Oberrabbiner, nämlich Dr. G., gegeben hätte. Das durfte ein Archiv-Beamter, der soviel Scheu vor dem geschriebenen Worte der Akten an den Tag legt, nicht tun. — JeHinek starb als Oberrabbiner. Vielleicht ist dies aus den Akten noch nachweisbar. Nicht? Ein greiser Rabbiner In Mähren. ^ORReSPONDSNZdN Qesfoweich'^liigai'ti. Zur Reich sratswähl in Mielec. Mielec, den 5. Juli. (Orig-KorO Am 0. d. M. findet bekanntlich in unserem Wahlbezirke die Reichsratswahl an Stelle des zum Stalthalter ernannten Dr. Bobrzynski statt. Es kandidiert von konservativer Seite der Krakauer Universitätsprofessor Dr. von Gorski. Die Yolkspirtei des Herrn Stapinski hat die Kandidatur des ..bäuerlichen" Grafen Lasocki aufgegeben. Herr Lasocki hat als Abfindung die Stelle eines Sektionsrates im galizischen Landsmann-Ministerium erhalten. Von jüdisch-nationaler Seite wird kein Kandidat aufgestellt. Nach der gegenwärtigen Konstellation sind in diesem Wahlbezirke für einen jüdischen Kandidaten keine ernsten Chanzen vorhanden. Im Interesse des Prestiges wäre es allerdings Pflicht der jüdisch-nationalen Partei, mit einem eigenen Kandidaten aufzutreten. Hiezu aber, fehlt ihr — reden wir offen Geld. Aus Galizicn wird soviel nach Köln gezogen, dass für die politische Propaganda im Lande selbst nichts mehr zurückbleibt.' Die Zahl der jüdischen Wähler dürfte hier allerdings 4.0 4^ "11 betragen. ANein die ihnen gegenüberstehenden Polen der Bezirk ist durchwegs polnisch — dürften geschlossen vorgehen, sofern es sich um einen jüdischen Gegenkandidaten handelt. Solange die polnische Volkspartci in der Opposition war, da gab es eine Möglichkeit, in einer engeren Wahl auf ihre Unterstützung gegen den Polenklub rechnen zu können. Gegenwärtig iedoch, da Herr Stap:nski mit seiner Partei im Polenklub sitzt und sogar öffentlich seine antisemitische Gesinnung hervorzukehren beginnt, ist uif eine Unterstützung von dieser Partei nicht mehr zu rechnen. In einer der letzten Nummern der ,.Neuen Freien Presse" finde ich jedoch' eine Ankündigung, dass hier Herr Dr. Rafael L a n d a u, Kultus Vorsteher in K r a k a u. zu kandidieren beabsichtigt. Da Dr. Landau seiner politischen Gesinnung nach ein Kahalnik Cd. h. polniselvassinülatoriseh-konservativ^ ist, daher durchaus nicht als oppositioneller Kandidat' angesehen werden kann, so ist mir der Zweck (lieser Kandidatur gar nicht einmal klar. Es muss Dr. Landau einigen Leuten, die es auf seine Taschen abgesehen haben, hineingefallen sein. Anmerkung der Redaktion: Am 2. d. M. erhielt unsere Redaktion von einer Krakauer Buchhandlung das telegraphische Ersuchen, an den Bezirksmarschall von Mielec, Herrn Stefan von Sekowski, 50 Exemplare der Broschüre von Dr. S. R L a n d a u : , D e r P o 1 e n k 1 u b und s e i n e IT a u s j u d e n" abzusenden. Die Ursache, warum sich der Herr Bczirksmarschall plötzlich so lebhaft für den ..Polenklub und seine Hausjuden" interessiert, und sogar eine Agitation für diese Broschüre einleiten wollte, war uns momentan nicht recht fassbar. Erst als wir aus einer telcgraphischen Mitteilung der ..Neuen Freien Presse" vom 3. d. M. von der Kandidatur des Dr. Rafael Landau erfuhren, war es uns klar, dass die Bestellung mit dieser Kandidatur im Zusammenhange steht. Wir haben absolut nic hts dagegen, wenn der Herr Bezirksmarschall auf seine Kosten die Juden seines Bezirkes mit dem korrupten Charakter der Hausjuden bekannt macht und für eine jüdisch-nationale Propaganda sorgt. Der Asemitismns in Ungarn. Budapest, den t. Juli. (Ong.-KonO Die galizischc Schlachta hat es sich nie träumen lassen, dass ihre asemitische Politik, die doch nicht darauf losgeht, die Juden zu vernichten, sondern bloss auszuhungern, im ,,liberalen" Ungarn so bald Nachahmung finden wird. Es dauert ja schon einige Jahre, dass in Ungarin eine judenfeindliche Strömung immer mehr an die Oberfläche gelangt, dass die Juden allmählich durch Gesetz und Praxis aus dem Handel, in dem sie zum grössten Teile beschäftigt sind, verdrängt werden. Nun geht in letzter Zeit das Kabinett Wc k e rl e - A p p o n y i, das schon anlässlich des