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Neue Nationalzeitung · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sehe 8. Nr. 20. tion der Abgeordneten Leim Ministerium des Innern Abhilfe zu erbitten. Die Herren Prof. Dr. Kolcssa, und Dr. Mahl er haben sich auch bemüht. Der Erfolg bleibt jedoch abzuwarten. Rosige Hoffnungen wurden den Herren vom Baron Bicnerth nicht gemacht; das letzte Wort hat ja; in Galizicn nicht der Minister, sondern der Statthalter. Herr Doktor Bobrzynski hätte nun Gelegenheit zu zeigen, ob er besser ist, als sein Yt rgänger. Wie seine Organe wirtschaften, das kann er am besten aus den beiden Interpellationen erfahren, welche am 23. Juni von den Abgeordneten Prof. Kolessa und Dr. Mahler überreicht wurden. Dieselben lauten: Interpellation des Abgeordneten Dr. A. Kolessa und Genossen an Seine Exzellenz den Herrn Minister des Innern, betreffend die A u s n a h m s m a s s r e g e 1 n der Bezirkshauptmannschaft in Czortkow, betreffend die Abhaltung des Jahrmarktes in Ulaiszkowce. Die Bezirkshauptmannschaft in Czortkow bat am 14. Juni d. J. eine Kundmachung erlassen, durch welche sie für die Zeit des Jahrmarktes in Ulaszkowce das Oeffnen der Jahrmarktsbuden a/uf dem Territorium der Gemeinde L'laszkowce \'erbietet, weil der Jahrmarkt angeblich n u r a u f d c m T e rritorium der G u t s h e r r s c h a f t a b g e h a 1t e n wer d e n d ü r f e. Das Zuwiderhandeln wird mit einer Strafe von 200 K oder 14 Tagen Arrest bedroht; ausserdem sollen die W aren der Zuwiderhandelnden vom Jahrmarktkommissär beseitigt, die Buden geschlossen und dem Zuwiderhandelnden gegenüber (unter Entfernung der W are für die Zeit des Jahrmarktes noch mit anderen Mitteln vorgegangen werden. In Erwägung dessen, dass die oben geschilderten ungesetzlichen Massnahmen die materiellen Interessen der Bevölkerung auf das tiefstschädigen, in Erwägung, dass diese Massnahmen ad s ein Racheakt gegen die oppositionellen Wähler des Ortes erscheinen und eine (Beunruhigung und Erregung der Bev ölkerung hervorzurufen imstande sind, stellen die Unterzeichneten die Anfrao-e: O ,.Ist Seine Exzellenz geneigt, sofort die entsprechenden Massnahmen zu treffen, um widergesetzliche Zustände zu beseitigen und die Bevölkerung in Schutz zu nehmen, speziell aber die oben angeführte Anordnung der Bezirkshauptmannschaft in Czortkow unverzüglich aufzuheben?" Interpellation des Abgeordneten Doz. Dr. Artur Ma li ler und Genossen über das Yorgehen der Bezirkshauptmannschaft Czortkow anlässlich des Jahrmarktes in Uk.szkowcc. Der herannahende Termin des für die ganze Umgebung und weit über dieselbe hinaus wichtigen Jahrmarktes in Ulaszkowce h«it der Bezirkshauptmannschaft Czortkow Veranlassung gegeben, die o p ]) o s i t i o n e 11 e W ä h 1 e r s c h a f t durch Erlassung einer Kundmachung aufs tiefste z u schädigen und das Beispiel einer unerhörten Gcsetzesverlctzung zu geben. Sie hat nämlich am 14. Juni eine Kundmachung-erlassen, durch welche für dje Zeit des Jahrmarktes in Ulaszkowce das Oeffnen der Jahrmarktsbuden auf dem Territorium der Gemeinde verbietet, wo d^r Jahrmarkt seit unvordenklicher Zeit abgehalten wurde, weil der Jahrmarkt angeblich nur a.uf dem Grunde der Gutsherrschaft abgehalten werden darf. Zuwiderhandeln wird mit 14 Tagen .Arrest oder 200 K Geldstrafe bedroht. Angesichts dieses unerhörten Yorgehens richten die Unterzeichnet1'!] an Seine Exzellenz den Herrn Minister des Innern die Anfragen: ,,Ist Seine Exzellenz geneigt, umgehend die entsprechenden Weisungen zu geben, dass diese auf ungesetzlichem Vorgehen beruhende schwere Schädigung der Bevölkerung hintangehalten werde; ferner ist Seine Exzellenz entschlossen, dafür Sorge zu tragen, dass solche flagrante Gcsetzcsverletzungen in Zukunft nicht mehr vorkommen?" Die Ereignisse von Ulaszkowce bilden seit Wochen den Gegenstand unserer Aufmerksamkeit und Sorge. Die Einwohner von Ulaszkowce haben auch unser Blatt bestürmt. Wir haben aber ihrem Angstschrei den Weg in die Oeffentlichkeit nicht gebahnt, weil uns berufene Personen darum ersuchten und uns in Aussicht stellten, dass österreichische Staatsbürger, auch wenn sie gailizisehe Juden sind, bei der Zentralregierung ihr Recht finden könnten. Wir waren vom Gegenteil überzeugt. Aber gerade deshalb schwiegen wir, um i.i die Krage der Verantwortlichkeiten keine absichtliche Verwirrung zuzulassen. Nun wissen wirs. Das Ministerium Beck- Bienerth und sein Chef für Galizicn, Herr Doktor (Bobrzynski. haben aus den letzten Ereignissen noch nichts gelernt . . Der Finanzminister nnd die jüdischen Branntweinschänker. Yor mehreren Jahren spielte sich in Karlsbad eine ergötzliche Szene ab. Der damalige Liamdes- Finanzdircktor für Galizicn, Dr. von Korytowski, der sehr gerne nach Art der Schlachzizen älterer Generation im Jargon oder Hebräisc hen zu konversiei'e.n pflegt, war auf seinem Morgen-Spaziergatng mit einem Standesgenossen in einen heftigen Streit verwickelt. Es handelte sich dabei trotz aller Aufregung jedoch keineswegs um komplizierte Steuerfragen oder jnationalökonomischc Probleme. Die Debatte behandelte vielmehr einen linguistischen Stoff, und zwar: die j i d d i s c h e Uebersctzung des Wortes ----- H u n d. Herr von Korytowski meinte, der Hund heisse auf jiddisch ,,Kele\v", hingegen sein Begleiter wollte die Uebersctzung mit ,,Hünu" richtig finden. Da sich beide Herren nicht einigen konnten, beschlossen sie, die Entscheidung eines polnischen Juden anzurufen. Herr von Korytowski ging auf einen solchen zu und bat ihn um Bescheid. Darauf erhielt er folgende Antwort: ..Der Hund heisst auf jiddisch ,Hünd', aber wir haben in Lemberg einen Finanz-Liandcsdirektor, der, sehen Sie, ist ein — Kelew." Diese Episode aus dem Leben des jetzigen Finanzministers kam mir in Erinnerung, als ich vor einigen Tagen seine launige Unterhaltung mit den galizischen Branntweinschänkern las. Dr. von Korytowski geht jetzt auf ihre Yernichtung los, 'Pausende jüdischer Familien werden im Zusammenhang mit dem geplanten Branntweingesetze depossediert, ums Brot gebracht und nach dem Muster der Landkrämer und Salzverschleisser ins Lumpenproletariat herj&b-

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