Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 21. enthalten war. (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Dann hat der 13und gelogen! — Zwischenrufe.; Ich habe diese Quelle zitiert, und Sie haben mich in gemeiner .Weise besehimpft! Vizepräsident Dr. Kitt er v. Starzynski (unterbrechend): Ich bitte um Ruhe, meine Herren! Abgeordneter Dr. Strauch er (fortfahrend): Deshalb dürfen Sie mich nicht persönlich attackieren! Das ist feige von Ihnen! (Zwischenrufe.) Mit solchen „Waffen des Geistes" kämpfen Sie gegen die Juden. Meine Herren! Es ist ja ein vergebliches Beginnen, hier dem hohen Hause, der Majorität des Hauses, den Artikel XVlil unserer Staatsgrund-Gesetze in Erinnerung zu bringen, der da lautet, „dass es jedermann freisteht, seinen Beruf zu wählen, sich für denselben auszubilden, wie und wo er will." Meine Herren! Dass die Resolution Schmid gegen diese staatsgrundgeseizliche Bestimmung ganz flagrant verstösst, ist für jedermann kiar; Ihre Auslegung ist willkürlich und rabulistisch. (Abgeordneter H. Schmid: Ist nicht wahr!) Warum? Das ist eben ein schlagender Beweis der Unaufrichtigkeit, wie man bei Ihnen die Rechtsgleichheit und Gleichberechtigung auffasst. (Abgeordneter Prochazka: Die Christen werden in die Schulen nicht aufgenommen, weil die Juden ihnen die Plätze wegnehme/i 1) Verzeihen Sie! Wenn Sie sich über den grossen Schulbesuch der jüdischen Kinder beklagen, warum besuchen denn die nichtjüdischen Kinder nicht in grösserer Anzahl die Mittelschulen? Werden sie denn daran von uns gehindert? (Abgeordneter Prochazka: Müssen denn alle Juden studieren?) Wir Swerden doch Sie nicht fragen, was wir tun sollen! Verlangen Sie von der Staatsverwaltung die Errichtung neuer Anstalten! (Abgeordneter H. Schmid: .Warum dies?) Weil Sic doch sagen, dass durch den \Besuch der Mittelschulen seitens der jüdischen Studierenden die Anstalten überfüllt sind. (Abgeordneter Prochazka: Eine Bevorzugung der Juden wollen vvir nicht haben! — Zwischenrufe.) Worin liegt die Bevorzugung der Juden? Hindern wir denn jemand anderen die Schule zu besuchen? Wirken Sie aufklärend auf Ihre Jugend ,zum grösseren Schulbesuche! Im Staatsgrundgesetze steht es, dass jeder sich ausbilden (kann, wie und wo er will; wenn nun kein Platz da ist, dann verlangen Sie von der Staatsverwaltung die ^Errichtung neuer Mittelschulen. (Abgeordneter H. Schmid: Ja freilich!) .Warum nicht? (Abgeordneter Prochazka: Macht euch eigene Schulden! — (Lebhafte Zwischenrufe.) So? Und wofür zahlen wir 'denn unsere Steuern und tragen alle sonstigen Pflichten gleich allen anderen Staatsbürgern? Herr Dr. v. Uriel. Meine Herren! Diese ingeniöse Erfindung „der Staatsgrundgesetze nach Prozenten" ist aber auf Idas Schuldkonto der Regierung zu setzen; denn (die Regierung hat dieses System des Bevölkerungsprozentsatzes bereits eingeführt. (Abgeordneter Prochazka: Bei den Militärärzten?) So ist es! Bei den Militärärztestellen. Und der Herr Minister ^für Landesverteidigung hat hier auf meine und meines' Klubkollegen Dr. Gabel Ausführungen unrichtige Angaben gemacht. (Abgeordneter Prochazka: 18 Prozent Militärärzte gibt es!) Diese Zifferiist unrichtig 1 (Abgeordneter P ro c haz ka: O nein!) Ich werde Ihnen dies sofort ziffernmässig nachweisen. (Abgeordneter Prochazka: Nur Sie sprechen die .Wahrheit!) Ich bitte, meine Pierren! ich spreche da die .Wahrheit, da ich die irichtigen Ziffern vor - bringe. Derzeit dienen jüdische Militärärzte aktiv, und zwar: als Generalstabsarzt keiner; als,Oberstfibsärzte I. Klasse 4; als Uberstabsärzte II. Klasse 11; als Stabsärzte 13; als Regimentsärzte 1. Klasse 20; als Regimentsärzte II. Klasse keiner, als Dberärzte 4; zusammen also 52. Bei einem (systemisierten Stande von 1236 Militärärzten macht dies 4,36 Prozent aus. (Abgeordneter Prochazka: Das entspricht ungefähr der Bevölkerungsziffer, nicht aber 18 Prozent! — Abgeordneter Z ein er: Da (haben Sie die getauften Juden nicht mitgezählt! , Nach Ihrem eigenen Programme bleibt ja die Nationalität immer dieselbe!) Nach Ihrem Programme!, Fragen Sie nur die „Reichspost"! Selbst iwenn man die 43 Aerzte der Landwehr mitzählt, (macht das 95 aus und bei dem Gesamtstande würde noch immer der Prozentsatz 6,89 Prozent ausmachen, (keineswegs aber 18 Prozent! v .Wenn der Herr Minister das Drei-, Vier- oder Fünffache behauptet, dann nennt man das (Beantwortung von Interpellationen, und das Haus nimmt selbe zur Kenntnis, weil Herr v. Uriel, der als Despot das Militärsanitätswesen leitet, diese Auskünfte erteilt hat. (Ruf: Dem Minister glaubenjwir mehr!) Nun, dann möge der Minister einelparlamentarische Untersuchungskommission einsetzen, die sogenannten Beförderungsprotokolle, Geburts- und Taufscheine vorlegen, und man wird sich überzeugen, dass ich die richtigen Ziffern angeführt ijiabe. (Abgeordneter Heinrich Schmid: Man braucht nur die Militärärzte anschauen!) Seit Herr v. Uriel an der Spitze des Militärsanitätswesens steht, wird das „militärstatistische Jahrbuch" nicht veröffentlicht, es ist „Reservat", ein „Dienstgeheimnis", und infolgedessen ist man auf persönliche Mitteilungen angewiesen; trotzdem stelle ich aber diese Behauptung auf und bleibe dabei, dass meine Angaben, vollkommen richtig, jene des Herrn v. Uriel unrichtig sind. (Zwischenrufe.) Seine Exzellenz der Herr Minister für Landesverteidigung hat bona fkle die ihm von Herrn Uriel mitgeteilten Daten hier vorgebracht. Den Antisemiten aller Schattierungen im Parlament ist es mit dem Schmid'sehen Antrag nur darum zu tun, einen Terror auf die Regierung und das Haus auszuüben. Wir wollen übrigens auch hören, was Seine Exzellenz der Herr Unterrichtsminister sagen wird. Die Antisemiten wollen gleichwie im Volksschulwesen auf dem Wege der Administration Gesetzesverletzungen begehen, um den Juden die Bildungsmöglichkeit zu nehmen, weil sie wohl wissen, dass ein geistig unreifes Volk (leichter geknechtet und entrechtet werden kann. Was den Grundsatz betrifft, der den Juden so sehr verübelt wird, so werden hier (die phantastischesten Uebcrtreibungen vorgebracht. Ich bitte, zunächst ist doch notorisch, dass in;den meisten west- Österreichischen Ländern, so in Oberösterreich, Tirol, Salzburg, Vorarlberg, Kärnten, Krain, Steier - mark usw. die Juden keinen Besitz haben. (Abgeordneter Kunschak: Ah, geh' hör' auf!) Ich bitte, lesen Sie die Ausweise! (Rufe: Ist der Rothschild kein Jude?) Vielleicht hat er hie und da ein Jagdgebiet, aber nicht in diesen Provinzen, wohl aber in Böhmen und anderwärts. ( In Niederösterreich, Böhmen, Mähren, Schlesien, in Galizien und in der JBukowina ist der Pro-