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Neue Nationalzeitung · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite L „Neue Nätional-Zeitung" Nr. 28. ©ie (5eneFal^cpsanimlung der Dev^ish Kolonisation Association. Paris, 30. Juni. Am 28. d; M., 10 Lhr vormittags, fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Verwaltungsrates., Herrn Narcisse Leven, die Generalversammlung der Jewish Colonization Association statt. Zu derselben sind erschienen die Herren Leonard L. Cohen- London; Paul Errera - Brüssel; Dr. Edmund Lachmann, Vertreter der jüdischen Gemeinde Berlin; Herbert G. Lousada; Claude G. Montefiore-London, Vertreter der Anglo Jewish Association; Dr. A. Netter, Vertreter der Alliance Israelite LTniverseile; Franz P h i 1 i p p s o n, Vertreter der jüdischen Gemeinde Brüssel; und Salomon Reinach-Paris, Mitglieder des Verwaltungsrates, Herr Dr. Blau, Vertreter der jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M., hatte sich entschuldigen lassen und sein Mandat Herrn Dr. Lachmann übertragen. Ferner waren anwesend die Herren Direktoren Doktor S. Sonnenfeld und E. Mcyerson, Sekretär E. Schwarzfeld und D. Cazes. Der Vorsitzende stellte die ordnungsmäßige Einberufung der Versammlung fest und legte nach Billigung des Protokolles der vorjährigen General- Versammlung den Rechenschafts-Bcricht über die Tätigkeit der Gesellschaft während des Jahres 1907, die Bilanz und den Bericht des vereidigten Sachverständigen, der die Rechnungsbücher geprüft hat, vor. Alle diese Berichte wurden von der Versammlung genehmigt. Hierauf ergriff der Präsident das Wort zu folgender Ansprache: „Meine Herren, bevor ich Ihnen einen Ueberblick über die Arbeiten des abgelaufenen Jahres gebe, ist es mir Bedürfnis, meine ehrfurchtsvolle Huldigung dem Andenken des ausgezeichneten Mitarbeiters, den wir soeben verloren haben, des Herrn Charles Hall gar ten, zu widmen. Vor einigen Monaten noch weilte er in unserer Mitte, und trotz seiner geschwächten Gesundheit hat er uns einen grossen Teil seiner unermüdlichen Tatkraft gewidmet. Er hat sie überall eingesetzt, wo es galt, Gutes zu itun. Er fehlt in seinem Heimatlande, wie überall, einer beträchtlichen Anzahl von Institutionen, die er geschaffen und unterstützt hat. Seine Wohltätigkeit, wie seine Gute waren unerschöpflich. Ganz besondere Sorgfalt hat er jenen unglücklichen Glaubensgenossen zugewandt, welche die Verfolgungen aus Russland und aus Rumänien verjagen. Er hatte tiefes Mitempfinden für ihr Elend und hat es selbst, soweit er vermochte, gemildert. Er wachte über sie in den Vereinigten Staaten; die Institutionen, welche in jenem grossen Lande, das er so genau kannte, zu ihrer Unterstützung geschaffen wurden, besassen an ihm einen eifrigen Sachwalter. Wir hörten auf ihn mit ebensoviel Sympathie, wie Hochachtung. Die Verminderung seiner Kräfte verminderte nicht seinen Feuereifer. Er hat gearbeitet bis zu seinen letzten Augenblicken. Ach, er ist von uns gegangen und hinterliess Uns mit dem Beispiel eines wunderbar ausgefüllten Lebens unauslöschliche Trauer. . . . Ich brauche Ihnen die Arbeiten des abgelaufenen Jahres nicht im einzelnen zu schildern, denn Sie haben darüber den eingehenden Rechenschafts- Bericht in Händen; aber ich erachte es für nützlich, einige grosse Gesichtspunkte hervorzuheben, die ich nur erlaube Ihnen darzulegen. Die Kolonien in Argentinien. An erster Stelle steht unser Ivoionisationswerk in Argentinien. Die jüdischen Kolonien, welche wir in allen Formen geschaffen haben und deren älteste erst fünfzehn Jahre existieren, konsolidieren und vergrösseai sich fortgesetzt, und alljährlich habe ich die angenehme Aufgabe, Ihnen von ihren Fortschritten;.u berichten. Die Gesamtbevölkorung unserer Ansiedelungen, welche Anfangs vorigen Jahres 11.974 Seelen betrug, hat sich am Ende des laufenden Jahres auf 13.212 vermehrt. Die Fläche des besäeten Bodens stieg von 58.400 auf 64.000 Hektar, die Stückzahl des Viehs von 104.000 auf 142.000. Zugleich mit der eigentlichen Landwirtschaft gewinnt die Viehzucht, welche eine der Haupteinnahmequcllcn der Bevölkerung Argentiniens bildet, alljährlich in unseren Kolonien an Ausdehnung. Zu ganz besonderem Vergnügen gereicht es mir, festzustellen, dass dieses Wachstum und Gedeihen ein allgemeines ist, und dass diejenigen Kolonien, welche uns eine gewisse Zeit lang Sorge machten, es verstanden haben, sich aufzurichten und dauernd ihren Weg zu finden. In Mosesville, wo die klimatischen Bedingungen für die Crosskultur nicht sonderlich günstig sind, haben die Kolonisten ihre unzureichenden Einnahmen dadurch ergänzt, dass sie die Luzerne-Kultur ansehnlich entwickelten, welche auf dem Boden dieser Kolonie wunderbar vorwärts kommt und leichten, einträglichen Absatz findet. Die Produktion dieser FutWr-Pflanzungen ermöglicht es ihnen zugleich, sich mit Erfolg der Viehzucht zu widmen. In den Kolonien dv Provinz Entre Rios, welche allein nahezu 7000 Seelen zählen, und denen es an Schwierigkeiten nicht gefehlt hat, haben die Erträgnisse der beiden letzten Ernten bewiesen, dass gute Arbeiter dort ebenso gut vorwärtskommen können, wie anderswo. In ausnahmslos allen unseren Kolonien verstehen es die Kolonisten, aus sämtlichen Einnahme-Quelle]!, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben, Vorteil zu ziehen. Sie verstehen es, die Gross-Kultur mit der Viehzucht zu vereinigen, sich der Herstellung und dem Verkauf von Milch, der Geflügelzucht etc. zu widmen. Sie arbeiten mit Hilfe ihrer erwachsenen Kinder und der fast sämtlich jüdischen Tagelöhner, welche die Gewissheit, Beschäftigung zu finden, und die Befriedigung, in der Mitte von Glaubensgenossen <:u leben, in immer grosse» rer Anzahl in unsere Kolonien führen. Wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl unserer Kolonisten früher von der Landwirtschaft Nichts verstanden, so können wir nicht umhin, anzuerkennen, mit welcher Leichtigkeit sie sich den Lebens- und Arbeits-Bedingungen in Argentinien angepasst haben, und uns zu den Erfolgen zu beglückwünschen, welche sie in so wenigen Jahren erzielt haben. Self-Govcrnement. Bemerkenswert ist ferner der Geist der Solidarität, von welchem unsere Kolonisten durchdrungen sind, und die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre Kommunal-Verwaltung organisieren. Sic haben in jeder Ansiedelung Kooperativ-Gcsellschaften ins Leben gerufen, welche die Giundlagc einer autonomen Verwaltung, des S e 1 f - G o v e r n e m ents, bilden, dessen Einrichtung wir unsere Bemühungen widmeten. Die Ausgaben von allgemeinem Interesse:

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