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Neue Nationalzeitung · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 27. „Neue National-Zeitung" Seite §. Es ist nun bezeichnend, dass alle diese Anträge von den Christlichsozialen ausgehen, die sich auch ihres Deutschtums berühmen, und überdies von dem Gros der deutschen Parteien. Alle diese auf Entrechtung der Juden, auf Ausmerzung der Juden aus den öffentlichen und Staatsanstellungen, auf Be - schränkung der Juden hinsichtlich des Besuches der Hoch- und Mittelschulen, alle diese gegen die Juden gerichteten reaktionären und ungesetzlichen Massnahmen gehen von dem Gros der deutschen Parteien aus. Die Herren übersehen da, dass all dasjenige, was sie jetzt gegen die Juden planen, sich^auch gegen die Deutschen wenden wird. Die Herren mögen nicht vergessen, dass sie eine M i u d e r h e i t im Staate repräsentieren; mehr als zwei Drittel der österreichischen Völkerschaften sind Slawen und die könnten mit denselben Argumenten . . . (Abgeordneter Prochazka: Die Slawen sind ja selbst ehrliche Antisemiten, nur trauen sie sich nicht!) Warten Sie - lassen Sie nur! . . . fordern, dass 'die prozentuelle Zulassung zu den Staatsämtern und zum Besuche der Hoch- und Mittelschulen auch hinsichtlich der Deutschen eingeführt werde. Warum soll denn die prozentuelle Zulassung zu Staatsanstellungen und zum Besuche der Hoch- und Mittelschulen auf die Juden allein beschränkt bleiben? (Zwischenrufe. ) Nun, hier im Haiir>e sind Vertreter eines kulturell sehr hochstehenden Volkes, das ist das italienische Volk, ein national bewusstes, freiheitliches, ein vornehmes Volk warum ist von seifen dieses Volkes noch niemals irgendeine antisemitische1 Aeusserung . . . (Abgeordneter Prochazka: Weil sie keine Juden haben!) Aber in Italien haben isie doch Juden! . . . vorgebracht jworden? Und, meine Herren, haben Sie denn in Salzburg, in Oberösterreich, in Steiermark, in Krain etc. - haben Sie dort Juden? Lud doch kommen von dort alle diese erbitterten antisemitischen Abgeordneten! Kommen Sie also nicht mit diesem Argumente. Aber hören Sie weiter: Als es sich um die Schaffung des grossen Wahlreformwerkes handelte, da wurde von den Deutschen als, Grund zu ihrer vorzugsweise Berücksichtigung bei der Mandatsverteilung und Schaffung der Wahlbezirke in mehreren Provinzen, namentlich aber in den gemischtsprachigen Ländern Böhmen. Mähren, Schlesien, auch in der Bukowina ihre hohe Steuerleistung, ihre grosse wirtschaftliche Bedeutung sowie ihre hervorragende Beteiligung in Handel. Gewerbe und Industrie ins Feld geführt. Argumente, die doch in gleichem Masse auch zugunsten der Juden sprechen. Was geschah aber bei dieser Berechnung? Nachdem notorisch derzeit noch die jüdischen Industriellen, Unternehmer und Fabrikanten etc. sich zu den deutschen zählen, wie lange, weiss ich nicht . . . (Lachen, i Sie können lachen, das sagt Professor Talif. (Zwischenrufe.) Sie lachen hier und die Deutschen draussen werden das bezahlen . . . haben die Deutschen die Steuerleistung der Juden als etwas Selbstverständliches für sich reklamiert und praktisch ausgenützt. Haben aber deshalb die Juden von den Deutschen irgendwo ein Mandat bekommen? Das nicht! Wissen Sie, wie das bezeichnet wird? Fragen Sie nur den Abgeordneten Dr. Lecher, ist etwa sein Deutschtum minderwertig? Der sagte: Es ist eine Schande und unmoralisch, vor den Wahlen die jüdischen Stimmen für sich zu w-erben, nach den Wahlen aber die Juden nicht kennen zu wollen?oder gegen sie aufzutreten. Das sagte nach den Zeitungsberichten Herr Dr. Lecher, fragen Sie ihn nur! Nur mit Hinzurechnung der jüdischen Steuerleistung besitzen die Deutschen in Prag und in Böhmen die Hälfte der gesamten Steuerleistung. Die Wasserleitungsrohre von Asch. l'nd der hochweise Stadtrat von Asch in Böhmen hat erst vor einigen Tagen den einhelligen Beschluss gefasst, die städtischen Wasserleitungsrohre nur bei keinem tschechischen und jüdischen Fabrikanten zu bestellen. (Abgeordneter Eduard von Stransky: Das ist eine Lüge! Sie sind ein jüdischer Lügner, Sic sind ei l frommer Jude und haben jetzt gelogen!) Vizepräsident Dr. Ritter v. S t a r z y n s k i: Herr Abgeordneter S t r a n s k y, ich bitte, nicht fortwährend zu unterbrechen. Abgeordneter Dr. Straucher (zum Abgeordneten PMuard v. Stran vky): Sie sind ein Lügner! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Sie sind ein jüdischer Lügner!) Herr Stransky, ein Lügner sind Sie, ein Lügner sind Sic! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Kin jüdischer Lüger sind Sie!) Lud Sie sind;ein ganz gewöhnlicher, unverschämter Lügner! (Abgeordneter Eduard v. Stransky. Jetzt haben Sie gelogen, Sie wissen, dass der Stadtrat diesen Beschluss nicht gefasst hat!) Vizepräsident Dr. Ritter v. S t a r z \ n s k i: Herr Abgeordneter Stransky, ich bitte, nicht fortwährend zu unterbrechen. Abgeordneter Dr. Straucher: Der Stadtrat hat das beschlossen und, das steht im offiziellen .Organ des Bundes der österreichischen Industriellen. (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Sie sind ein Lügner!) Sie lügen, Sie sind ein ganz infamer Mensch! (Abgeordneter PMuard v. Stransky: Sie sind ein jüdischer Lügner!) Sie sind ein niederträchtiger Lügner, Sie sind ein pöbelhafter, ungezogener , unverschämter Mensch! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Sie sind ein jüdischer Lügner! Ein gewöhnlicher jüdischer Lügner sind Sie!) Vizepräsident Dr. Ritter v. Starzynski: Herr Abgeordneter v. Stransky, ich bitte zum dritten male, nicht zu unterbrechen! Abgeordneter S t r a u eher (zum Abgeordneten Eduard v. Stransky;: Und Sie sind ein pöbelhafter, ein ungezogener Mensch! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Ein solcher Beschluss ist nicht gefasst worden! Das tut er. um die Stadt \Asch zu schädigen! Ich lasse die Stadt Asch nicht durch einen solchen Hebräer schädigen!) Vizepräsident Dr. Kitler v. Starz y n s k i: Herr Abgeordneter v. Stransky, ich ersuche Sie zum viertenmale Ruhe zu halten! .Wenn ich Sie anspreche, bitte sich an mich zu wenden! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Ein solcher Beschluss ist nicht gefasst worden, nicht einmal ein ähnlicher! Wie können Sie so etwas behaupten?) Herr Abgeordneter v. Stransky, ich rufe Sie wegen Ihres Benehmens zur Ordnung! Herr Abgeordneter Doktor Straucher, Sie haben sich auch des Wortes ,,Lüge" bedient, ich rufe auch Sie zur Ordnung! Abgeordneter Dr. Straucher (fortfahrend): Allen diesen Insulten gegenüber konstatiere ich, meine Herren, dass die Mitteilung im offiziellen Organ des Bundes der österreichischen Industriellen

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