Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. „Neue National-Zeitu'ng" Seite 5. die Kosten des Sanitäts-Wesens, der Unterhalt der Synagogen, der öffentlichen Baö!er, der Friedhöfe, der Verkauf von Koscher-Fleisch, das Biblioth'ekswesen etc. etc. werden heute von den Kolonisten selbst geleistet: wir tragen nur zu den Kosten des Schulwesens bei, an welchem auch die Provinz-Regierungen teilzunehmen beginnen; eine grosse Anzahl unserer Schulen erhält von ihnen Unterstützungen. Ferner gewähren wir alljährlich' den Genossenschaften der Kolonisten zur Verteilung während der Erntezeit an diejenigen, die derselben bedürfen. Vorschüsse, deren Rückzahlung sicher ist. Für diese Werke gegenseitigen Kredits, deren Nützlichkeit offenkundig ist, vcrv.-c.ndcn wir 660.000 Frcs. Der Erfolg der Kolonisation hat uns bestimmt, sie weiter auszudehnen. Wir haben die erforderlichen Elemente in den Kolonien selbst; sie entnehmen ihre Handarbeiter einer Bevölkerung, welche in ihrer Milte lebt und am Ende des letzten Jahres mehr als 3000 Seelen zählte. Wir unsererseits wählen unter diesen Arbeitern zur Etablierung als Kolonisten diejenigen aus, welche die grösste Aussicht bieten, vorwärts zu kommen. Unausgesetzt treffen andere Arbeiter ein. um die Plätze einzunehmen, welche von unseren neuen Kolonisten freigegeben wurden. Im Jahre tqo^ sind auf diese Weise 127 Familien, in diesem Jahre 200 weitere angesiedelt worden. Um in der Lage zu sein, die Entwicklung unseres Werkes ohne Unterbrechung fortzusetzen, er- Averben. wir neue Terrains. Der Besitz unserer Gesellschaft in Argentinien erstreckte sich Ende vorigen Jahres über 463.000 Hektar. Neuerdings haben wir 10.000 Hektar, die an Unsere Kolonie Leloir anslosscn, und 35.000 zusammenhängende Hektar in geringer Entfernung von dem Hafen Bahia-Blanca erworben. Wir sind in der Lage, weitere Landeinkäufe vorzunehmen. Das Vorhandensein der Kolonien zieht nicht nur Ackerbauer oder Arbeiter, die entschlossen sind, es zu werden, an: sie hat seit 2 oder 3 1 Jahren eine fortgesetzte jüdische Einwanderung gezeitigt. Nur ein Teil der Neueintreffenden kommt in unsere Kolonien : die anderen verteilen sich über das Innere des Landes, wo sie leicht Arbeit finden, wenn sie ein Handwerk verstehen. Die Resultate der letzten Ackerbau-Campagne waren befriedigend. Der Gesamtertrag der Winterkulturen repräsentiert 436,026 Zentner an Früchten, deren Wert annähernd 4,800.000 Frcs. beträgt. Die Kolonisten kommen ohne Mühe ihren Verpflichtungen gegen die Gesellschaft nach. Am letzten 30. April haben sie an Jahresraten eine Summe abgezahlt, Avelche die im vorigen Jahre unter gleichem Datum geleisteten Abzahlungen um 55.000 Dollars übersteigt. Im Jahre 1907 haben sie durch unsere Vermittlung zur Unterstützung ihrer in Russland verbliebenen Verwandten eine Summe von 62.000 Doli, oder t 36.000 Frcs. abgeschickt. Fügt man die Summen hinzu, welche sie direkt absenden oder zum Ankauf von Passage-Billets verwendet haben, ferner die bisweilen beträchtlichen Ausgaben, welche ein Teil von ihnen zur Verbesserung ihres Besitzes, zur Erizi'm/.ung ihres Ackergeräts, zur Versorgung mit Dreschmaschinen, die sehr teuer sind, zur Vermehrung ihres Viehstandes etc. aufgewendet haben, so sieht man, wie beträchtlich' die Erträge ihrer Arbeit ihre eigenen Bedürfnisse und diejenigen ihrer Familien übersteigen. Die Schwierigkeiten in Brasilien. In Brasilien haben zwei aufeinander folgende Jahre aussergewöhnlicher Dürre die Kolonisten ein wenig entmutigt; wir haben noch mit recht ernsten Schwierigkeiten zu kämpfen; aber im' letzten Jahre haben wir die Kolonie reorganisiert und alle Massnahmen getroffen, welche notwendig sind, um die Einnahmen der Kolonisten zu vermehren und ihren Wohlstand zu sichern. Wir haben1 die zuversichtliche Hoffnung, dass diese Verbesserungen die Situation bald günstig beeinflussen werden, und wir werden dann dieses junge Unternehmen weiter ausbauen können. Die landwirtschaftlichen Farmen in Nordamerika. Nordamerika — die Vereinigten Staaten und Kanada ■— bieten uns ein grosses Feld zur landwirtschaftlichen Kolonisation. In den Vereinigten Staaten, wo wir seit fahren mit Unterstützung" der Jewish Agriruhural und Tmlusirial Aid Society (Verein zur Unterstützung des Ackerbaues und des Handwerkes unter den Juden'*» di^ Errichtung von landwirtschaftlichen Farmen fördern, konstatieren wir, dass die jüdische Bevölkerung, die wir auf zirka 10.000 Seelen schätzen können, vom Ackerbau lebt, und dass diese Bevölkerung ungefähr überall verbreitet ist, so dass es fast gar keine nordamerikanische Provinz gibt, in der man nicht landwirtschaftliche jüclisehe Gruppen finden würde. Manche dieser Gruppen, insbesondere in New-Jersey und in Neu-England, entwickeln sich vorzüglich. Hat man nicht Grund über die rapide Entwicklung der landwirtschaftlichen Arbeiten unter den Juden auf den verschiedensten Punkten eines so ungeheuren Territoriums, wie es Nordamerika ist, zu staunen, wenn wir in Betracht ziehen, dass diese Richtung überhaupt erst vor 25 Jahren durch eine Aufwallung der jüdischen Jugend entstanden ist. Die neueste industrielle Krise in Amerika hat die Zahl derjenigen, die sich der Landwirtschaft widmen, nur noch vergrössert. Unser Direktor, Herr Dr. S o n n e n f c 1 (1. der jüngst Kanada besuchte, war erstaunt beim Anblick der von Gesundheit strotzenden jungen Generation im landwirtschaftlichen Betriebe. Die Kolonien in Palästina. In den Kolonien Palästinas hält der wirtschaftliche und moralische Fortschritt, den wir bereits vor einem Jahre konstatiert haben, an. Seit zwei bis drei fahren war die Ernte gut. Die materiellen Verhältnisse der Kolonisten haben sich verbessert und sie erwarten den Erfolg, der zum grössten Teile Von ihrer eigenen Initiative und von ihren Anstrengungen abhängt. Sie verwenden weit weniger als alle anderen, fremde Arbeitskräfte; die eigene Arbeit vergrössert ihr Einkommen und ihren Lebensunterhalt haben sie sich selbst gesichert. Sie werden mit der Zeit dahin kommen, aus dem Boden alles zu ziehen, was er ihnen bieten kann. Es wird überall intensiv gearbeitet; das Wohlergehen der meisten Kolonien ist eine Tatsache, die nicht nur durchi uns, sondern durch alle, die die Kolonien besucht haben, konstatiert werden kann. (Schluss folgt.)